Schuldenfalle: Wie komme ich raus?

Miese Schulden-Sanierer versprechen verzweifelten Menschen mit Geldsorgen das Blaue vom Himmel und treiben Sie dann noch tiefer ins Verderben. Im «Espresso»-Interview erklärt Schuldenberater Mario Roncoroni, wie eine seriöse Sanierung aussieht und was Betroffene beachten sollten.

Mario Roncoroni ist Rechtsanwalt bei der Schuldenberatung Bern. Wenn er Geschichten, wie jene von A.K. im Beitrag «Dubiose Finanz-Sanierer zocken die Schwächsten ab» hört, dann stehen ihm alle Haare zu berge. Doch er kennt die Abzock-Masche vieler privater Schulden-Sanierer bestens. Im «Espresso»-Interview erklärt der Schuldenprofi, wie Schulden richtig getilgt werden.

Ein Mann mit Brille, daneben ein Ordner mit der Aufschrift Schulden-ABC.

Bildlegende: Mario Roncoroni von der Schuldenberatung Bern. SRF

Mario Roncoroni, wie muss eine seriöse Schulden-Sanierung ablaufen?

Die Sanierung beginnt immer mit einer Beratungsphase. Dabei spricht man zuerst nicht unbedingt über die Schulden, sondern über das Haushaltsbudget. Man prüft genau die Einnahmen und Ausgaben pro Monat, findet heraus, wohin das Geld im Moment fliesst. Dann eruieren wir, ob überhaupt etwas an der Situation geändert werden kann.

Spielt auch die persönliche Lebenssituation eine Rolle?

Ja, eine gründliche Schuldensanierung prüft auch, ob vielleicht Suchterkrankungen oder andere schwerwiegende Probleme vorliegen. Diese werden dann als erstes angegangen, bevor die finanziellen Schwierigkeiten in Angriff genommen werden. Oder zumindest wird parallel zur finanziellen Beratung eine Lösung gesucht.

Im «Espresso»-Beitrag musste der Betroffene als erstes 4000 Franken an den Schulden-Sanierer bezahlen, bevor irgendetwas unternommen wurde. Kann das sein?

Nein. Wenn ich am Schluss einer Sanierung schuldenfrei bin und dann 4'000 Franken bezahlen muss, ist das in Ordnung. Aber sicher nicht vorher, wenn die Sanierungsfirma noch gar nicht weiss, wie die Details aussehen und ob überhaupt saniert werden kann.

Was darf eine Schuldensanierung kosten?

Ich würde sagen, sie darf ähnlich viel kosten wie ein Konkurs. Bei 15 bis 20 Gläubigern wären das circa 4000 bis 5000 Franken. Aber: Das wird erst am Schluss des Sanierungs-Prozesses fällig und das dauert drei Jahre. Zu Beginn kostet eine Sanierung grundsätzlich nichts.

Wenn ich in eine solche Situation komme: Was ist der erste, der wichtigste Schritt?

Versuchen Sie, ruhig und vernünftig zu bleiben und wenden Sie sich unbedingt direkt an eine Schuldenberatungsstelle. Normalerweise ist dort die Beratung am Anfang kostenlos.

Wann macht eine Schuldensanierung Sinn?

Tatsächlich kommt eine Schuldensanierung nicht bei allen in Frage. Eine solche Massnahme macht dort Sinn, wo der Haushalt die nächsten drei Jahre stabil sein wird und Ressourcen vorhanden sind. Hilfreich ist, wenn Geld von Freunden oder Bekannten dazu kommt. Dann kann den Gläubigern ein höheres Angebot gemacht werden. Die Chancen für eine schuldenfreie Zukunft sind grösser.