Medikamente sind online billiger

Rezeptpflichtige Medikamente sind in Schweizer Versand-Apotheken billiger als in der normalen Apotheke. Damit sparen Patienten und auch die Krankenkassen viel Geld. Nur schon die Helsana allein spart nach eigenen Angaben 33 Millionen Franken. Vor allem Dank Einsparung der Apothekertaxen.

Screenshot

Bildlegende: SRF

Immer mehr Krankenkassen empfehlen Versicherten, deren Arztrezepte bei Versandapotheken einzulösen. Denn klassische Apotheken verrechnen sogenannten Apothekentaxen: Für das Prüfen eines Rezepts 4.30 Franken. Und für die Kontrolle der Verträglichkeit mit anderen Medikamenten pro Einkauf noch einmal 3.25 Franken.

Versandapotheken sind günstiger. Denn sie wollen diese Apothekertaxen nicht. Zudem verrechnen sie bei rezeptpflichtigen Medikamenten keine Portokosten. Das freut Patienten, wie auch die Krankenkassen: «Die Helsana spart damit pro Jahr 33 Millionen Franken», erklärt Helsana-Sprecherin Claudia Wyss gegenüber «Espresso».

Nicht zuletzt auch, weil Krankenkassen mit den zwei Schweizer Versandapotheken noch zusätzlichen Rabatt ausgehandelt haben.

Billiger, aber langsamer

Doch der Online-Kauf hat auch Nachteile: In Notfällen geht die Postlieferung zu lange. Es besteht zudem ein gewisses Risiko, dass die Pillen verloren gehen oder zu heiss oder zu kalt gelagert werden.

Dem Schweizerischen Apothekerverband sind die Onlineapotheken ein Dorn im Auge. Er betont, dass die persönliche Beratung und die Kontrolle der Rezepte in der klassischen Apotheke besser sei. Ein Stamm-Apotheker habe den besseren Überblick über Wechselwirkungen oder Unverträglichkeiten eines Patienten. Er könne sofort auf veränderte Umstände reagieren und auch präventiv beraten.

Karl Küenzi vom Apothekerverband warnt: «Ohne qualifizierte Abgabe und Kontrolle gerät bei Medikamenten der Konsumentenschutz in Gefahr. Die Anwendung pharmazeutischer Produkte bedarf in aller Regel notwendiger Hinweise im Rahmen der Verschreibung und Abgabe.»

Ob die Kostenersparnis realistisch sei, zieht Küenzi gegenüber «Espresso» stark in Zweifel. Falschmedikamentierung, ungeeignete Packungsgrössen und fehlende Beratung hätten Folgekosten, welche nicht zu vernachlässigen seien.

Auch Onlineapotheken kontrollieren Rezepte

Die Versandapotheken dagegen betonen, dass sie die Rezepte durch einen Apotheker kontrollieren lassen. Und allenfalls mit dem Patienten Rücksprache halten oder sie telefonisch beraten. Das sei auch diskreter und stressfreier, als wenn in der Quartierapotheke weitere Kunden um den Tresen stehen.

Einzelne Apotheken verzichten auf Taxen

Sparen können Kranke mittlerweile auch in klassischen Apotheken: Unter dem Konkurrenzdruck haben einige Quartierapotheken reagiert und verrechnen auf Anfrage keine Taxen mehr. Auch liefern sie immer häufiger die Medikamente auch nach Hause.

Kassensturz/Espresso sucht solche Apotheken, welche keine oder nur teilweise Taxen verrechnen