Bald Schluss mit Kirsch aus Schweizer Kirschen?

Kirschen für Brennereien produzieren ist in der Schweiz wenig attraktiv. Für viele Bauern stimmt das Verhältnis von Aufwand und Ertrag nicht. Geht die Entwicklung so weiter, wird Schweizer Kirsch bald zum Luxusprodukt.

Die gute Nachricht zuerst: Dieses Jahr gibt es ausreichend Schweizer Brennkirschen. Laut dem Schweizer Obstverband wurden bis jetzt 3800 Tonnen geerntet. Bis Ende der Saison, die etwa bis zum 5. August dauert, werden gemäss Schätzungen weitere 700 Tonnen hinzukommen. Aufatmen können die Brennereien, denn in den letzten zwei Jahren war die Ernte jeweils deutlich unterdurchschnittlich ausgefallen.

Generell weniger Brennkirschen

Abgesehen von diesen jährlichen, oft wetterbedingten Schwankungen, hat die Zahl der geernteten Schweizer Brennkirschen in den vergangenen Jahren grundsätzlich abgenommen. Vor 20 Jahren lag die jährliche Ernte noch bei rund 12‘000 Tonnen. Heute spricht man bereits bei Erträgen von 4000 Tonnen von einer guten Ernte.

«Über die Jahre wurden die Rahmenbedingungen für die Brennkirschen-Produktion in der Schweiz verschlechtert», sagt Josiane Enggasser, Vizedirektorin des Schweizer Obstverbandes. Als Beispiel fügt sie die Alkoholsteuer an, welche im Jahr 1999 für inländische und ausländische Spirituosen vereinheitlicht wurde. Folge: Vor knapp 20 Jahren stammten noch die Hälfte der in der Schweiz konsumierten Spirituosen aus der Schweiz. Heute sind es noch etwa 15 Prozent.

«Für den Preis lohnt es sich nicht»

Mit dem sinkenden Konsum von Schweizer Kirsch ging auch die Produktion von Brennkirschen zurück. Und die Produktion ist denn auch nicht sehr attraktiv. Der Richtpreis für Brennkirschen liegt dieses Jahr bei 1.09 Franken pro Kilo. Er ist damit leicht höher als im letzten Jahr. «Dennoch sagen mir viele Bauern, auch für diesen Preis lohne es sich nicht, Brennkirschen abzulesen», sagt Adrian Affentranger, Betriebsleiter der Distillerie Willisau (Diwisa AG). Und Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands (LBV), bestätigt: «Das sind ganz rationale, wirtschaftliche Überlegungen des Bauers.»

Engere Bindung zwischen Produzent und Abnehmer

Adrian Affentranger von der Diwisa kann die wirtschaftlichen Überlegungen der Bauern zwar nachvollziehen. Es gebe jedoch Bauern, die auch mit einem Richtpreis von 1.09 gut auskämen. «Wer professionell Brennkirschen produziert, hat eine Schüttelanlage. Und wer Kirschen nicht von Hand ablesen lässt, sondern schüttelt, für den kann sich die Brennkirschenproduktion lohnen.» Um genau darauf aufmerksam zu machen, hat Affentranger vor einigen Wochen per Inserat Brennkirschen gesucht. «Unsere Botschaft: Es lohnt sich, über die Brennkirschenproduktion nachzudenken.»

Diese Botschaft kommt bei den Bauern zwar an. Jedoch sagt Stefan Heller vom Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband: «Wenn eine Brennerei wirklich eine grosse Menge Brennkirschen in Schweizer Qualität will, dann muss sie sich überlegen, welche Bindung sie mit dem Produzenten eingehen will, um den Rohstoff Brennkirsche zu sichern.» Ein Inserat werde da kaum reichen. Die Produzenten bräuchten Perspektiven.

Hoffen auf das neue Alkoholgesetz

Dass die Produktion von Brennkirschen in der Schweiz wieder attraktiver werden soll, darin sind sich alle von «Espresso» angefragten Stellen einig. Der Schweizer Obstverband will die Produktion gar aktiv fördern. Etwa mit Prämierungen für qualitativ besonders gute Kirschen, wie Vizedirektorin Josiane Enggasser sagt. Letzten Endes werde es aber wohl darauf hinauslaufen müssen, dass für die Produzenten pro Kilo Brennkirschen mehr abfalle. «Wir hoffen, dass hier die Revision des Alkoholgesetzes noch etwas beitragen kann.» Diese wird derzeit im Parlament beraten.