Zahnärztepfusch: So kommen Sie zu Ihrem Recht

Stümperhafte Eingriffe, schiefe Prothesen, schlechtsitzende Implantate: Wenn Zahnärzte pfuschen, haben die Patienten nichts zu lachen. Trotzdem stellen die Zahnärzte Rechnungen und verlangen Tausende Franken. «Kassensturz» zeigt einen dramatischen Fall – und wie Patienten sich wehren können.

Video «Zahnärztepfusch: So kommen Sie zu Ihrem Recht» abspielen

Zahnärztepfusch: So kommen Sie zu Ihrem Recht

11 min, aus Kassensturz vom 19.5.2009

Hannelore Gassner bereitet das Kauen Mühe. Sie lebt mit einem provisorischen Gebiss. Das sollte schon längst anders sein: Vor zwei Jahren suchte Gassner einen Zahnarzt auf, um sich ein Gebiss anfertigen zu lassen. Für die Ober- und Unterkieferprothesen bezahlte sie 14'000 Franken. Das Ergebnis war eine Katastrophe. Um ihr Gebiss in Ordnung zu bringen, muss sie schätzungsweise mit weiteren 20'000 Franken rechnen.

Prothese mangelhaft angefertigt

Heute sitzen die 71-Jährige und ihr Mann vor einem Ordner voller Akten – Zeugen eines mühseligen Rechtsstreits. Nichts von dem, was ihr ehemaliger Zahnarzt angefertigt hatte, konnte sie brauchen. «Alles musste raus», sagt Gassner. Nach monatelanger Behandlung ging es ihr miserabel. Gassner: «Ich bin ohne Zähne herumgelaufen, ich bin zuerst gar nicht mehr aus dem Haus, weil ich mich wirklich geschämt habe ohne Zähne.»

Gassner suchte eine andere Praxis auf, das Vertrauen in ihren ehemaligen Zahnarzt war dahin. Ihr neuer Zahnarzt erklärt, wie das Gebiss von Hannelore Gassner aussah, als er sie das erste Mal untersuchte. Die Oberkieferprothese habe nicht zu 100 Prozent gesessen. Für die Befestigungselemente in Form von Druckknöpfen fehle der nötige Platz. Der angesetzte Kunststoff sei ebenfalls nicht ausgearbeitet worden. «Das Ganze hat eher den Charakter einer provisorischen Versorgung», stellt der Zahnarzt fest.

Provisorium dauerhaft eingesetzt

Hannelore Gassners wandte sich an einen Anwalt. Dieser veranlasste die Begutachtung ihres Gebisses im Rahmen einer gerichtlichen Beweissicherung. An der Zahnmedizinischen Klinik der Universität Bern wurde Hannelore Gassner untersucht. Auf die Frage, ob die Rekonstruktion im Oberkiefer medizinisch in Ordnung sei, antwortet die Gutachterin: «Nein, die Prothese wird nicht getragen. Es ist eine sehr einfache Art der Prothesenherstellung. Im jetzigen Zustand entspricht sie eher einer provisorischen Prothese.»

Auch was im Gutachten über die Unterkieferprothese steht, ist niederschmetternd: «Sie ist nach Angaben der Patientin beschädigt worden, weil sie durch den Zahnarzt aus dem Munde herausgebohrt werden musste. Die Kunststoffteile wirken ausgewaschen und sind schlecht zugeschliffen. Obwohl aus der Krankengeschichte zu entnehmen ist, dass die Prothese nach der gewaltsamen Entfernung erneut adaptiert worden sei, passt sie nicht.»

Hannelore Gassner wollte ein neues Gebiss. Erhalten hat sie unbrauchbare Prothesen. Der Zahnarzt will für seine miserable Arbeit nicht geradestehen. Immerhin: Von der Haftpflichtversicherung der Praxis hat Hannelore Gassner eine Akontozahlung von 10‘000 Franken erhalten. Vor wenigen Tagen hat die Versicherung angeboten, insgesamt 21‘000 Franken zu zahlen.