Zum Inhalt springen
Inhalt

Geld Forever Living: Jetzt spricht die Sektenexpertin

Die Organisation Forever Living betreibt ein schneeballähnliches Marketingsystem und zieht mit ihren Events so manchen Interessenten in ihren Bann. Die Fachstelle Infosekta sieht darin Parallelen zu sektenhaften Systemen. Die Expertin für Sektenfragen, Susanne Schaaf im Gespräch mit «Espresso».

Legende: Audio Forever Living: Jetzt spricht die Sekten-Expertin abspielen. Laufzeit 05:01 Minuten.
05:01 min, aus Espresso vom 28.08.2014.

Sie verspricht den grossen Erfolg, Freiheit und Glück. Die Organisation Forever Living schreibt vor allem über Facebook potenzielle neue Mitglieder an und bringt so manchen dazu, ihre Produkte zu vertreiben und sich einem schneeballartigen System anzuschliessen. «Espresso» war verdeckt dabei und hat darüber berichtet.

Auch die Fachstelle für Sektenfragen Infosekta kennt Forever Living bestens. Sie hat des Öfteren mit Betroffenen oder deren Angehörigen zu tun. «Espresso» hat mit der Geschäftsleiterin Susanne Schaaf gesprochen.

Warum ist Forever Living bei Ihnen ein Thema?

Porträt einer lächlenden Frau mit hochtesteckten Haaren.
Legende: Susanne Schaaf von Infosekta. zvg
Susanne Schaaf:

Solche Multi-Level-Marketingsysteme sind eigentlich nicht unser Kerngeschäft. Doch die Menschen machen bei solchen Systemen Erfahrungen, die an sektenhafte Systeme erinnern. In den Strukturen, den Vereinnahmungsprozessen, den Werbestrategien sind durchaus Parallelen zu Sekten erkennbar.

Wer meldet sich bei Ihnen?

Schaaf: Wir haben es vor allem mit Angehörigen zu tun, die eine Verhaltensveränderung feststellen. Die Leute engagieren sich stark, verbringen sehr viel Zeit mit den neuen Kollegen und sind auf das Thema fixiert, bis hin zum Euphorischen, Fanatischen. Die Ratsuchenden machen sich natürlich Sorgen und möchten mehr über die Organisation wissen.

Wann sollte ich hellhörig werden?

Schaaf: Heikel wird es immer dann, wenn schnelles Geld versprochen wird und von universalen Veränderungen auf allen Ebenen die Rede ist. Wenn also zum Beispiel Erfolg im Beruf, in der Beziehung, Gesundheit, ja vielleicht sogar Heilung versprochen wird. Auch wenn zugesichert wird, dass alles sehr schnell gehe, ist Vorsicht geboten. Die Alarmlampen sollten sicher auch aufleuchten, wenn die Aufforderung neue Mitglieder anzuwerben einen grossen Anteil einnimmt.

Sie haben sich mit Forever Living befasst. Ihr Eindruck?

Schaaf: Diese Gruppe weiss, wo der Hebel angesetzt werden muss. Es werden grosse Versprechen, schnelles Geld und ein besseres Wohlbefinden versprochen. Das ganze wird kombiniert mit Spass und neuen Freundschaften. Die Frage ist nun, ob die Realität auch so aussieht. Die Interessenten denken, sie können schnell viel Geld verdienen. Dabei müssen sie aber Produkte kaufen und neue Mitglieder anwerben. Ich bin nicht sicher, ob sich das unter dem Strich finanziell wirklich lohnt.

Eine Auflistung mit dem Titel «Unvermeidbar für den Erfolg»
Legende: Die Prognosen für neue Forever-Living-Mitglieder. Forever Living

Forever Living prognostiziert genau solche Einwände.

Schaaf: Ja. Es wird vermittelt, dass man einer Elite beitritt, und es wird vorausgesagt, wie das Umfeld reagieren wird. Und wenn es genauso reagiert, dann ist das natürliche quasi eine Bestätigung, dass die Gemeinschaft richtig liegt.

Wer ist typischerweise für solche Organisationen empfänglich?

Schaaf: Oft sprechen Personen darauf an, die sich in einem persönlichen Umbruch befinden. Man ist unzufrieden, ist auf Partnersuche, möchte eine neue berufliche Ausrichtung. Man ist in einer Situation, in der man den Kick sucht, der den Stein ins Rollen bringt.

Was können Angehörige tun?

Schaaf: Oft ist es schwierig, Einfluss zu nehmen, wenn der Betroffene Feuer und Flamme für die Idee ist. Wir raten Angehörigen, trotzdem Möglichkeiten für ein Gespräch zu suchen und vielleicht auch einmal an einen Anlass mitzugehen. Man sollte auf einfühlsame Art am Ball bleiben und die Person so gut es geht unterstützen. Denn wir machen auch die Beobachtung, dass die Betroffenen nach einer gewissen Zeit negative Erfahrungen machen und kritische Gedanken aufkommen. Dann sollte man einhaken.

Was raten Sie einer Person, die aus einem solchen System aussteigen will?

Schaaf: Wenn jemand über einen möglichen Austritt nachdenkt, ist bereits ein grosser Schritt getan. Wir können ihn dann bei den nächsten Schritten begleiten, zum Beispiel eine juristische Stütze bieten und möglichen Ängsten auf den Grund gehen.

Beschwerde einreichen

Beschwerde einreichen

Bürger können dubiose Firmen beim Staatssekretariat für Wirtschaft melden. Hier geht's zum Formular.

101 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Vincenzo Catalano (Da Vinci)
    Frau Schaaf kennt das Produkt nicht,nimmt sich nicht Mal die Mühe es zu Untersuchen und "DANN" darüber zu sprechen.Sie sagt was Leute hören wollen die ängstlich sind und eine GURU brauchen wie sie. Sie wurde auch "BEZAHLT" und hat Geld verdient für diese manipulierte Aussagen ! Die Besserwisser (Möchtegerne Experten) verdienen Geld und die dummen verlieren vielleicht ein gute Möglichkeit, in erster Linie was für seine Gesundheit zu tun. Das ist auch eine "indirekte" Schneeballsystem.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Gualtiero Marcionelli, Hochwald (SO)
    Guten Tag Frau Schaaf bevor mann eine Materie wie MLM Multilevelmarketing in den Dreck zieht sollte mann sich genau informieren, zu einloggen siehe www.svnm.ch Dort können Sie gerne Downloads anklicken, weitere Angaben finden Sie dazu, Unterschied zwischen einem MLM und einem Schneeballsystem. Mit besten Empfehlungen von meiner Seite.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von the truth, chäs und brot
    Diese Sekte von 4-ever-living sollte man endlich verbieten! Immer diese Versprechungen von Geld und Glück like 'the wolf of wallstreet' aber das dieser ja ebenso nur zum Erfolg kam indem er 'Müll an Müllmänner' verkaufte bedenkt wieder keiner. Schlussendlich macht irgend ein kleiner Verkäufer der paar ach so gesunde Aloe-Mundspühlwasser-Tröpflein (oder whatever) verkauft schlussendlich irgendwann eine Pleite während ein paar leute die schon reich waren noch mehr Geld einstreichen...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten