Spenden an Hilfswerke: Was geht an die Bedürftigen?

Eine Milliarde Franken spenden die Schweizer pro Jahr. «Kassensturz» vergleicht erstmals, wie viel Schweizer Hilfswerke für Werbung, Verwaltungsarbeiten und Organisation der Hilfsprojekte ausgeben. Im Durchschnitt sind das zwischen 20 und 30 Prozent der Spendengelder.

Video «Spenden an Hilfswerke: Was geht an die Bedürftigen?» abspielen

Spenden an Hilfswerke: Was geht an die Bedürftigen?

12 min, aus Kassensturz vom 28.1.2003

Rund 3000 Hilfswerke gibt es in der Schweiz. Und alle kämpfen um die Gunst der Spender. Dafür stellen die Hilfswerke professionelle Werbeagenturen und Marketingstrategen ein, die teure Kampagnen organisieren - bezahlt mit Spendengeldern.

Dem Kinderhilfswerk Pestalozzi haben letztes Jahr Private 8,5 Millionen Franken gespendet. Davon verschlang allein die Werbekampagne 2 Millionen Franken.

« "Würden wir keine Werbung machen, kämen wir weniger an die Leute heran. Die anderen machen auch Werbung und würden uns natürlich Spenderinnen und Spender wegnehmen", sagt Markus Mader, Geschäftsführer des Kinderdorfs Pestalozzi. »

Der Schweizer Gehörlosenbund ist neu auf dem Spendenmarkt. Doch bis die Spendenkampagne rentiert, wird es Jahre dauern, sagt ihr Berater Josef Lauber. In der Tat: Vor zwei Jahren startete die Spendenkampagne. Sie brachte eine Million Franken ein - genau soviel betrug der Aufwand. Erst jetzt kann der Gehörlosenbund auf einen Gewinn hoffen.

Hohe Verwaltungskosten

Über die teuren Werbekampagnen der Hilfswerke wissen viele Spender wenig Bescheid.

« Erstmals macht «Kassensturz» einen Vergleich unter 12 Hilfswerken: Wie viel Prozent des Spenderfrankens geben Hilfswerke für Werbung, Verwaltungsarbeiten und Organisation aus? »

Helvetas und das Arbeiterhilfswerk kommen auf den tiefsten Verwaltungsaufwand. Am meisten brauchen Médecins sans Frontières und die Winterhilfe. Médecins sans Frontières wendet ein, sie würden allein 11 Prozent für die Projektunterstütung aufwenden: "Das umfasst die logistische und medizinische Unterstützung, sowie den Aufwand für das Management des Personals vor Ort", sagt Eva van Beek von Médecins sans Frontières.

«Kassensturz» hat bei andern Hilfswerken diese indirekten Projektkosten ebenfalls dem Verwaltungsaufwand zugerechnet. "Zwei Prozent werden für die Zeugenberichte verwendet. Das ist neben unserer medizinischen Tätigkeit, der zweite, wichtige Bestandteil unseres Auftrages. Zeugenberichte können auf keinen Fall als Werbung oder als Administration bezeichnet werden", betont Eva van Beek.

Die Winterhilfe hat ebenfalls einen etwas höheren Verwaltungsaufwand. "Wir müssen jedes Gesuch prüfen, und das verlangt nach einem grossen Personalaufwand", rechtfertigt Andreas Zehnder von der Winterhilfe.

Stiftung Zewo