Der Traum vom Sixpack: Vorsicht mit Nahrungsergänzung

Buben zwischen 13 und 17 Jahren wünschen sich mehr Muskeln. So unspektakulär diese Erkenntnis einer neuen Studie ist, so gefährlich kann dieser Wunsch sein. Denn wer nebst Krafttraining auf Nahrungsergänzungs-Präparate setzt, bekommt unter Umständen nicht das, was auf der Verpackung steht.

Dass viele Jugendliche mit ihrem Körper nicht so ganz zufrieden sind, das wüsste man auch ohne Studie. Das war schon immer so – und wird wohl auch immer so sein. Wenn aber Jugendliche angeben, sie würden, um den Traumbody zu erreichen, auch auf Nahrungsergänzungs-Produkte setzen, dann macht das hellhörig.

Und genau das sagen laut einer neuen Studie der Gesundheitsförderung Schweiz 13 Prozent der Buben zwischen 13 und 17 Jahren.

Proteinshakes: «Sie können auch Milch trinken»

Nahrungsergänzungs-Produkte heissen in der Sprache der Sportler Supplemente. Dazu zählen Vitamin-C-Tabletten genauso wie isotonische Sportgetränke oder Protein-Shakes. Das Angebot an Supplementen ist riesig, und oft sind die Produkte teuer.

Nötig sind sie für den Muskelaufbau allerdings nicht, sagt Samuel Mettler, Dozent für Sporternährung an der ETH Zürich: «In unserer Ernährung haben wir genügend Proteine. Zusätzlich Proteine zuführen ist daher nicht nötig.»

Dennoch könnten gezielt eingesetzte Proteinprodukte beim Kraftaufbau helfen. Dazu müsse man aber nicht Proteinshakes trinken: «Konsumieren Sie direkt nach dem Krafttraining ein Milchprodukt, zum Beispiel einen halben Liter Milch.» Wirklich mehr Muskeln gibt es jedoch nur mit entsprechendem Training: «Und es braucht eben einiges an Training, wenn man auf legalem Weg Muskeln aufbauen will.»

Anabolika für Jugendliche besonders problematisch

In der Studie der Gesundheitsförderung Schweiz haben vier Prozent der Buben angegeben, sie würden auch Anabolika zu sich nehmen. Diese abgewandelten Formen des männlichen Geschlechtshormons Testosteron stehen in der Schweiz auf der Dopingliste und sind verboten.

Gerade für Jugendliche seien diese Präparate besonders problematisch, erklärt Urs Eiholzer, Hormonspezialist für Kinder und Jugendliche: «Anabolika fördern das biologische Alter. Das heisst: Man wird schneller alt, wächst aber nicht so schnell, wie man sollte.» Dies führe zu einer kleineren Erwachsenengrösse, so Eiholzer.

Anabolika können aber noch einen anderen Nebeneffekt haben, da beim Abbau von Testosteron im Körper weibliche Geschlechtshormone entstehen. «Ich hatte zwei Patienten, denen Brüste gewachsen waren wegen solcher Zusätze. Diese Brüste musste man diesen Patienten wegoperieren, die gehen nicht mehr weg.»

Nicht im Internet bestellen

Ein grosses Problem ist laut den Experten, dass in unzähligen Supplementen Anabolika enthalten sind, ohne dass dies auf der Verpackung deklariert ist. «Wir wissen, dass der internationale Supplement-Markt punkto Qualität und Sicherheit sehr schlecht ist», sagt etwa Sporternährungs-Dozent Samuel Mettler.

Die Rate an verunreinigten Produkten sei sehr hoch – entweder aus purer Absicht der Hersteller oder aber weil bei der Produktion nicht sauber gearbeitet werde.

«Wir empfehlen daher, bei Supplementen nur auf bekannte Schweizer Produkte zu setzen. Diese gibt es im ganz normalen Sportfachhandel.» Auch Apotheken und Drogerien hätten unbedenkliche Produkte. Irgendwo im Internet bestellen, sollte man diese Ware nicht.

Supplemente im Ausdauersport

Während Nahrungsergänzung für den Muskelaufbau grundsätzlich nicht nötig ist, können Supplemente im Ausdauersport durchaus Sinn machen, sagt Sporternährungs-Dozent Samuel Mettler: «Wenn Sie zum Beispiel als Hobbyläufer an einen Wettkampf gehen, ist der Einsatz von Sportgetränken oder anderen Energielieferanten sicher gerechtfertigt.»