Datacom lässt trotz «Sorry» Betreibungen versenden

Das Geschäftsmodell von Datacom ist ziemlich speziell. Wer am Telefon nicht ausdrücklich Nein sagt, erhält umgehend Rechnungen und Betreibungs-Androhung. Auf Druck des Bundes hat sich Datacom entschuldigt und Besserung gelobt. Doch besser wurde bisher wenig.

Sie liess sich am Telefon überreden: Die Frau von Antoine Sanzi schloss bei Datacom ein zehnjähriges Abo ab, das sie vor Werbeanrufen schützen sollte. Antoine Sanzi wollte das nicht und kündigte rechtzeitig. Und trotzdem erhielt er gesalzene Rechnungen und Betreibungsandrohungen von Datacom, respektive von der Inkassofirma Inkassolution. Sanzi war damit einer von vielen, die sich in den letzten Wochen beim Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 gemeldet hatten.

«Wir entschuldigen uns»

Die vielen Reklamationen und dass sich auch das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco einschaltete, zeigten Wirkung: Am 10. Juni entschuldigte sich Datacom-Chef Patrick Dütscher per Mail an «Espresso»: «Anlässlich des telefonischen Vertragsschlusses wird weder ausdrücklich auf die Zusatzgebühr noch auf die AGBs hingewiesen, weshalb diese Gebühr aus zivilrechtlicher Sicht nicht Vertragsbestandteil bildet und somit für die entsprechenden Forderungen keine vertragliche Grundlage besteht.»

Leider habe man dies vorgängig nicht genau abgeklärt. Kunden seien deshalb nicht verpflichtet zu zahlen.

«Wir fordern Sie ein letztes Mal auf…»

Nur eine Woche, nachdem ihm der Datacom-Chef persönlich die Stornierung der Rechnung versprochen hatte, erhielt Antoine Sanzi erneut Post von Datacom.

Dabei spielte sich Inkassolution einmal mehr auf aggressive Art und Weise als Geldeintreiberin auf: «Wir fordern Sie ein letztes Mal auf, die nachstehende Forderung zu überweisen. Bei Ausbleiben der Zahlung werden wir die betreibungsrechtlichen Massnahmen einleiten.»

Weiter wird gedroht, «dass man sonst negative Zahlungsvermerke in Bonitätsdatenbanken zu befürchten habe». Die Grundforderung von 135 Franken ist mittlerweile auf über 280 Franken angewachsen. Die Inkassofirma macht einen Verzugsschaden und Kosten für die Adressverifizierung geltend. Ein Blick auf das Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs würde der Firma aus dem Kanton Zug klarmachen, dass solche Kosten – wenn schon – vom Gläubiger und nicht vom Schuldner zu bezahlen sind.

Es passt zu dieser Geschichte, dass sich der Verband der Schweizer Inkassotreuhandinstitute vsi ausdrücklich von der Geschäftspraxis von Inkassolution distanziert und diese Firma auch nicht in den Verband aufnimmt. Diese gründete deshalb kurzerhand einen eigenen Verband.

«Kann vorkommen»

Datacom-Chef Dütschler hat eine simple Erklärung dafür, dass seinen Entschuldigungen neue Betreibungsandrohungen folgen. Es könne natürlich passieren, dass sich Stornierungen und Mahnungen überschneiden. Schliesslich dauere der Mahnungsversand bis zu sechs Tage.

Betroffene Kunden – und davon gibt es viele – werden von Dütschler aufgefordert, sich persönlich bei Datacom zu melden. Das ist allerdings nicht so einfach, wie nicht nur das Konsumentenmagazin «Espresso» immer wieder festgestellt hat.