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Geld 20 Franken für «Geldwäscherei-Formular» bei der Post

Für eine Einzahlung von 35 Euro auf ein Schweizer Konto fordert die Post von einem Kunden eine Bestätigung, dass das Geld rechtmässig ihm gehört. Und verlangt für diese «Dienstleistung» zusätzlich 20 Franken. Der Kunde fragt sich: kann das sein?

Legende: Audio «20 Franken für «Geldwäschereiformular» bei der Post» abspielen. Laufzeit 5:19 Minuten.
5:19 min, aus Espresso vom 11.08.2015.

Werner Jäckle aus dem Kanton Bern will kürzlich am Postschalter eine Einzahlung machen. Er hat bei einer deutschen Firma eine Software gekauft und soll nun 35 Euro überweisen – auf ein Schweizer Konto in Basel.

20 Franken für Bestätigungsformular

Am Postschalter wird der Kunde darauf hingewiesen, dass er für diese Überweisung ein Bestätigungsformular ausfüllen müsse, dass das Geld rechtmässig ihm gehöre – wegen dem Geldwäschereigesetz. «Das kostet dann noch 20 Franken extra», meint der Postangestellte.

Postkunde Jäckle ist perplex: «Ich dachte, der Postangestellte hat sich verhört. Ich wollte ja nicht 35‘000 Euro überweisen!» Doch die Post bleibt hart, und Werner Jäckle zieht unverrichteter Dinge ab. 20 Franken für eine Einzahlung von 35 Euro, das erscheint Werner Jäckle absurd.

Die Nachfrage bei der Post ergibt: es ist in diesem Fall tatsächlich ein Fehler passiert. «Da ist wahrscheinlich ein Missverständnis entstanden», bestätigt Postfinance-Sprecher Johannes Möri. Denn diese bürokratische Hürde gilt nur, wer Bargeld ins Ausland einzahlen will.

Überprüfung auf Geldwäscherei «bereits ab 5 Rappen»

Bei einer Barüberweisung an ein ausländisches Konto muss der Kunde jedoch tatsächlich bereits ab fünf Rappen ein Formular ausfüllen und bestätigen, dass er der rechtmässige Besitzer des Geldes ist. So will es die strenge Geldwäscherei-Verordnung, wie die Finanzmarktaufsicht FINMA gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 bestätigt.

Der stolze Preis von 20 Franken fürs Ausfüllen eines Standard-Formulars begründet Johannes Möri von Postfinance so: «Die Transaktion ins Ausland kostet zwölf Franken, dazu kommt noch eine Gebühr von acht Franken, die wir für den administrativen Aufwand und für die ganze Nachbearbeitung erheben.»

Lösung: Überweisung via Bankkonto

Postkunde Werner Jäckle macht die Überweisung schlussendlich bei seiner Hausbank. Für all jene, die Geld auf ein ausländisches Konto einzahlen müssen, übrigens ebenfalls die beste Lösung: Bei einer Banküberweisung ist die Geldwäschereiverordnung weniger streng. Dort gilt die Identifikationspflicht erst bei einem Betrag ab 25‘000 Franken.

26 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Kunz, gossau
    ist klar das herr jäckli (tönt nach einem bünzli schweizer) dies direkt an die öffentlichkeit bringt. mir ist bewusst, dass da ein fehler des post ma vorliegt, aber deshalb muss man ja nicht gerade alles publik machen. ab chf 25m ist ebenfalls die bank verpflichtet eine bestätigung über den wirtschaftlichberechtigten (Formular A) einzuverlangen. für mich persönlich ein zu übertriebener artikel, man bedenke das ein arbeiter direkt an der front immer mit neuen anpassungen konfrontiert wird.
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  • Kommentar von M. Keller, Thurgau
    Eine Folge der "Weissgeldstrategie", wie von SP und Co verlangt! Da - provokativ formuliert - Ausländer im Ausland ausländisches Recht brechen können, wenn sie in der CH mit Geld zu tun haben, müssen WIR IN DER CH eben in den sauren Apfel beissen und Banken/Post ggü Staaten, mit denen die neuen Steuerabkommen beschlossen wurden, bestätigen, das sie keine illegalen Gelder annehmen.. Das kostet und davor wurde auch gewarnt. Dankschreiben somit an EWS und die Genossen, nicht an die Post!
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  • Kommentar von Kurt Müller, Chalfont St. Peter GB
    Diesen Irrsinn kenne ich (leider) auch. Als ich jemandem im Ausland in einer Notlage über Western Union helfen wollte, wurde ich (als Western Union Goldkarteninhaber) von einer resistenten SBB-Schalterhilfskraft über die Herkunft von ungefähr Fr. 750 solange ausgefragt, bis ich schlussendlich von Luzern nach Zug fuhr, wo ich den Betrag ohne Fragerei überweisen konnte.
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