Giftberatung warnt vor Säuren in Getränkeflaschen

Über hundert Mal pro Tag hat das Tox-Zentrum im letzten Jahr telefonisch beraten müssen. Besonders auffallend: Der fahrlässige Umgang mit ätzenden Stoffen. Die Hälfte der Betroffenen sind Kinder. Viele Vergiftungen lassen sich einfach verhindern.

Haushaltsprodukte als Vergiftungsgefahr für Kleinkinder

Bildlegende: Haushaltsprodukte als Vergiftungsgefahr für Kleinkinder Colourbox

Der mehrjährige Trend hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt: 36'834 Anrufe gingen beim Tox-Zentrum in Zürich wegen Vergiftungen ein. Dies entspricht einem Plus von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Hugo Kupferschmidt, Arzt und Direktor vom Tox-Zentrum, erklärt im Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1:

« Das vergangene Jahr war besonders. Es gab keine saisonale Schwankungen, wie wir das sonst kennen. Normalerweise gibt es im Sommer mehr Anfragen. Im 2012 hatten wir aber bereits im ersten Qaurtal sehr viele Anfragen. »

Kinder zur Hälfte betroffen

In 53 Prozent der Fälle waren Kinder der Auslöser der Anfrage, davon 84 Prozent im Vorschulalter. Als Vergiftungsquellen galten Medikamente, Haushaltsprodukte oder Pflanzen. Bei den Selbstvergiftungen von Erwachsenen handelte es sich um Selbstmordversuche (73 Prozent der Fälle) und Substanzmissbrauch (12 Prozent).

Säuren und Laugen werden fahrlässig umgefüllt

Das Tox-Zentrum hat im vergangenen Jahr 305 Mal wegen ätzender Stoffe beraten müssen. Dies enspricht einem Anstieg von fast 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Immer wieder wurden laut der Giftberatung versehentlich starke Säuren und Laugen eingenommen, die in Getränkeflaschen abgefüllt waren. Diese Art von Vergiftungen können zu schweren inneren Verätzungen mit bleibenden Schäden führen.

Vor allem Männer meldeten sich, die am Arbeitsplatz mit diesen Produkten in Kontakt kommen. Zur Hälfte waren dabei aber auch Kinder betroffen. Für Hugo Isenschmid ist klar:

«  Das Wichtigste ist die Lagerung von Chemikalien. Eine Umfüllung in Getränkeflaschen oder Gläser ist fahrlässig. Häufig werden Stoffe von der Arbeit umgefüllt und nach Hause mitgenommen. »

Der Experte rät dazu, Haushaltsprodukte in einem geschlossenen Putzkasten, in der richtigen Flasche und angeschrieben zu versorgen. Jeder im Haushalt sollte wissen, um was es sich dabei handelt. Weiter warnt er:

« Auch täglich einzunehmende Medikamente sollten nicht einfach so rumliegen. »

Bei Kleinkindern im Haushalt sei dabei besonders Vorsicht geboten, diese ausser Reichweite zu halten.

Mehr zum Thema