Eier-Produktion: Millionen Küken werden sinnlos getötet

Die moderne Eier-Produktion hat eine tragische Schattenseite: Für jedes Lege-Huhn stirbt ein männliches Bibeli. In der Schweiz werden jährlich über zwei Millionen Küken nach dem Schlüpfen getötet. In Deutschland wird jetzt ein Verbot diskutiert. «Espresso» sagt, ob Alternativen eine Chance haben.

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Archiv: So werden männliche Küken vergast

0:28 min, aus Kassensturz vom 19.4.2011

Die moderne Eier-Produktion funktioniert mit hochgezüchteten Rassen. Diese Hühner legen zwar viele Eier, setzen aber weniger Fleisch an als Mast-Hühner. Das wird weltweit jährlich Milliarden von männlichen Küken aus Legehennen-Linien zum Verhängnis.

Weil sie weniger Fleisch ansetzen als Mastrassen, müssten sie länger gemästet werden. «Das würde diese Poulets massiv verteuern und die Bauern fänden keine Abnehmer», sagt Oswald Burch, Geschäftsführer von Gallosuisse, dem Verband der Eier-Produzenten.

Millionen Küken landen in Biogas-Anlagen

Die männlichen Küken werden deshalb gleich nach dem Schlüpfen getötet. «In der Schweiz sind davon jährlich über zwei Millionen Güggeli betroffen», so Oswald Burch. Etwas mehr als die Hälfte der Bibeli wird als Tierfutter verwendet. «Der Rest wird geschreddert und landet in Biogas-Anlagen.»

Die Branche sei über diese Praxis auch nicht glücklich, erklärt Oswald Burch. Eine mögliche Lösung wäre dann möglich, wenn man am befruchteten Ei frühzeitig erkennen könnte, ob darin ein männliches oder weibliches Küken heranwächst. Dann könnte man die männlichen Küken gar nicht erst schlüpfen lassen und die Eier verwerten.

Nordrhein-Westfalen verbietet die Küken-Tötung

In Deutschland forschen verschiedene Stellen an solchen Geschlechter-Differenzierungs-Systemen. So etwa die Universität Leipzig. Dort erwartet man jedoch, dass es noch einige Jahre dauert, bis solche Geschlechter-Erkennungsgeräte marktreif werden. Näher wollte man sich auf Anfrage aber nicht zum Thema äussern, es gebe einen «Pressestopp».

Der Grund: Die Politik diskutiert ein Verbot der Massentötungs-Praxis. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat auf 2015 sogar ein solches Verbot erlassen. «Wir halten es für ethisch und tierrechtlich nicht vertretbar, Tiere wie Ausschuss-Ware zu behandeln», sagt Peter Knitsch, Staatsekretär des Landwirtschaftsministeriums von Nordrhein-Westfalen. Gegen das Verbot sind allerdings mehrere Klagen eingereicht worden.

Coop testet Alternative des «Zweinutzungs-Huhns»

Eine andere, mögliche Alternative erprobt Coop zurzeit mit dem sogenannten «Zweinutzungs-Huhn». Die neu gezüchtete Rasse eignet sich sowohl zur Eier-Produktion als auch zur Poulet-Mast. «Allerdings setzen die Tiere etwas weniger Fleisch an und legen leicht weniger Eier als spezialisierte Rassen», sagt Ramòn Gander von Coop.

2500 solcher Poulets hat Coop zu einem Preis von 19.90 Franken pro Kilo verkauft. Im Juli kommen dann die Eier der Zweinutzungs-Hühner in die Regale. Danach will Coop entscheiden, ob der Versuch weitergeführt wird.

Wie viel die Poulets dann kosten werden, ist noch unklar. «Wir gehen aber davon aus, dass die Kunden bereit sind, einen kleinen Mehrpreis zu zahlen. Wir stellen fest, dass das Wohl der Tiere immer wichtiger wird.»

Auch Legehennen als Wegwerfware

Weil die Eierproduktion ist ein hochspezialisiertes Massengeschäft ist, werden Millionen von Legehennen getötet, wenn sie nicht mehr genug Eier legen. Auch in der Schweiz. «Kassensturz» berichtete zuletzt im Jahr 2011 darüber.

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19.04.11: Legehennen sind Wegwerfware

11 min, aus Kassensturz vom 19.4.2011