Auch bei Ikea: Schweizer bezahlen mehr als Deutsche

Wenn Schweizer auf die Preise im Nachbarland schielen, dann sind sie frustriert, denn sie bezahlen häufig deutlich mehr. Auch bei Ikea. «Espresso» hat einen kleinen Preis-Check gemacht und festgestellt: Schweizer Preise sind bis zu 90 Prozent höher. Ikea erklärt, das liege am Standort Schweiz.

Nach dem Fall der Euromindestgrenze vor zwei Monaten haben wir vor allem eine Erwartung: Jetzt müssen die Preise in der Schweiz doch endlich purzeln! «Kassensturz» und «Espresso» hat das Publikum gebeten, günstigere, aber auch nach wie vor zu teure Produkte zu melden. Vor allem letzteres hat es auch fleissig gemacht. Unter anderem sorgte Ikea für Verärgerung.

Zum Beispiel bei Christian Müller. Er entdeckte während eines Besuches in Deutschland in einer Ikea-Filiale ein Sofa, das genau in sein Wohnzimmer passen würde. Das Möbel Karlstad kostete dort 418 Euro. Für ihn stand fest: Das muss er haben. Als er es in der Schweiz kaufen wollte, war er jedoch ziemlich perplex. Das genau gleiche Sofa kostet hier 649 Franken. «Und das, trotz tieferer Mehrwertsteuer, diesen Unterschied finde ich schon sehr happig», erzählt Müller. Und tatsächlich: Berücksichtigt man die unterschiedliche Mehrwertsteuer, bezahlen Schweizer für das Sofa 62 Prozent mehr.

Standort Schweiz als Verteuerungsgrund

«Espresso» machte daraufhin einen kleinen Preis-Check und verglich zehn Ikea-Produkte, vom Badetuch bis hin zum Backofen. Das Ergebnis: Für die zehn zufällig ausgewählten Artikel bezahlt man in der Schweiz generell mehr, und zwar zwischen 18 und 89 Prozent.

Was sagt Ikea dazu? Sprecher Alexander Gligorijevic erklärt, dass drei Viertel der Ikea-Einkäufe nicht aus dem EU-Raum stammen und daher auch keinen Währungsvorteil erzielen würden. Und er bringt den Standort Schweiz ins Spiel: «Die Schweizer Preise sind den Bedingungen im Land angepasst. An das Lohnniveau, an Transportkosten, Mieten und so weiter. Das sind Faktoren, die jedes Unternehmen, welches in der Schweiz Preise macht, einkalkulieren muss.»

Das Standort-Argument hört man immer wieder. Doch für Christian Müller, der im Detailhandel gearbeitet hat, zählt das nicht: «Ich bin vom Fach und ich glaube das nicht. Die Preise sind so viel höher, dass diese Begründung keine Berechtigung hat.»

«Einige Preise sind auch tiefer als in Deutschland»

Ein Preisunterschied von 62 Prozent, wie beim Sofa Karlstad, lässt sich tatsächlich schwer mit dem Standort Schweiz allein begründen. Ikea betont aber gegenüber «Espresso», dass es durchaus auch andere Beispiele gibt: Alexander Gligorijevic: «Man muss auch sagen, dass wir bei 9500 Produkten 4000 Preise anbieten, die unter jenen von Deutschland liegen, obschon wir in der Schweiz höhere Kosten haben.» Als Beispiel nennt Ikea die Kinder-Spielküche Duktig, die in Deutschland mit 119 Euro angeschrieben ist, in der Schweiz aber nur mit knapp 100 Franken. Allerdings: Berücksichtigt man die viel höhere Mehrwertsteuer in Deutschland, kostet die Spielküche in etwa gleich viel. Und über alle 9500 Produkte gesehen bleibt dennoch ein Preisunterschied zu Deutschland von durchschnittlich 15 bis 20 Prozent. Dies bestätigt Ikea gegenüber «Espresso».

Christina Müller wollte die Preisdifferenz von 230 Franken für das Karlstad-Sofa nicht hinnehmen. Er verzichtete schliesslich und kaufte bei einem anderen Möbelanbieter ein. Das Sofa, das nun in seinem Wohnzimmer steht, sei hochwertiger und passe erst noch viel besser. Müller lacht verschmitzt: «Eigentlich bin ich fast glücklich, dass mich Ikea ausgebremst hat.»

Ein weiteres Beispiel:

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Weitaus am meisten ärgert der Kleider-Onlinehändler Walbusch. «Kassensturz/Espresso» hat die Preise verglichen: Schweizer Kunden bezahlen bis zu 90 Prozent mehr. Weiter

Der «Kassensturz»-Preis-Check

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