Leasing: Der Trick mit der ersten hohen Rate

Eine junge Frau unterschrieb einen Leasingvertrag. Zwar machte es sie stutzig, dass sie als erste Rate gleich 7000 Franken hinblättern musste. Ein Jahr später wird klar, weshalb. Als sie krank wurde und den Wagen zurückgeben musste, war die Anzahlung abgeschrieben.

«Ich war total verliebt», schreibt Petra Braun (Name geändert) in ihrem Mail an «Espresso». «Ich war blauäugig, wollte diesen Wagen unbedingt haben».

Lange konnte die 28-jährige Gärtnerin ihren BMWd xDrive allerdings nicht geniessen. Ein Jahr nach Vertragsschluss wird sie krank, kann nicht mehr arbeiten. Rasch wird klar: Die Leasingraten von etwas über 523 Franken pro Monat liegen nicht mehr drin. Petra Braun kommt in finanzielle Schwierigkeiten und mit den Raten in Rückstand. Sie will den Wagen so rasch als möglich zurückgeben.

Vorzeitige Kündigung führt ins finanzielle Desaster

Das ist soweit kein Problem. Der Vertrag kann mit einer Frist von drei Monaten jederzeit gekündigt werden. Aber: die Anzahlung von 6300 Franken, die Petra Braun zusätzlich zur ersten Leasingraten bezahlen musste, die ist verloren. Für Braun ein Desaster. Sie versteht die Welt nicht mehr.

«Eine erste hohe Rate sei «normal und branchenüblich», sagt Christine Anderes, Mediensprecherin der Leasingbank Cashgate.

Dem widerspricht Leasingexperte Mario Roncoroni, Anwalt und Co-Leiter der Berner Schuldenberatung. In seiner Praxis hat er es häufig mit Menschen zu tun, die wegen Schulden einen Leasingvertrag vorzeitig auflösen müssen.

«Es ist unüblich und völlig praxisfremd, bei einem Mietvertrag ein zig-faches der ersten Miete im Voraus zu zahlen. Wenn eine Leasingfirma über den Leasingzins hinaus nach Vertragsende Forderungen geltend machen will, tut sie dies üblicherweise mit der Schlussabrechnung», sagt Roncoroni.

Leasing ist nichts für Leute mit tiefen Einkommen

Der Trick mit der ersten hohen Rate ist reine Zahlenkosmetik. In der Praxis wird vor allem deshalb eine hohe Anzahlung ausgehandelt, weil dadurch der zu finanzierende Kredit kleiner ausfällt und damit die Raten tiefer sind. «So können sich auch Leute mit knappem Budget ein Leasing leisten», erklärt Christine Anderes von der Cashgate.

Gerade damit sei aber einkommensschwachen Konsumenten überhaupt nicht geholfen, findet Schuldenberater Mario Roncoroni. Das Gesetz schreibe vor, dass Kredite und Leasing nur an Personen vergeben werden dürfen, die das Geld aus ihrem Einkommen auch zurückzahlen können.

Seiner Meinung nach hätte Cashgate bei Petra Braun genauer hinschauen müssen. Sollte sich allerdings jetzt noch herausstellen, dass sich die junge Frau den teuren Wagen eigentlich gar nicht hätte leisten können, wäre der Vertrag ungültig. Das bedeutet: Petra Braun könnte zumindest einen Teil der Anzahlung zurück verlangen.

Die Einsicht kommt zu spät

An diese Hoffnung klammert sich die junge Frau. «Ich würde mich nie wieder auf so etwas einlassen», sagt sie heute. Und: «Einen Wagen leasen sollte man wirklich nur, wenn absolut klar ist, dass man sich die Raten während der ganzen Vertragsdauer leisten kann». Diese Einsicht kommt für Petra Braun reichlich spät. Und sie bezahlt womöglich einen zu hohen Preis dafür.