Optiker-Ketten kassieren mit Pseudo-Eigenmarken

Eigenmarken sind bei Kontaktlinsen weit verbreitet. Viele Optiker bieten Linsenmarken exklusiv an. Doch: In vielen Päckchen stecken Linsen, die anders verpackt günstiger sind. Visilab wollte gerichtlich verhindern, dass seine Eigenmarken in Vergleichen eines Online-Händlers genannt werden.

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Das Urteil sei ein Meilenstein, sagt Jacquline Urbach, Geschäftsführerin von Discountlens. Visilab hatt ihre Firma verklagt wegen unlauteren Wettbewerbs und Verstössen gegen das Markenrecht.

Aus Sicht von Jacqueline Urbach wollte Visilab damit Transparenz verhindern: «Wir haben online einen Preisvergleich aufgeschaltet, der zeigt, dass die Eigenmarke von Visilab anders verpackt bei uns viel günstiger ist.» Das Bezirksgericht Uster wies die Klage von Visilab ab. «Darüber können sich auch Konsumenten freuen», sagt Jacqueline Urbach.

Vergleiche schaffen Transparenz

Hinter dem Rechtsstreit steckt eine weit verbreitete Praxis: Viele Optiker-Geschäfte lassen sich von grossen Linsenherstellern Eigenmarken liefern. Diese Kontaktlinsen haben zwar eine exklusive Verpackung und einen exklusiven Namen.

Der Inhalt jedoch ist keineswegs exklusiv. Häufig handelt es sich um gängige Kontaktlinsen der grossen Hersteller, die in unterschiedlichsten Verpackungen erhältlich sind.

Mit diesen Eigenmarken wollen die Optiker Kunden an sich binden. Was den Linsenträgern verborgen bleibt: Dieselben Linsen sind unter dem Namen der Orignalmarke des Herstellers häufig günstiger erhältlich.

Preisvergleiche, die dies offenlegen, sorgen bei Kunden also für Transparenz. Nach dem Urteil des Bezirksgerichts Uster schaltet nun auch Online-Händler Mr. Lens einen Preisvergleich online, den man früher aus Angst vor einem Rechtsstreit mit Visilab entfernt hat.

Visilab bezweifelt Preisunterschiede

Visilab will auf die schriftliche Begründung des Urteils warten, bevor man entscheidet, ob man das Urteil weiterziehen will. In einem früheren, ähnlich gelagerten Fall habe man Recht bekommen.

Präsident Daniel Mori sagt, die Online-Händler würden die Preisunterschiede übertreiben: «Bei uns kaufen die meisten Kunden ihre Linsen im Paket ein. Dadurch werden sie günstiger.» Visilab-Kunden erhielten 15 Prozent Rabatt, wenn sie gleichzeitig im Paket etwa Linsen-Mittel und Service-Leistungen einkauften.

Zudem müsse man bei Online-Vergleichen immer auch die Versandkosten dazurechnen. Das versäumten viele Online-Händler, sagt Daniel Mori. Doch auch nach Einbezug von Versandkosten und Rabatten ist die Chance gross, dass Linsenträger die Eigenmarke ihres Optikers anders verpackt online günstiger finden.

Seriöse Online-Händler geben auf Nachfrage auch Auskunft darüber, wie der Vergleich zustande gekommen ist. Interne Dokumente von Linsenherstellern bestätigen zudem, dass in vielen Eigenmarken dieselben Linsen stecken wie in den Originalpaketen (siehe Merkblatt).

Optiker kassieren mit Eigenmarken ab

Wie viele Optiker gängige Linsenmodelle unter einer Eigenmarke teurer verkaufen, zeigte «Kassensturz» im März vor einem Jahr.

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Markenschwindel mit Kontaktlinsen

9:27 min, aus Kassensturz vom 27.3.2012