Gierige Altgoldhändler: So zocken sie Kunden ab

Tausende verkaufen ihr Altgold, um vom hohen Goldkurs zu profitieren. Doch selbst Häuser an bester Adresse zahlen oft einen miserablen Preis. Für ihren Schmuck erhalten Kunden manchmal nicht einmal die Hälfte des Goldwertes. Das zeigt ein Test von «Kassensturz» in der ganzen Deutschschweiz.

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15.12.09: Gierige Altgoldhändler: So zocken sie Kunden ab

15 min, aus Kassensturz vom 15.12.2009

Eine Schlangenkette, eine Königskette, ein Anhänger und ein Ring: Wie viel zahlen Goldhändler in der Schweiz für diesen Schmuck? Thomas Kohler von der Eidgenössischen Edelmetallkontrolle prüft den Testschmuck von «Kassensturz». Er ist 130 Gramm schwer und enthält über 100 Gramm reines Gold.

Gutscheine statt Bargeld

Den besten Preis macht die Firma Goldrausch an der Bahnhofstrasse in Zürich. Das Angebot von Goldrausch: 3340 Franken. Eine weitere Kaufofferte lässt «Kassensturz» sich von der Juwelierkette Kurz geben. Das Angebot hier: 3250 Franken. Allerdings: Kurz zahlt kein Bargeld, sondern nur Gutscheine. Von Goldkäufer Luciano Nicoli haben wir nur die Handynummer aus der Zeitung. Er bestellt uns in ein Pub in Kloten. Im schummrigen Licht prüft Nicoli den Schmuck und offeriert den drittbesten Preis: 30 Franken pro Gramm. Gesamthaft bietet der Antiquar und Goldhändler 3064 Franken.

Im Hotel Restaurant Eisenbahn in Weinfelden kauft heute die Edelmetallbörse aus Will. Der Käufer schummelt mit den Gramm-Angaben. 82 Gramm statt 100 Gramm. Er offeriert er den Preis von 2850 Franken. Die Kredit- und Darlehens AG in Olten zahlt knapp 27 Franken pro Gramm Feingold. Für den Schmuck bekämen wir hier 2696 Franken. Zur Erinnerung: Das höchste Angebot lag bei 3340 Franken. Lonni Flückiger von der Kredit- und Darlehens AG: «Wir machen das schon seit Jahren und haben unsere Preise. Wir können mit den anderen gut mithalten.»

«Nur Verhandlungsbasis»

Noch weniger zahlt der Schmuckhändler Elit in Zürich. Er offeriert 2500 Franken. Der Käufer sagt: Dieser Preis sei nur Verhandlungsbasis. Doch der Tiefpunkt ist noch lange nicht erreicht: Die Schmuckgalerie im Telli-Zentrum in Aarau bietet nur 1880 Franken. Die Schmuckgalerie schreibt «Kassensturz», die Offerte sei nur die Schätzung einer Praktikantin. Noch schlechter die Goldhaus AG in Zürich. Goldhaus bietet nur die Hälfte des besten Angebots: 1750 Franken. Goldhaus rechtfertigt sich, zwischen Goldankauf und Verkauf lägen bei ihnen Wochen bis Monate. Ihre Preise seinen ein Schutz vor Kursverlusten.

Das schlechteste Angebot macht die Firma Cash your Gold, die in der ganzen Schweiz Gold ankauft. Im Hotel Krone in Thun bietet Cash your Gold magere 1480 Franken. Cash your Gold sagt, im Preis sei die grosse Kette nicht berücksichtigt. Eine faule Ausrede.

So wird Altgold eingeschmolzen

Ein Grossteil des verkauften Altgolds aus der Schweiz endet in einer Schmelzerei in Deutschland: im Durchschnitt 60 Kilogramm pro Tag. Name und Ort darf «Kassensturz» nicht nennen.

Ein Mitarbeiter schaufelt Schmuck und Schmelzhilfsstoffe in den 1200 Grad heissen Schmelztiegel. Innert weniger Minuten verflüssigen sich Tausende von Goldschmiedestunden. Die flüssige Masse giesst der Schmelzer in einen Tiegel und lässt sie kurz auskühlen. Danach taucht er das zu einem Barren erstarrte Metall in Wasser. Mit wenigen Schlägen trennt er die Schlacke vom Barren. Der Barren wird angebohrt und die Bohrspäne im Labor auf ihren Goldgehalt analysiert. So bekommt jeder Händler exakt den Goldwert seiner Lieferung ausbezahlt. In der Giesserei werden die Chargen der einzelnen Händler schliesslich zusammengeschmolzen. Die 25 bis 30 Kilogramm schweren Barren schickt die Giesserei in die Schweiz zurück. Daraus entsteht wieder neuer Schmuck.