Cremes gegen Cellulite: Straff ist nur das Marketing

Mit Produkten gegen Cellulite machen Kosmetikfirmen ein fettes Geschäft. Die Werbung verspricht straffere Haut innert Tagen. Doch: Wer in Cellulite-Crèmes investiert, verliert letztlich nicht seine Orangenhaut, sondern vor allem viel Geld.

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Cellulite-Cremes: Werbung trägt dick auf

8:26 min, aus Kassensturz vom 10.5.2011

In ihren Werbeversprechen tragen die Kosmetikhersteller dick auf. Verheissungsvoll heisst es auf den Packungen der Anti-Cellulite-Crèmes: «Wirksam bei hartnäckigen Problemzonen», «verfeinert bis zu 2 Zentimeter in nur 2 Wochen» oder «straffere Haut nach nur 28 Tagen». Obwohl Dermatologen die Wirksamkeit solcher Cellulite-Mittel bezweifeln, verbreiten die Kosmetikfirmen die dreisten Werbemärchen – und gaukeln den Frauen vor, mit ein bisschen Eincremen verwandle sich ihre Orangenhaut in eine Pfirsichhaut.

Kosmetikfirmen dürfen täuschen

Damit profitieren die Hersteller von einer Gesetzeslücke: Das Täuschen von Konsumenten bei Kosmetikprodukten ist in der Schweiz legal. So gilt hierzulande kein Täuschungsschutz für Gebrauchsgegenstände – im Gegensatz zu Lebensmitteln. Die Kontrolle der Kosmetika obliegt bei den Kantonschemikern. «Der Konsument wird nicht geschützt. Die Werbeaussage kann weitreichend sein», sagt Otmar Deflorin, Verbandspräsident der Kantonschemiker.

Das Angebot ist riesig

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Verboten sind Heilversprechen. So dürfen die Produkte laut Deflorin keine innere, sondern bloss eine oberflächliche Wirkung haben. Die Anpreisung «fettverbrennend» ist zum Beispiel nicht erlaubt. Die Kosmetikfirmen schlüpfen aber auch hier: Sie werben einfach in Englisch. So schreibt Hersteller «Clarins» auf einer ihrer Packungen vom «"FatBurner"-Effekt».

Den Kantonschemikern fehlt die Handhabung. «Uns sind die Hände gebunden», sagt Deflorin. Sein Verband möchte, dass der Gesetzgeber den Täuschungsschutz im Rahmen der Revision des Lebensmittelgesetzes auch auf Kosmetika ausweitet.

Niemand kontrolliert die «klinischen Tests»

Die vollmundigen Werbebotschaften legitimieren die Kosmetikhersteller meist durch so genannte klinische Tests. Dem «Kassensturz» schreiben sie, unabhängige Institute hätten die Cellulite-Mittel nach wissenschaftlichen Kriterien getestet. Marktführer Somatoline Cosmetic gibt ausserdem an, dass die Anzahl der Probanden für die Tests ausreichten. Im Gegensatz zu medizinischen Studien müssen die Auswertungen der Kosmetikfirmen keiner Aufsichtsbehörde zur Kontrolle vorgelegt werden.

Produkte wirken nicht

Auch von medizinischer Seite werden die Cellulite-Produkte scharf kritisiert. Für Bettina Rümmelein, Leiterin der Sprechstunde für Ästhetische Dermatologie am Zürcher Universitätsspital, sind sowohl die Werbeversprechen wie auch die Studien unseriös. Die Hautärztin beruft sich auf medizinische Untersuchungen.

Nach ihren Kenntnissen wirkt kein einziges Produkt in der Schweiz gegen Cellulite. Für sie ist klar: Solche Crèmes können gar nicht bewirken, was die Werbung vespricht. Um wirksam zu sein, müssten sie zuerst in das Fettgewebe dringen. Das liegt tief unter der Haut. Ausserdem, sagt Bettina Rümmelein, sei die genaue Ursache noch gar nicht grundlegend erforscht worden.

Warum Männer keine Cellulite haben

Bei Frauen sind Fettzellen sind in kleinen, senkrecht zur Hautobefläche angelegten Kammern in der Unterhaut eingelagert. Vergrössern sich die Fettzellen, dehnen sie sich die Kammern nach oben hin aus und drücken unregelmässig gegen die Oberhaut. So entstehen die typischen Cellulite-Dellen. Im Gegensatz zur weiblichen Struktur haben es die Männer besser: Ihr Unterhaut-Gewebe ist netzartig angelegt. Es verformt sich beim Ausdehnen in alle Richtungen gleich.