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Geld Ein dubioses Geschäftsmodell: Leasing für Verschuldete

Die Firma ALB Autoleasing und Beratung in Cham macht Kasse mit verschuldeten Kunden. Auf ihrer Homepage verspricht sie: «95% aller Anträge werden bewilligt. Auch bei Betreibungen». «Espresso» zeigt, mit welchen Tricks die ALB Verschuldeten das Geld aus der Tasche zieht.

Legende: Audio Ein dubioses Geschäftsmodell: Leasing für Verschuldete abspielen. Laufzeit 07:23 Minuten.
07:23 min, aus Espresso vom 03.02.2016.

Andreas S. (Name der Redaktion bekannt) ist hoch verschuldet. Allein im letzten Jahr wurde er für um die 20 000 Franken betrieben. In den Jahren davor sieht es ähnlich aus.

Der Familienvater von drei kleinen Kindern befindet sich nach einem Unfall in einer IV-Umschulung. Mit der Rente kommt die Familie mehr schlecht als recht über die Runden.

«Ihr Antrag ist schon zu 95% genehmigt»

Im letzten Herbst musste Andres S. seinen Wagen ersetzen. In der Schweiz ist die Kreditvergabe an verschuldete Personen verboten. Umso erstaunter war Andreas S. über das Angebot der Firma ALB Leasing und Beratung AG in Cham. Auf ihrer Homepage wirbt die Firma damit, man nehme Rücksicht auf die jeweilige finanzielle Situation. Über 95% aller Anträge würden genehmigt, trotz Betreibungen (siehe Screenshot). Was die Firma ALB macht, ist legal. Ihr Trick: Die Firma hat ihre Verträge so ausgestaltet, dass diese nicht unter das Konsumkreditgesetz fallen.

Andreas S. füllt online einen Antrag aus. Wenige Augenblicke später bekommt er ein Mail, sein Antrag sei so gut wie bewilligt. Gegen eine «Prüfungsgebühr» von 200 Franken werde man seine Angaben weiter prüfen.

S. zahlt und bekommt postwendend die schriftliche Bestätigung, sein Leasingantrag sei genehmigt. Nun füllt S. die Wagenbestellung aus. Er entscheidet sich für einen Nissan Pathfinder für monatlich knapp 800 Franken und bezahlt ein Depot über 4500 Franken.

Nach der Geldüberweisung herrscht bei der ALB Funkstille

Dann ist Funkstille. Andreas S. meldet sich telefonisch bei der ALB und wird vertröstet. Es seien noch Formalitäten zu erledigen, heisst es auf der kostenpflichtigen Hotline. Wieder soll Andreas S. verschiedene Formulare ausfüllen. Dass er erneut ein detailliertes Budget über seine Lebenskosten einreichen soll, macht ihn stutzig. Diese Angaben hatte er bereits im Online-Antrag gemacht.

Printscreen der Internetseite ALB AG mit einer Beschreibung der Dienstleistung.
Legende: Das Versprechen ist verlockend. ALB

Die Erklärung für die Verzögerung bekommt Andreas S. wenige Tage später. Die ALB teilt ihm telefonisch mit, sein Antrag sei abgelehnt. Vom Depot zieht sie ihm laut Schlussabrechnung gut 600 Franken ab. Begründung: «Bearbeitungsgebühren».

«Vertragsverhandlungen sind grundsätzlich kostenlos», erklärt Konrad Rothenbühler, auf Leasing spezialisierter Rechtsanwalt in Bern. Für eine Absage dürfe keine Entschädigung verlangt werden, sagt er gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1. Rothebühler kennt die Firma ALB und weiss, mit welchen Tricks diese Firma Verschuldeten das Geld aus der Tasche zieht.

«Den Leuten werden falsche Hoffnungen gemacht»

Erstens seien laut Rothenbühler die Preise und damit auch die Leasingraten dieser Autos häufig völlig überrissen. Zweitens würde die ALB ihren Kunden hohe Administrationskosten auferlegen und ihnen drittens nach der Rückgabe des Wagens hohe Instandstellungskosten verrechnen.

«Man macht verschuldeten Leuten ganz klar falsche Hoffnungen», kritisiert Rothenbühler. Wer knapp rechnen muss oder sogar Schulden hat, verschlimmere seine Situation mit einem Leasing. Denn: Neben der Leasingrate fallen hohe Kosten an für die Vollkaskoversicherung, den Unterhalt und die Abgaben. Dazu kommt, dass eine vorzeitige Kündigung immer mit hohen Kosten verbunden ist. Das führt immer wieder zur absurden Situation, dass sich Leute einen Ausstieg kaum leisten können, wenn sie die Raten für ihren geleasten Wagen nicht mehr bezahlen können.

Ein Occasionsauto ist die bessere Alternative zu Leasing

Wer knapp bei Kasse ist, fährt mit einem gebrauchten Wagen um vieles günstiger als mit einem Leasing und ist zudem nicht an einen langjährigen Vertrag gebunden. Das hat inzwischen auch Andreas S. eingesehen. Für die 4500 Franken Depotleistung hat er sich jetzt einen Occasionswagen gekauft.

Stellungnahme der ALB Cham

Die Firma ALB Leasing und Beratung AG in Cham will zu den Vorwürfen von «Espresso» nur schriftlich Stellung beziehen. Andreas S. habe bei seinem Online-Antrag nicht alle Schulden angegeben, was man erst nach der Bezahlung des Depots anlässlich einer Stichprobe festgestellt habe.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Albert Nägeli, Kumliswil
    Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschliessen: Erstens zeugt es nicht gerade von Intelligenz, auf ein solches Angebot einzugehen, genau so wie als hochverschuldeter ein Leasing für 800.- im Monat abzuschliessen. Weiter frage ich mich, wie jemand mit Betreibungen überhaupt 4500.- Erspartes haben kann? Und am Schluss geht man mit einer solchen Geschichte auch noch an die Medien... Kein Wunder sind solche Leute verschuldet: Überhaupt nicht begriffen, wie das Leben funktioniert.
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    1. Antwort von Beat Gurzeler, Winterthur
      @ A.Nägeli: Das Betreibungsrechtliche Einkommen ist höher angesetzt + als Familie einen Freibetrag von 10000.- plus für jedes Kind etwas. Der Vermögenfreibetrag bei der Sozialbezüger die eine Familie haben auch 10000.- plus für jedes Kind etwas. Nachzulesen im Betreibungsrecht, wenn Sie ein Internetanschluss haben, zu Überprüfung meiner Angaben.
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    2. Antwort von B. Thiel, Basel
      @B. Gurzeler: Mag ja sein, dass dies rechtlich richtig ist. Aber wenn einer Schulden wie Scheiterbeige hat und diese nicht zahlt, ist es eine Frechheit für monatlich 800.- ein Auto zu leasen!
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    3. Antwort von Adrian Gerber, Aarberg
      @ B. Thiel Darum würde es ja das Bundesgesetz über den Konsumkredit geben, was ALB Cham, Cham scheinbar ausheben kann. Welche Rechnungen werden wohl zuerst bezahlt, wenn ansonsten das schöne Auto abgeholt wird?
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  • Kommentar von Peter Meier, Zürich
    Typisch Schweizer Bünzlitum - das Geschäftsmodell nicht verstehen und daher als "dubios" und "unseriös" bezeichnen. Es handelt sich um ein Angebot mit einem anderen Risikoprofil als es die Banken kennen und dies seit Jahren, also gibt es auch Nachfrage und einen Markt dafür. Wir leben in einem freien Land. Jede(r) kann selber entscheiden ob er ein Auto kauft oder finanziert und bei welchem Anbieter er dies tut. Es braucht niemand eiversüchtig zu sein, alle haben die selben Möglichkeiten.
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    1. Antwort von ALB Cham, Cham
      Guten Tag Herr Meier. Als ihr Chef habe ich ihnen doch gesagt, Sie sollen sich nicht als Mitarbeiter der ALB an dieser Diskussion beteiligen. PS: Ihren Leasingantrag musste ich auch leider ablehnen, weil Sie auf Provision arbeiten und kein genügend hohes Einkommen erzielen.
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    2. Antwort von Adrian Gerber, Aarberg
      @Phillipp Fuhrer Wenn sich der gute Herr Peter Meier nur ein Leasing für ein gebrauchtes Auto leisten kann, wird es wirklich höchste Zeit, dass er in Zukunft Entscheidungen trifft, die mit Ihrem Unternehmen nichts zu tun haben. Im weiteren passt es zu Ihrem Geschäftsmodell, dass Ihre Mitarbeiter auf Provision beschäftigt sind.
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  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Ich halte von Linken sowenig wie von Rechten. Unsere Rechten haben letztes Jahr entschieden, dass die Konsumkreditbanken selber Verantwortung über Ihre Werbung tragen sollen und diese zur Mässigung augerufen. Genau so könnten doch die rechts korrupten Politiker mit Rasern und anderen Gesellschaftsschädlingen umghen. Morallose Poltiker zerstören die Schweiz, egal welche Fahne Sie tragen und in Bern haben wir gefühlte 80% Moralloser Politiker - übrigens frisch gewählt, gratuliere!
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