Eintrag im Betreibungsregister: Fieses Geschäft mit Löschgebühr

Eine Rechnung geht vergessen und schon steht man im Betreibungsregister - mit unangenehmen Folgen bei der Wohnungssuche, Stellenbewerbung oder bei Bankgeschäften. «Kassensturz» zeigt: Eine Inkasso-Firma nützt die Notlage aus und verlangt für die Löschung des Eintrags eine stossende Gebühr.

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Eintrag im Betreibungs-Register: Fieses Geschäft mit Löschgebühr

6:04 min, aus Kassensturz vom 21.10.2014

Für Mario Roncoroni von der Berner Schuldenberatung ist es ein bekanntes und vertracktes Problem: Wer einmal einen Eintrag im Betreibungs-Register hat, kommt nur schwer wieder raus.

Das kann für die Betroffenen unangenehme Folgen haben: «Wenn Sie eine neue Wohnung suchen zum Beispiel, und es gibt hundert Bewerbungen, dann können Sie sicher sein, dass Sie die Wohnung nicht bekommen», sagt Roncoroni.

In der Schweiz werden pro Jahr 2,5 Millionen Betreibungen ausgestellt. Eine eidgenössische Besonderheit dabei: Jeder kann jeden betreiben, ohne dass das Betreibungsamt prüft, ob die Betreibung auch wirklich gerechtfertigt ist.

Stolperstein wegen 220 Franken

Aber nicht nur bei der Wohnung- oder Jobsuche kann ein Eintrag im Register Nachteile bringen. Auch bei Bankgeschäften kann es zu Problemen kommen. So ist es «Kassensturz»-Zuschauerin Iris Weber aus Dürnten ergangen.

Opfer

Bildlegende: Iris Weber. SRF

Weber wollte ihre Hypothek verlängern lassen. Von ihrer Bank wurde sie dann aber darauf hingewiesen, dass es Fragen zu ihrer Kredit-Würdigkeiten gebe, da sie zwei Einträge im Betreibungs-Register habe. Der eine resultierte aus einer zu spät bezahlten Rechnung in der Höhe von 220 Franken. Ausgestellt hatte die Betreibung die Inkasso-Firma Intrum Justitia im Jahr 2011.

Löschen kann nur der Gläubiger

Iris Weber beglich die Rechnung zwar, jedoch zu spät. Wegen der Verlängerung ihrer Hypothek wollte sie die Löschung des Eintrags verlangen. Doch Einträge im Betreibungs-Register löschen lassen, können nur die Gläubiger – in Iris Webers Fall, die Intrum Justitia.

Die Betreibungsämter berechnen für eine Löschung nichts. Die Intrum Justitia jedoch teilte Iris Weber mit, dass sie für das Löschen 100 Franken bezahlen müsse. «Damit bin ich nicht einverstanden», sagt sie. «Ich finde, das geht fast unter Nötigung.»

Auch Versicherungen verlangen happige Gebühren

Intrum Justitia nimmt schriftlich zum Fall Stellung. Gemäss der Inkasso-Firma müsse für den bei einer Löschung entstehende Aufwand der Verursacher – sprich der Schuldner – aufkommen. «Dies ist ein normales Vorgehen, welches auch andere Wirtschaftsunternehmen und staatsnahe Betriebe so handhaben», schreibt Intrum.

Tatsächlich verlangen auch Versicherungen oder Krankenkassen happige Gebühren. Nur: Intrum Justitia kassiert gleich doppelt ab. Bei Iris Weber schlug Intrum auf die ursprüngliche Rechnung von 113 Franken nebst Zinsen auch einen Verzugsschaden von 95 Franken.

Vom Klotz am Bein befreien

Zur Praxis von Intrum Justitia meint Schuldenberater Mario Roncoroni: «Das finde ich ziemlich unverschämt, wenn man schon vorher einen Verzugsschaden kassiert hat, der eigentlich nicht geschuldet wäre. Und dann geht man hin uns sagt, damit ich Dich von diesem Klotz am Bein befreie, möchte ich nochmals 100 Franken. Das grenzt für mich an Nötigung.»

Iris Weber hat die 100 Franken Löschgebühr schliesslich nicht bezahlt. Mit ihrer Bank fand sie ein Einvernehmen – und ihre Hypothek hat sie trotz «Klotz am Bein» erhalten.