Konsumkredite: Kommt der tiefere Maximalzinssatz?

Voraussichtlich noch im Herbst entscheidet der Bundesrat über einen brisanten Vorschlag: Der Maximalzinssatz für Konsumkredite soll von heute 15 auf 10 Prozent gesenkt werden. Schuldenberater würden dies begrüssen – andere Stimmen warnen vor wirtschaftlichem Abschwung.

Für den Berner Schuldenberater Mario Roncoroni ist der Fall klar: «Könnten die Kreditbanken keine hohen Zinsen mehr verlangen für Konsumkredite, wären sie gezwungen, seriöser abzuklären, ob sich jemand einen Kredit überhaupt leisten kann.»

Roncoroni kritisiert die Kreditbanken schon lange: Vor allem im Hochzinssegment werde die sogenannte Kreditfähigkeitsprüfung, zu welcher die Banken von Gesetzes wegen verpflichtet sind, oft nicht seriös durchgeführt. «Allein 2014 landeten 150 Barkredit-Fälle bei uns auf dem Tisch – in den meisten davon war nicht sauber abgeklärt worden, ob sich die Person den Kredit beziehungsweise die Ratenzahlungen leisten kann.» Er ist daher überzeugt: Mit einem tieferen Maximalzinssatz könnten viele Fälle von Überschuldung vermieden werden.

Gewerbe warnt vor tieferem Maximalzins

Gar keine Freude an tieferen Maximalzinsen für Konsumkredite hätte der Schweizerische Gewerbeverband. Dieter Kläy, Ressortleiter Wirtschaftsrecht und Mobilität, sieht die Schweizer Wirtschaft in Gefahr: «Der Detailhandel würde das spüren, ganz klar», sagt er zum Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1. Kläy befürchtet eine sinkende Nachfrage, ein tieferes Bruttoinlandprodukt und letzten Endes einen Arbeitsplatzabbau.

Leben auf Pump als Wirtschaftstreiber

Dieter Kläy stützt sich bei seinen Aussagen auf eine noch nicht veröffentlichte Studie, die der Bund in Auftrag gegeben hatte. Die Studie, welche «Espresso» vorliegt, wurde von einem Basler Wirtschaftsinstitut verfasst. Sie geht tatsächlich davon aus, dass ein tieferer Maximalzinssatz für Konsumkredite einen negativen Einfluss auf die Wirtschaft hätte. Konkret ist davon die Rede, dass der Konsum «einmalig einbricht». Danach, so die Autoren, dürfte sich der Konsum wieder erholen.

Begründet wird diese Annahme so: Würde der Maximalzins für Konsumkredite gesenkt, würden Kreditnehmer mit hohem Risiko keinen Kredit mehr erhalten. Die Autoren rechnen vor, dass beispielsweise im letzten Jahr Kredite im Wert von zwei Milliarden Franken nicht mehr vergeben worden wären. Geld, das der Wirtschaft fehlen würde.

Wie entscheidet der Bundesrat?

Ob Konsumkredite bald höchstens noch mit 10 Prozent Zins belastet werden dürfen, entscheidet der Bundesrat voraussichtlich noch diesen Herbst. Die Wirtschaftskommission des Nationalrats hatte im August den Vorschlag mit 14:10 Stimmen gutgeheissen. Damals war allerdings die erwähnte Studie noch nicht erstellt. Insofern ist denkbar, dass der Bundesrat seinen eigenen Vorschlag nochmals überdenkt und den Zinssatz doch nicht senkt. Dann würden auch Personen mit hohem Risiko weiterhin Konsumkredite bekommen.

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