Die aufdringliche Trinkgeld-Aufforderung

Wer seine Rechnung im Restaurant oder Hotel mit Kreditkarte bezahlt, kennt es: Neue Kreditkartengeräte fragen als allererstes nach Trinkgeld. Für Gäste und Servicepersonal kann das peinlich sein. Die Interessensgemeinschaft der Kreditkartenbezahlung will andere Lösungen finden.

KReditkartenleser.

Bildlegende: Kreditkartenleser fragen explizit nach Trinkgeld. Keystone

«Espresso»-Hörer Hansueli Hottinger kennt das Problem. Nach einem Aufenthalt im Hotel wollte er die Rechnung schnell und unkompliziert per Kreditkarte bezahlen. Schlussendlich ging es jedoch weder schnell noch unkompliziert. Intuitiv gab er nämlich als erstes seinen Pin-Code ins Gerät ein. Ein Fehler.

«Die Receptionistin schrie plötzlich», erinnert sich Hottinger. An der Stelle, an der er den Pin in das Kreditkartengerät eingetippt hatte, verlangte dieses Angaben zum Trinkgeld. «Ein sechsstelliger Betrag ist doch etwas viel. Zudem weiss ich, dass im Gastgewerbe seit 1974 das Trinkgeld im Preis inbegriffen ist.»

Das Stornieren des Fehlbetrags und das neue Abwickeln brauchte einige Zeit, sodass andere Gäste sich zu ärgern begannen, beschreibt der «Espresso»-Hörer die Gegebenheit beim Auschecken.

Peinlich für alle Beteiligten

Dass das Kreditkartengerät zuerst nach dem Trinkgeld fragt, nervt nicht nur Gäste. Auch das Servicepersonal kommt so in eine unangenehme Situation. «Das geht gar nicht, dass ich den Gast beim Zahlen dazu nötige, ein Trinkgeld zu geben», sagt Anna Grbavac, Inhaberin der Bistro-Bar Silba in Zürich. «Deshalb tippe ich diese Aufforderung immer weg, bevor ich dem Gast das Gerät in die Hand gebe.»

Bei der Interessensgemeinschaft des elektronischen Datenzahlungsverkehrs EFTPOS ist man sich des Problems bewusst. «Wir haben die definitive Lösung noch nicht gefunden», erklärt sich Verbandspräsident Bernhard Lachenmeier. Die momentane Lösung habe man gewählt, da der Pin die Gesamtzahlung inklusive Trinkgeld bestätigen müsse. Deshalb käme das Trinkgeld vor dem Pin.

Trinkgeld in sechsstelliger Höhe ist nicht möglich

«Konsumentinnen und Konsumenten können aber beruhigt sein: Trinkgeld im sechsstelligen Bereich akzeptiert das System nicht», beruhigt Lachenmeier. Es sei ein gewisser prozentualer Anteil des Gesamtbetrags, der das System als Trinkgeld akzeptiere.

«Beträge über diesem Wert, werden vom System verworfen.» Wann eine bessere Lösung in die Restaurants und Hotels komme, konnte Bernhard Lachenmeier nicht sagen.

«Wann Trinkgeld?»-Umfrage

  • Wem geben Sie am ehesten Trinkgeld (ausser in Gastro-Betrieben)?

  • Options

Ihre Erfahrung?

Wann und wem geben Sie Trinkgeld? Wem nicht? Und aus welchen Gründen? Schreiben Sie uns auf espresso@srf.ch