Die Marroni-Krise geht weiter

Den Schweizer Kastanienbäumen geht es schlecht. Der Ernteertrag ist in den letzten Jahren dramatisch eingebrochen. Schuld ist die aus China importierte Gallwespe. Im Kampf gegen den Schädling ruhen die Hoffnungen … auf einer anderen Wespe.

Herbstzeit ist Marronizeit. Landauf landab bieten die Marronibrater ihre Bratfrüchte mit einem herzhaften «Heissi Marroni!» an. Die Beschaffung der Kastanien wird für sie aber immer schwieriger. Seit 2009 wütet die aus Italien eingewanderte und ursprünglich aus China eingeschleppte Gallwespe. Sie legt ihre Eier in die Knospen und schwächt den Kastanienbaum und damit den Kastanienertrag beträchtlich. Im Tessin brach der Ernteertrag in den letzten Jahren um rund 90 Prozent ein.

Schädlingsbekämpfer kommen von selbst

Die Hoffnungen ruhen nun auf einer anderen asiatischen Wespenart. Dieses Insekt ist ein natürlicher Feind, ihre Larven fressen jene der Gallwespen auf. Diese Wespen wurden in Italien und Frankreich gezielt gegen die Gallwespen-Attacken eingesetzt. In der Schweiz ist das zwar noch verboten, doch die Abwehr-Wespen haben den Weg auf dem Landweg selbst gefunden. Spezialisten von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft hoffen deshalb, dass die Kastanienerträge mittelfristig nicht mehr weiter dezimiert werden. Laut der Statistik der Schweizerischen Zollverwaltung verzehren die Schweizerinnen und Schweizer jährlich rund 2000 Tonnen Kastanien. Neben den gebratenen Marroni sind vor allem die Vermicelles beliebt. Kastanienmehl wird ausserdem zu Polenta, Bier oder Brot verarbeitet.

Qualitätsnormen schaffen

Unterdessen beschäftigt die zum Teil sehr schlechte Qualität der Marroni die kantonalen Lebensmittel-Kontrolleure. Weil eine allgemeine Norm bisher fehlt, orientieren sie sich bei ihren Kontrollen an der tiefsten Qualitätsklasse der EU. Damit aber die Rechtssicherheit gewährleistet werden kann und für alle Kantone eine harmonisierte Lösung gilt, soll nun eine Schweizer Qualitätsnorm für Marroni geschaffen werden. Beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV hat man den Ruf der Kantone gehört. In nächster Zeit sind entsprechende Gespräch geplant, wie eine BLV-Sprecherin gegenüber «Espresso» bestätigte.