Swisscard: Für Kreditkartenkunden gilt kein Bankgeheimnis mehr

Rund eine Million Schweizer Kreditkartenbesitzer erhalten dieser Tage einen Brief von Swisscard, einer Tochtergesellschaft der Credit Suisse und von American Express. Statt der Credit Suisse sei nun Swisscard selber Herausgeberin der Karte. «Espresso» erklärt warum und zeigt Konsequenzen auf.

Die Kunden von Visa, Mastercard, American Express, aber auch der Swiss-Karte Miles and More und der Coop-Kreditkarte Supercard erhalten den Brief. Ab Juli sei demnach die Swisscard alleinige Herausgeberin der Kreditkarten und damit offizielle Vertragspartnerin der Kunden. Schon bisher wickelte Swisscard das Geschäft für diese Unternehmen ab. Herausgeberin war die Credit Suisse.

Kein Bankgeheimnis mehr

Mit dem Wechsel ändere sich im Gebrauch der Kreditkarte für die Kunden nichts, heisst es im Brief: «Alle Karten funktionieren weiter wie bisher und auch die gewählte Zahlungsart für die Kartenrechnungen wird unverändert übernommen.» Swisscard betont, dass auch Datenschutz und Haftungsfragen nicht angetastet werden.

Trotzdem: Weil nicht mehr die Grossbank Credit Suisse die Herausgeberin der Karten ist, fällt das Bankgeheimnis weg. Denn die Swisscard verfügt über keine Banklizenz. Zwar sind die Daten immer noch durch das Datenschutzgesetz geschützt. Doch das ist ein Unterschied, sagt Susan Emmenegger, Professorin für Bank- und Kapitalmarktrecht an der Universität Bern: «Das Datenschutzgesetz bietet nicht denselben Geheimnisschutz wie das Bankgeheimnis. Wer gegen das Bankgeheimnis verstösst, muss mit einer deutlich höheren Strafe rechnen.»

Swisscard-Mediensprecher Urs Knapp betont, dass dem Datenschutz trotzdem die gleich hohe Priorität eingeräumt werde, wie bisher: «Wenn man die Daten der Kunden nicht schützen kann, wird es sehr schwierig, im Kreditkartengeschäft erfolgreich zu sein. Deshalb ändern wir gar nichts an den internen Schutzmechanismen.»

Mit Swissalps im internationalen Bezahlmarkt

Doch warum die ganze Übung? Swisscard soll fit gemacht werden für anstehende Entwicklungen im Kreditkartenmarkt. Immer mehr Kunden zahlen mit Karte statt bar. Deshalb drängen auch immer mehr Player auf diesen Markt mit riesigem Potential, zum Beispiel Apple oder Google. Auch in der Schweiz rüsten sich einige branchenfremde Unternehmen: Das Projekt der Swisscom heisst Tapit, das der Schweizerischen Post nennt sich Twint.

Auch die bisherigen Marktteilnehmer wollen mithalten – deshalb übernehme Swisscard die Herausgeberschaft der Kreditkarten, sagt Swisscard-Sprecher Urs Knapp. Swisscard selber tüftelt an einem Projekt mit dem Arbeitstitel Swissalps.

Ziel ist ein elektronisches Portemonnaie, das von den Kunden flexibel und kinderleicht zu bedienen sein soll: Auf der bisherigen Karte sollen auf Wunsch mehrere Karten hinterlegt werden können. Im Internet und kontaktlos an der Kasse soll man mit dieser Karte einkaufen können. Swissalps wird im Herbst lanciert.