Postfinance will mit Kundendaten Geschäfte machen

Künftig bietet die Postfinance ihren E-Finance-Kunden «massgeschneiderten Angebote» von Dritten an. Die Post-Tochter analysiert dazu fleissig Kundendaten. Eine Trendforscherin zweifelt gegenüber «Espresso» am Nutzen solcher Werbung. Es sei lediglich ein Schnäppchenportal mehr.

Die 1,6 Millionen Online-Kunden der Postfinance werden dieser Tage beim Einloggen dazu aufgefordert, neue Teilnahmebedingungen zu akzeptieren. Künftig könne man von «massgeschneiderten Angeboten» profitieren, heisst es in der Mitteilung.

Dahinter steckt eine grössere Umstellung: Ab Herbst werden sich die Kundinnen und Kunden in einem neuen Design zurecht finden müssen. Und ab April 2015 werden sie zusätzlich Angebote erhalten, die sie interessieren könnten. Denkbar sind Rabatte auf Hotelübernachtungen oder vergünstigte Eintritte in Museen. Postfinance-Sprecher Marc Andrey will sich dazu noch nicht konkret äussern. Nur so viel: «Wenn jemand zum Beispiel ein gewisses Bedürfnis nach Wellness oder nach Sport hat, dann kann es entsprechend Angebote aus dieser Branche geben.»

Der Datenschützer will die Umsetzung beobachten

Damit solche Angebote möglich sind, müssen Kundendaten gesammelt und analysiert werden. Schliesslich sollen nur Kunden Angebote für Wellness-Hotels bekommen, die auch wirklich gerne hie und da in einem solchen Hotel Ferien machen. Die entsprechenden Daten leite Postfinance allerdings nicht an die Drittanbieter (z.B. Wellness-Hotels) weiter, sondern agiere als Mittlerin, erklärt Sprecher Marc Andrey: «Der Drittanbieter weiss nie, welche unserer Kunden sein Angebot in Anspruch nehmen.» Möglich ist das, weil der Kunde beispielsweise die Hotel-Übernachtung vor Ort etwa mit der Postfinance-Kreditkarte bezahlt – und den Rabatt dann von Postfinance rückerstattet bekommt.

Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür ist über das Vorhaben von Postfinance informiert, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. Er behält sich «weitere Schritte vor, sollte die Umsetzung nicht unseren Empfehlungen entsprechen.»

System erschöpft sich

Trendforscherin Karin Frick vom Gottlieb-Duttweiler-Institut beobachtet diese Art von Werbung schon lange: «Massenmarketing funktioniert im Zeitalter der Individualisierung immer weniger – man muss die Kunden einzeln ansprechen.» Insofern sei der Weg, den Postfinance jetzt einschlägt, nachvollziehbar. Allerdings vermisst die Trendforscherin Kreativität: «Im Prinzip wird das einfach ein Rabattportal. Das heisst: Es gibt mehr vom Gleichen.» Ein System, dass sich irgendwann erschöpfe. «Die Anzahl, wie häufig ich mit meiner Familie zum Beispiel ins Verkehrshaus gehe, ist begrenzt, da können Sie mir noch so viel Rabatt geben.»

Alle grösseren Unternehmen arbeiteten heute mit solchen Daten-Analysen. «Und alle wollen natürlich möglichst die besten Daten», sagt Karin Frick. Für den Kunden hat das den Vorteil, dass er eigentlich nie mehr den vollen Preis für ein bestimmtes Produkt bezahlen muss. Er kann mehr oder weniger drauf warten, von welcher Seite das beste Angebot kommt. Und noch ein Effekt hat diese Art von Werbung: «Je mehr die Unternehmen um unsere Daten streiten, desto mehr wird uns vielleicht der Wert unserer Daten bewusst.»

Das können Sie tun:

Für das neue Schnäppchensystem hat die Postfinance neue AGB erstellt, die Kunden akzeptieren müssen, wenn sie weiterhin E-Banking machen wollen.

Nicht akzeptieren muss man allerdings die Werbung von Dritten. Laut Postfinance wird man sich für diesen Service abmelden können.