So finden Sie den richtigen Zahnarzt

Die Kantons-Zahnärztin Dr. med. dent. Teresa Leisebach Minder erklärt im «Kassensturz»-Interview, worauf Sie achten müssen, damit der Zahnarztbesuch nicht zum Albtraum wird.

So finde ich den richtigen Zahnarzt

  • Fragen Sie im Bekanntenkreis nach Empfehlungen und guten Erfahrungen im Zusammenhang mit Zahnärzten.
  • Holen Sie vor grösseren Eingriff einen zweiten Kostenvoranschlag ein (Zweitmeinung).
  • Lassen Sie sich bei Notfall-Behandlungen nicht gleich ein umfassende Sanierung aufschwatzen. Bestehen Sie auf Bedenkzeit und Kostenvoranschlag.
  • Lassen Sie sich nicht von tiefen Taxpunktwerten täuschen. Was zählt ist der Endbetrag auf dem Kostenvoranschlag.
  • Wenn Ihr Zahnarzt Mitglied der Zahnärzte-Gesellschaft SSO ist, können Sie sich im Streitfall an eine SSO-Ombudsstelle wenden. (www.sso.ch)
  • Ist Ihr Zahnarzt nicht bei der SSO, können Sie sich im Streitfall an die Patienten- und Versicherten-Organisation SPO (www.spo.ch) wenden. Auch die überregionalen Patientenstellen (www.patientenstelle.ch) können helfen.

Die Kantonszahnärztin Teresa Leisebach Minder erklärt, worauf Sie beim Zahnarztbesuch achten müssen:

Wann sollten bei Patienten die Alarmglocken läuten?

Teresa Leisebach Minder: Wenn vor Beginn der Behandlung eine namhafte Anzahlung geleistet werden muss, stimmt etwas nicht. Üblich ist, dass man zu Beginn einer grösseren Behandlung einen Drittel anzahlt. Die nächste Rate wird dann beglichen, wenn Arbeiten ins Labor des Zahntechnikers gehen. Und das letzte Drittel wird nach Abschluss der Behandlung bezahlt.

Weshalb sollten Patienten vorsichtig sein, wenn ein Zahnarzt mit günstigen Preisen wirbt?

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Dr. med. dent. Teresa Leisebach Minder im Interview

1:19 min, vom 19.6.2012

Leisebach Minder: Wenn die Qualität stimmen soll, dann gibt es keine billige Zahnmedizin. Es gibt unter Umständen günstigere Behandlungsvarianten, das muss man mit dem Zahnarzt besprechen. Alles, was plus minus 10 Prozent günstiger ist, ist im Rahmen.

Aber Schnäppchen, die 30, 40 oder 50 Prozent Rabatt versprechen, die garantieren vielleicht nicht die Qualität, vielleicht nicht die geforderte Praxishygiene, keine angemessenen Löhne und qualifiziertes Praxispersonal und vielleicht auch nicht die Behandlung von gut ausgebildeten Zahnärzten. Letzten Endes beeinträchtigt dies alles die Sicherheit des Patienten.

Wie sollen Patienten vorgehen, wenn sie vor einer grösseren Behandlung stehen?

Leisebach Minder: Warnen möchte ich vor Firmen, die versprechen, günstige Zahnärzte zu vermitteln. Das ist nicht seriös. Man kann sich bei lokalen Zahnärztegesellschaften oder bei Fachgesellschaften, die bestimmte Gebiete abdecken, erkundigen. Für eine Auswahl sollten es mindestens drei Zahnärzte sein.

Wichtig: Der Zahnarzt sollte die Behandlung besprechen und auf Probleme hinweisen. Und er sollte eine minimale Behandlung – d.h. ohne Luxus – und eine teurere vorstellen. Der Zahnarzt muss angeben können, was alles im Detail kostet. Am besten sind zwei bis drei verschiedene Kostenvoranschläge.

Welche Möglichkeiten haben Patienten, die Opfer eines pfuschenden Zahnarztes geworden sind?

Leisebach Minder: Geld zurückfordern ist schwierig. Ich denke, man sollte zuerst das Gespräch mit dem Zahnarzt suchen und schauen, ob man sich nicht einigen kann. Es gibt Möglichkeiten, sich an Schlichtungsstellen zu wenden. Die Schweizerische Zahnärztegesellschaft hat Schlichtungsstellen, die verpflichten ihre Mitglieder zu solchen Verfahren.

Es gibt aber immer mehr Zahnärzte, die nicht Mitglieder der Zahnärztevereinigungen sind, da wird es schwieriger. Im Kanton Zürich beispielsweise haben wir die kantonale zahnärztliche Schlichtungsstelle. In diesem Fall schaut der Kantonszahnarzt die Unterlagen an und holt die Stellungnahme vom Zahnarzt ein. Aber, wenn der Zahnarzt nicht einwilligt, dann bleibt dem Patienten nur der Weg ans Gericht.