Wenn Medikamente plötzlich vom Markt verschwinden

Es ist nicht das erste und nicht das letzte Medikament, das von einem Tag auf den anderen in Apotheken nicht mehr erhältlich ist: Migräne-Kranit. Eine Katastrophe für Kopfweh-Patienten. «Espresso» zeigt, wer im Hintergrund entscheidet.

Eine «Espresso»-Hörerin konnte es kaum glauben, als man ihr in der Apotheke mitteilte, dass es ihre Kopfweh-Tabletten nicht mehr gebe. Und auch in allen anderen Apotheken in ihrem Wohnort Biel bekam sie dieselbe Antwort: Migräne-Kranit entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen und habe von der Heilmittelbehörde keine Zulassung mehr bekommen.

«Sie würden ja auch kein Auto ohne Airbag kaufen»

Nach fast 30 Jahren wird das sogenannte Kombi-Präparat Migräne-Kranit nicht mehr verkauft. Wie es die Bezeichnung schon andeutet, bestehen Kombi-Präparate aus mehreren Wirkstoffen. In diesem Fall aus Paracetamol, Coffein und einem Antihistamin der ersten Generation. Und genau diese Art von Medikamenten ist seit den 90er Jahren immer mehr vom Markt verschwunden.

Wie Christoph Küng, Leiter Arzneimittelsicherheit bei der Heilmittelbehörde Swissmedic erklärt, stiegen die Anforderungen an die Wirkung von Stoffen stetig: «Es ist wie bei Autos, es gibt sie schon seit über hundert Jahren. Sie würden aber auch kein Auto ohne Airbag mehr kaufen.»

Im Fall von Migräne-Kranit würden die Vorteile dieser Dreier-Kombination hinterfragt, weil man auch mehr Nebenwirkungen in Kauf nehmen müsste. «Die Wirksamkeit muss also sehr gut dokumentiert sein, und dies ist der Herstellerfirma seit Jahren bekannt.»

Chancen für positive Bewertung als zu klein eingestuft

Medikamente erhalten bei positiver Prüfung durch die Heilmittelbehörde eine Zulassung für die Dauer von fünf Jahren. Das heisst für Hersteller, dass sie alle fünf Jahre einen Antrag auf Verlängerung der Zulassung stellen müssen. Und je nach Anforderungen, müssen die Produkte durch neue Studien geprüft werden.

Im konkreten Fall von Migräne-Kranit hat die Herstellerfirma Lubapharm AG entschieden, auf die verlangten Studien zu verzichten. Sie schreibt «Espresso»: «Die von uns beigezogenen Experten haben auch mit Investitionen von vielen Millionen Schweizer Franken die Chancen für überlegene Studienergebnisse als klein eingestuft.»

Auf dem Blog einer erfahrenen Apothekerin im Internet beschweren sich ebenfalls Kundinnen und Kunden über das plötzliche Verschwinden des Medikaments.

Pharmama, deren echter Name «Espresso» bekannt ist, rät den Kundinnen und Kunden Alternativen zu prüfen, etwa eine Kombination aus Paracetamol und Coffein. Und die Pharmafirma Lubapharm hat angekündigt, demnächst eine Alternative auf den Markt zu bringen mit genau diesen beiden Wirkstoffen.