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Gesundheit Antibiotika: Stärkere Überwachung der Tiermedizin

Die Wunderwaffe Antibiotika wird immer stumpfer wegen resistenter Keime. Diese bilden sich, wenn Antibiotika zu leichtfertig eingesetzt werden. Zum Beispiel in der Tiermedizin. Eine schärfere Überwachung des Antibiotika-Einsatzes in der Landwirtschaft soll Lösungsansätze aufzeigen.

Legende: Audio Antibiotika: Stärkere Überwachung der Tiermedizin abspielen.
5:30 min, aus Espresso vom 06.05.2014.

Es ist eine dramatische Entwicklung in der Medizin. Die Ausbreitung von resistenten Keimen nimmt immer mehr zu. «Wir haben immer weniger wirksame Antibiotika gegen die resistenten Keime. Und wir erwarten auch keine neuen Antibiotika in den nächsten 15 Jahren», sagt Andreas Widmer, Infektiologe am Universitätsspital Basel. «Deshalb wird es immer schwieriger, solche Infektionen zu therapieren.»

Bessere Kontrolle des Antibiotika-Einsatzes

Schuld an der Resistenz-Bildung ist unter anderem der übermässige Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin. Aber auch in der Tiermedizin können sich Bakterien bilden, die resistent sind.

Über das Fleisch gelangen diese auch in den Menschen. Fachleute halten eine bessere Kontrolle des Antibiotika-Einsatzes in der Tiermedizin deshalb für notwendig.

Schwarze Schafe in der Tiermedizin?

Im Jahr 2012 wurden in der Schweizer Tiermedizin über 57 Tonnen Antibiotika verkauft. Wie diese genau eingesetzt wurden, ist nicht bekannt. SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr fordert deshalb eine zentrale Erfassung aller Antibiotika-Verschreibungen in der Tiermedizin «Das Monitoring soll zeigen, wer welche Antibiotika einsetzt», sagt sie.

In diesem Bereich gehe es um viel Geld, es bestehe Missbrauchsgefahr. «Es gibt verschiedene schwarze Schafe - von den Herstellern über gewisse Tierärzte bis zu Tiermästern, die das am Schluss anwenden», sagt Fehr gegenüber «Espresso».

Bauern fordern strengen Datenschutz

Der Bauernverband begrüsst eine zentrale Datenbank grundsätzlich. «Damit wäre es sicher möglich, jene herauszufiltern, die Antibiotika wenig sensibel einsetzen», sagt Martin Rufer vom Schweizerischen Bauernverband.

Die Daten dürften aber nicht zu Diskriminierung von Produzenten führen. «Wenn ein Tiermäster einmal mehr Antibiotika einsetzt, darf das nicht dazu führen, dass er keine Abnehmer für sein Fleisch mehr findet».

Auf Kosten des Tierwohls?

Auch der Verband der Tierärzte begrüsst ein Monitoring grundsätzlich, sieht aber auch Risiken. So könnten Bauern etwa aus Bedenken vor einer zentralen Erfassung auf den Einsatz von Antibiotika verzichten, sagt Corinne Bähler vom Veterinär-Verband. «Dann kann dazu führen, dass mehr Tiere sterben.»

Nationalrat will kein Register

Der Nationalrat hat am 7. Mai 2014 die Schaffung einer Antibiotika-Datenbank im Rahmen der Revision des Heilmittelgesetzes abgelehnt. Er gibt dem Bundesrat aber die Kompetenz, Massnahmen zur Reduktion von Antibiotika-Resistenzen zu ergreifen.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Dänu Megert, Zürich
    Antibiotika und (Sexual/Wachstums-)Hormone haben in der Landwirtschaft nichts verloren und gehören verbannt! Die Ställe sind ideale Brutstätten für neue Keime mit Antibiotikaresistenzen. Mit der Gülle und Mist werden die Keime und Hormone dann grossflächig auf den Wiesen verteilt und gelangen flugs in die Gewässer. Danach wundern wir uns, dass es in Schweizer Seen Felchen mit verkümmerten Geschlechtsteilen gibt und unsere Flüsse voll von antibiotikaresistenten Keimen sind. Doch welcher Politiker
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