Fatca-Abkommen verärgert Postfinance-Kunden

Die USA zwingt die Banken weltweit, zu überprüfen, ob ihre Kunden in den USA steuerpflichtig sind. Zu diesem Zweck wurde 2014 das Fatca-Abkommen in Kraft gesetzt. Für die Banken ein grosser Aufwand. Aber auch für manche Kunden, die nicht wissen wie ihnen geschieht.

Mit dem «Foreign Account Tax Compliance Act» (Fatca) sind ganz neue Zeiten für Banken und Finanzinstitute angebrochen. Das Abkommen verlangt von ihnen, dass sie den US-Steuerbehörden Informationen über US-Konten weitergeben. Zähneknirschend bissen die Schweizer Finanzinstitute und Bankhäuser in den sauren Apfel. Banken die nicht spuren, werden vom US-Finanzmarkt ausgeschlossen.

Die Banken gehen unterschiedlich forsch ans Werk. Besonders Neukunden müssen aber damit rechnen, das Formular «Abklärung US-Steuerstatus für natürliche Personen» unterzeichnen zu müssen. Dabei müssen sie angeben, ob sie US-Bürger oder US-Schweizerischer Doppelbürger sind, oder ob sie aus anderen Gründen steuerpflichtig in den Vereinigten Staaten sind.

Der lange Atem der US-Justiz

Patrick Bachmann hat seit vielen Jahren ein Konto bei der Postfinance. Nun erhielt der Hörer des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1 ein Fatca-Formular von der Postfinance. Er wunderte sich darüber, denn in seinem Bekanntenkreis hatte sonst kein Postfinance-Kunde eine solche Aufforderung erhalten.

Bachmann hegte einen Verdacht: «Könnte es sein, dass das etwas mit meiner USA-Reise vor einigen Monaten zu tun hat?» Damals begleitete er seine Partnerin zu einem Kongress: «Da frage ich mich nun, ob Daten zwischen den USA und meiner Postbank ausgetauscht wurden, ohne dass ich davon weiss. Es kommen mir die düsteren Zeiten des Kalten Krieges in den Sinn, als man fichiert wurde, wenn man in den Ostblock reiste.»

Konsequenzen angedroht

Als Patrick Bachmann das Formular nicht innert nützlicher Frist retournierte, erhielt er alsbald einen weiteren Brief der Postfinance. In deutlichen Worten erklärte diese ihrem Kunden, dass man ihn den amerikanischen Behörden als «nicht kooperierend» melden müsse, wenn er das Formular nicht ausfülle. Diese könnten dann via eidgenössischer Steuerverwaltung verlangen, dass seine anonymisierten Kundendaten offengelegt würden. Ausserdem riskiere Bachmann, dass die Postfinance ihm nicht mehr alle Dienstleistungen anbiete.

Einerseits fragte sich der so gescholtene Kunde Bachmann nun, was an seinem einfachen Bankbüchlein so besonders sein möge. Andererseits verlangte er von seiner Bank schriftlich Auskunft darüber, warum er in den Kreis derjenigen Kunden geraten sei, die ein solches Auskunftsformular ausfüllen müssen.

Postfinance sagt «sorry»

Die Postbank reagierte nicht auf Bachmanns Anfrage – und er wandte sich an «Espresso». Dann ging es plötzlich schnell. Die Postfinance entschuldigte sich beim Kunden. Es sei ein ärgerliches Missgeschick passiert, indem er irrtümlich als Neukunde erfasst worden sei.

Postfinance-Sprecher Johannes Möri entschuldigt sich auch dafür, dass der Kundendienst nicht auf die Reklamation reagierte. Und Möri gibt Entwarnung. Mit der USA-Reise von Patrick Bachmann habe das Drangsalieren nichts zu tun: «Eine mehrwöchige Amerikareise veranlasst uns als Bank noch nicht, Fatca-Abklärungen zu machen.»

Auch dies hat die US-Steuerbehörde im Fatca-Deal festgelegt: Erst längere Aufenthalte während drei Jahren führen zu vertieften Abklärungen.

Viel Aufwand für die Banken

Der Aufwand für das Bürokratiemonster Fatca ist für die Banken enorm. Bei der Schweizerischen Bankiervereinigung schätzt man die Kosten auf 300 Millionen Franken. Sprecherin Daniela Flückiger versteht auch, dass sich viele Kunden nerven: «Wenn sie zusätzliche Formulare ausfüllen müssen, ist das für sie oft unbefriedigend. Den Banken bleibt aber keine Wahl. Sie müssen die Fatca-Regeln einhalten.»

Entsprechend wichtig sei, dass man die Umtriebe klein halte. Dies ist der Postfinance bei ihrem Kunden Patrick Bachmann offensichtlich nicht ganz gelungen.

Weitere Informationen zum Fatca-Abkommen: