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Gesundheit Das sind die teuersten Medikamente der Schweiz

Immense Medikamentenkosten machen uns immer mehr zu schaffen: Alleine Krebsmedikamente verursachen pro Jahr Kosten von rund 500 Mio. Franken. Aber auch Blutdruckmittel und Psychopharmaka gehören zu den grössten Kostenverursachern.

Das teuerste Medikament der Schweiz heisst Zevalin. Eine Infusionslösung, die für die Krebsbekämpfung eingesetzt wird. Eine Infusion kostet laut Spezialitätenliste mehr als 6000 Franken. Auch die Hepatitis-Medikamente der Firma Gilead gehören zu den Top 5 der teuersten Medikamente.

Die Top 5:

Medikament
Zur Behandlung von
PackungsmengePackungspreis
Zevalin Infusionslösung
Krebs4 Stück
24'354 CHF
Kalydeco Tabletten 150 mg
Mukoviszidose56 Stück
22'796 CHF
Yervoy Infusion 200 mg / 40 ml
Krebs1 Stück
19'225 CHF
Harvoni Tabletten 90/400
Hepatitis C
25 Stück
16'748 CHF
Sovaldi Tabletten 400 mg
Hepatitis C28 Stück
16'103 CHF

Quelle: Santésuisse

Therapeutische Medikamentengruppen

Mit Kosten von über 1,5 Milliarden Franken (einem Viertel der Gesamtkosten) waren Immunsuppressiva, Krebsmedikamente und Antiviralia im Jahr 2014 die absoluten Spitzenreiter unter den Medikamenten, obschon ihre Bezugshäufigkeit bei nur 1.7 Prozent lag.

Legende:
Die zehn teuersten therapeutischen Medikamentengruppen 2014 in Mio. CHF Hochrechnung für die gesamte Schweiz Helsana-Arzneimittelreport 2015

Anders sieht es aus, wenn man die Medikamentenbezüge betrachtet: Rund ein Fünftel der Bezüge entfiel auf Schmerzmittel, Psycholeptika, Antiphlogistika und Antirheumatika, wobei die Kosten mit insgesamt etwa 600 Millionen Franken geringer waren als die der Immunsuppressiva allein.

Legende:
Die zehn meistbezogenen therapeutischen Medikamentengruppen 2014 in Mio. Lesebeispiel: Im Jahr 2014 wurden Schmerzmittel insgesamt 8,2 Millionen Mal bezogen. Helsana-Arzneimittelreport 2015

Erläuterungen:

  • Immunsuppressiva: Zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen und zur Verhinderung von Abstossungsreaktionen bei Organtransplantationen.
  • Antiviralia: Behandlung viraler Infekte einschliesslich Virushepatitis und HIV/AIDS.
  • Psychostimulanzien: Zur Behandlung von Depressionen und Demenzerkrankungen.
  • Psycholeptika: Zur Behandlung von Psychosen, Schlafstörungen und Angstzuständen.
  • Lipidsenker: Zur Behandlung gestörter Blutfettwerte und zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Antiphlogistika und Antirheumatika: Entzündungshemmer
Legende: Video Horrende Medi-Preise treibt kranke Schweizer nach Indien abspielen. Laufzeit 17:00 Minuten.
Aus Kassensturz vom 05.04.2016.

Wirkstoffe

  • Gleich fünf Wirkstoffe der Hauptgruppe «Krebs und Immunsystem» befanden sich 2014 unter den Topten der teuersten Einzelpräparate.
  • An erster Stelle stand neu das Immunsuppressivum Infliximab zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen, welches Kosten von über CHF 110 Millionen verursachte, aber nur auf Rang 461 der Bezüge stand und von weniger als 6’000 Personen bezogen wurde.
Legende:
Die zehn teuersten Wirkstoffe 2014 in Mio. CHF Hochrechnung für die gesamte Schweiz Helsana-Arzneimittelreport 2015
  • Infliximab: Immunsuppressiva
  • Adalimumab: Immunsuppressiva
  • Pantoprazol: Magensäureblocker
  • Ranibizumab: Augenmedikamente
  • Fingolimod: Immunsuppressiva
  • Atorvastatin: Lipidsenker
  • Etanercept: Immunsuppressiva
  • Trastuzumab: Krebsmedikamente
  • Quetiapin: Psycholeptika

Legende:
Die zehn meistbezogenen Wirkstoffe 2014 Hochrechnung für die gesamte Schweiz Helsana-Arzneimittelreport 2015 in Mio.
  • Paracetamol: Schmerzmittel
  • Elektrolytlösung: Blutersatzmittel
  • Pantoprazol: Magensäureblocker
  • Ibuprofen: Antiphlogostika und Antirheumatika
  • Acetylsalicylsäure: Mittel zur Hemmung der Blutgerinnung
  • Künstliche Tränenflüssigkeit: Augenmedikamente
  • Diclofenac: Antiphlogostika und Antirheumatika
  • Metamizol: Schmerzmittel
  • Zolpidem: Psycholeptika
  • Lorazepam: Psycholeptika

Ein paar allgemeine Daten:

  • Rund 20 Prozent der Patienten verursachen rund 80 Prozent der Medikamentenkosten.
  • Im Durchschnitt bezahlten 2014 weibliche Patienten für jeden Medikamentenbezug 56 Franken im Jahr 2014, knapp 13 Franken weniger als die männlichen Patienten.
  • Die durchschnittliche Anzahl Bezüge pro Kopf betrug 18.2 bei den Frauen und 15.6 bei den Männern.
  • Zwischen den Kantonen waren die Unterschiede in Sachen Medikamentenkosten und -bezüge gross. Die Bezüge pro Kopf waren vor allem in Basel-Stadt, Genf und Neuenburg vergleichsweise hoch. In Appenzell-Innerrhoden, Uri und Zug erfolgten weit weniger Bezüge gerechnet auf die Bevölkerung.
  • Ganz ähnlich war das Bild bei den Durchschnittskosten pro Person, wobei nun zusätzlich Basel-Land durch hohe Kosten und Graubünden, Nidwalden und Obwalden durch geringe Kosten auffielen.
  • Insgesamt hatten eher städtisch geprägte Kantone tendenziell höhere Kosten als die ländlichen Gebiete, vermutlich aufgrund ihrer demografischen Struktur und aufgrund eines grösseren Leistungsangebots.
  • Die Medikamentenkosten und Bezüge bei Kindern und Jugendlichen waren gering. Im Jahr 2014 kostete ein Medikamentenbezug im Durchschnitt 28 Franken und die Kosten pro Patient lagen bei 59 Franken. Am teuersten in dieser Altersgruppe waren die therapeutischen Medikamentengruppen der Impfstoffe und systemischen Antibiotika.
  • Mit zunehmendem Alter stiegen sowohl die Medikamentenkosten als auch die Bezüge deutlich an.

Quelle: Helsana-Arzneimittelreport 2015

Als Datengrundlage dienen die Leistungsabrechnungsdaten der Helsana-Gruppe (überwiegend von Apotheken, Arztpraxen und aus dem ambulanten Spitalsektor). Um Rückschlüsse auf die gesamte Schweiz ziehen zu können, wurden die Resultate mittels Zahlen des Bundesamts für Statistik auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet.

13 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Hilti, Zürich
    Medikamente machen mit weniger als 10% der jährlichen Gesundheitskosten bei weitem nicht den Hauptfaktor des Prämienanstieges aus (sind sogar rückläufig im Vergleich zu allen anderen Faktoren)! Vielleicht sollte man eher den Tarmed-Tarif der Spezialisten unter die Lupe nehmen. Wenn z.B. ein Dermatologe nur noch halbtags arbeitet, weil er bereits so mehr als genug verdient, sollte man da mal ansetzen... aber das getraut sich ja kein Politiker, der keinen politischen Suizid riskieren will
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  • Kommentar von Markus Cordey, Xiamen
    Die Lösung wäre ganz einfach: Den Parallelimport aus Drittländern (hier Indien) erlauben. Die Preise kämen innerhalb kürzester Zeit runter. Als Auslandschweizer lebe ich in China, und hier ist eine "Medikamentendiskrimination" alltäglich. Die Krankenkasse zahlt überwiegend nur die billigen in China produzierten Medikamente, auch wenn bessere importierte Medikamente zur Verfügung stehen. Wer will kann aber auf eigene Kosten die importierten Medikamente übers Krankenhaus einkaufen.
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  • Kommentar von Eva Richner, Basel
    Ihre Sendung hat mir die Augen geöffnet. Kein Wunder sind die Gesundheitskosten nicht in den Griff zu bekommen! Wenn Medikamentenpreise nach den bestehenden Behandlungskosten berechnet werden! Ich finde das eine super grosse Sauerei. Die Medikamentenpreise müssten doch nach den tatsächlichen Kosten berechnet werden und nicht nach dem maximalen Gewinn. Danke für die Sendung. Eva Richner
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