Neue Welle von Enkeltrickbetrügen

Derzeit schwappt eine neue Welle von sogenannten Enkeltrickbetrügen über die Schweiz. Trotz Warnung der Polizei tappen noch immer viele in die Falle. Gezielt angegangen werden ältere Leute und Personen mit ausländischen Nachnamen. Die Polizei bittet inständig darum, alle Fälle sofort zu melden.

Im ersten Quartal 2016 beobachteten sowohl die Kantonspolizeien Bern wie auch Zürich einen beunruhigenden Anstieg an versuchten und erfolgreichen Trickbetrügen. Auch das Bundesamt für Polizei Fedpol ist alarmiert: Tatsächlich verzeichne man derzeit aus den Kantonen vermehrt Meldungen über sogenannte Enkeltrickbetrüger.

Und die Dimensionen schockieren. Die Täter, welche meist gut Hochdeutsch sprechen und von Polen aus anrufen, erleichtern ihre Opfer jeweils um 10‘000 bis 100‘000 Franken.

Statistik Enkeltrickbetrüge im Jahr 2014

«Es wird grosser Druck ausgeübt»

Dabei agieren die Betrüger unglaublich clever und üben am Telefon grossen Druck aus, so Martin Boess von der Schweizerischen Kriminalprävention. Meist heisst es, die Angelegenheit sei extrem dringend und die Opfer werden mit wilden Geschichten psychisch unter Druck gesetzt.

Martin Boess war bei einem versuchten Trickbetrug selber schon dabei und war schockiert, wie schnell die Täter die ältere Dame zum Weinen brachten – obwohl Angehörige und Polizei anwesend waren. «Das zeigt, wie die Betrüger allein mit Worten wahnsinnigen Druck ausüben können, vor allem auf ältere Personen», so Boess.

Begriff «Enkeltrickbetrug» ist irreführend

Abgesehen haben es die Enkeltrickbetrüger tatsächlich gezielt auf ältere Menschen, aber auch auf Leute mit ausländisch klingenden Nachnamen. Mit dem Begriff «Enkeltrick» müsse man aber vorsichtig sein, warnt Marco Besson von der Zürcher Kantonspolizei. Denn dieser sei eigentlich falsch.

«Viele Opfer sagen der Polizei, sie hätten gedacht, man müsse nur bei vermeintlichen Enkeln vorsichtig sein. Doch das ist falsch und das nutzen die Täter auch gezielt aus», sagt Besson. Denn genau so häufig geben sich die Täter auch als andere Verwandte wie Onkel oder Cousine aus – aber auch als alte Bekannte.

Wie erkennt man den Trickbetrug?

Erstens: Die Betrüger sagen am Anfang nie einen Namen, sondern melden sich mit Sätzen wie «Kennst du mich noch?» oder «Rate mal, wer am Telefon ist!». Dann sollte man auf keinen Fall Fragen beantworten, denn damit spielt man den Tätern wertvolle Informationen in die Hände.

Zweitens: Irgendwann kommt die Forderung nach Geld, meist verbunden mit grosser zeitlicher Dringlichkeit. Häufig sagen die Betrüger, es gehe um den Kauf einer Wohnung. In diesem Fall nach Ende des Telefonats auf jeden Fall kurz bei der entsprechenden Person nachfragen, ob wirklich sie gerade am Telefon war. Zudem sollte man nie grössere Geldbeträge bei der Bank abholen. Und wenn schon, unbedingt darauf bestehen, das Geld auf ein Konto zu überweisen und nicht bar übergeben.

Keine Scham beim Enkeltrick!

Bei Trickbetrügen beobachtet die Polizei ein bedauerliches Phänomen: Die Fälle würden aus Scham oft nicht gemeldet, klagt Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St.Gallen: «Ein Diebstahl wird uns jeweils sofort gemeldet, beim Betrug hingegen schämen sich viele, weil sie das Gefühl haben, sie seien fast noch mitschuldig.»

Doch Hanspeter Krüsi bittet im Namen aller Kantonspolizeien inständig darum, sämtliche versuchten und erfolgreichen Trickbetrüge umgehend der Polizei zu melden, «damit wir die Täter fassen oder zumindest andere Personen in der Region entsprechend warnen können».

Video «Enkeltrick-Bande gefasst» abspielen

So beginnt ein Trick-Anruf

3:43 min, aus 10vor10 vom 30.5.2014