Enorme Unterschiede im Holzpreis

Das genau gleiche Bett- oder Tisch-Modell kostet in Nussbaum-Holz über 70 Prozent mehr als in Buche: Die Preisunterschiede bei Massivholz-Möbeln sind enorm. «Espresso» erklärt, was dahintersteckt.

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Bildlegende: Der gleiche Tisch kostet je nach Maserung bis zu 70% mehr. Colourbox

Die grossen Preisunterschiede zwischen Nussbaum und Buche entstehen bereits im Wald. «Die Buche kommt in der Schweiz extrem häufig vor. Im Moment ist man froh, wenn man sie über dem Preis von Brennholz verkaufen kann», sagt Andreas Hurst, Abteilungsleiter an der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau in Biel.

Beim Nussbaum dagegen steht das geringe Angebot in keinem Verhältnis zur grossen Nachfrage. Hier suchen Holz-Einkäufer international nach guten Stücken. Das Nussbaumholz, das in der Schweiz verarbeitet wird, kommt häufig von Plantagen in Südfrankreich oder in der Ukraine. «Bringt der Baum keine Früchte mehr, wird er per Handschlag verkauft», sagt Andreas Hurst.

 Die grosse Nachfrage treibt also den Preis für Nussbaumholz in die Höhe. Weshalb pflanzt man nicht einfach mehr Nussbäume an? Andreas Hurst: «Der Nussbaum hat ganz andere Ansprüche als zum Beispiel die Buche, die sich über Jahrtausende angepasst hat.»

Günstigere Möbel aus zusammengesetzten Platten

Auch die Verarbeitung des Holzes beeinflusst den Preis von Massivholz-Möbeln. Christoph Lüthi von der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau sagt: «Verarbeitet man das Holz industriell, kann man natürlich wesentlich günstiger und in grösserer Stückzahl produzieren.»

Zum Teil würde hier auch Holz von mehreren Bäumen zu einer Platte zusammengefügt und als Massivholz verkauft. Im Gegensatz dazu achtet man bei besonders wertvollen Möbeln – eben zum Beispiel aus Nussbaum – darauf, für ein Möbel nur Holz eines einzigen Stammes zu verwenden, damit der Farbton stimmt.

 Was mode ist, wird teurer

Beim Farbton kommt auch die Mode ins Spiel. Diese ändere sich beim Holz alle fünf bis zehn Jahre, sagt Andreas Hurst, und auch das drückt aktuell auf den Preis von Buchenholz: «Buche ist zur Zeit out.»

Sei ein Holz dagegen besonders in Mode, könne der Preis um 20 bis 30 Prozent steigen. Dem schnellen Rhythmus der Modetrends kann der Wald unmöglich folgen: Eine Buche braucht 90 Jahre, ein Eiche 250 Jahre bis sie für die Möbelproduktion gefällt werden kann.