Seniorin gerät wegen Telefonkauf in Bedrängnis

Eine 81-jährige Frau lässt sich am Telefon eine Grünlippmuschel-Kur gegen Gelenkschmerzen aufschwatzen. Das Mittel könne ihre Hüftschmerzen lindern, verspricht die Verkäuferin der Firma Sekoya Diffusion SA. Der Rentnerin hat es nicht geholfen. Trotzdem erhält sie seit Monaten Rechnungen.

Eine ältere Dame steht am Fenster und telefoniert.

Bildlegende: Bei Verkäufen am Telefon ist Vorsicht geboten. Colourbox

Verpackung.

Bildlegende: Das verkaufte Präparat. PD

Hedi Müller (Name geändert) leidet seit vielen Jahren an starken Hüftschmerzen. Medikamente und selbst eine Operation bringen keine Besserung, die Frau ist verzweifelt, kann kaum mehr gehen.

Im Juli 2012 klingelt das Telefon. Eine Mitarbeiterin der Firma Sekoya Diffusion SA aus Montagny schwärmt Hedi Müller von einem Produkt aus Grünlippmuscheln vor. Hedi Müller schöpft Hoffnung und bestellt eine Packung.

«Meine Mutter kann heute Treppen steigen»

Als sie die nächsten Monate immer wieder mit Tabletten und Rechnungen beliefert wird, reklamiert die Frau. «Doch am Telefon wurde meiner Mutter gesagt, sie hätte eine Kur über sechs Monate bestellt», erzählt ihre Tochter. Als ein Inkassobüro die Mutter bedrängt, wendet sie sich an «Espresso».

Jetzt stellt sich heraus: Hedi Müller wurde in der Zwischenzeit ein weiteres Mal von der Firma Sekoya angerufen. An dieses Gespräch mag sich die betagte Frau nicht mehr erinnern. Sie ist leicht dement und zeitweise verwirrt.

Die Aufzeichnung des Verkaufsgespräches liegt «Espresso» vor. Ohne Punkt und Komma redet die Verkäuferin auf die Seniorin ein und drängt sie zu einer Bestellung.

Im Gespräch mit der Kundin schwärmt ihr die Verkäuferin von der Wirkung des Präparats. Sie nehme das Präparat selber ein, sagt die Verkäuferin, jeden Tag. Präventiv. Viele ihrer Verwandten hätten Arthrose. Ihre Mutter nehme es seit fünf Jahren, es gehe ihr prächtig, sie gehe an keinem Stock und steige ohne Hilfe die Treppe hoch in den vierten Stock und wieder runter.

Die Ursache der Schmerzen lagen anderswo

«Espresso» hat die Firma Sekoya Diffusion SA mit den Vorwürfen konfrontiert. Zweimal versprach die Direktion eine Stellungnahme, doch dann verzichtete sie darauf.

Nach der Intervention von «Espresso» hat das Inkassobüro nun alle Mahnungen und Rechnungen storniert. Aber nicht nur deshalb geht es Hedi Müller heute wieder besser. Die Ärzte haben sie in der Zwischenzeit an der anderen Hüfte operiert. Seither sind die Schmerzen verschwunden. Hedi Müller kann wieder gehen. Ohne Hilfe von Grünlippmuschel-Tabletten.

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