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Konsum Explodierende Pfanne: Schlecht geschützte Konsumenten

Wegen eines Defektes explodierte eine Pfanne auf dem Herd. Die Köchin verbrannte sich schwer. Der Hersteller sagt, die Pfanne sei durch unsachgemässen Gebrauch beschädigt worden. Die Köchin widerspricht.

Die Familie Leuenberger aus Altösch im Emmental führt im Nebenerwerb ein Ausflugsbeizli. Die Gäste werden mit allerlei Köstlichkeiten aus der Küche von Bäuerin Irene Leuenberger bewirtet. Das meiste davon ist hausgemacht. So auch die Crème Brûlée, welche die Köchin seit dem Unfall vor einem Jahr nicht mehr zubereitet. Für Crème Brûlée musste sie jeweils zuerst Zucker in der Pfanne erhitzen. Irene Leuenberger wollte eben den gebrannten Zucker mit Wasser löschen, als es geschah: Die Pfanne explodierte. «Im Spital hat mir mein Mann erzählt, wie es in der Küche ausgesehen hat, als er mich fand. Die Pfanne lag neben dem Kühlschrank und der Schwingbesen in der Stube», erzählt Irene Leuenberger.

Hauttransplatation nach dem Unfall nötig

Nach dem Unfall wurde sie ins Berner Inselspital eingeliefert. Die schweren Verbrennungen machten eine Hauttransplantation nötig. An vier Fingern erlitt Irene Leuenberger Verbrennungen dritten Grades. Von Spritzern des siedendheissen, flüssigen Zuckers zog sie sich punktuelle Verbrennungen im Gesicht zu. Die Bäuerin und Wirtin war für ein halbes Jahr arbeitsunfähig. Den finanziellen Schaden für Lohnausfall, Haushalthilfe und Selbstbehalt bei der Krankenkasse schätzt sie auf etwa 50'000 Franken. Vom Hersteller der Pfanne, der Schweizer Firma Kuhn Rikon aus dem zürcherischen Tösstal, forderte Irene Leuenberger Schadenersatz. 25'000 Franken hat ihr der Pfannenhersteller letztes Jahr ohne Anerkennung eines Schadenersatzanspruches bezahlt. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen.

Frau Leuenberger geht es jedoch nicht nur ums Geld. Viele Leute sprechen sie auf den Vorfall an und sind verunsichert, da sie selber solche Pfannen gebrauchen. Doch laut Kuhn Rikon gibt es keinen Grund zur Verunsicherung. Die Firma schreibt: «Wir haben das Kochgeschirr in unserem Labor systematisch und gründlich untersucht. Gemäss unseren Untersuchungen liegt kein Herstell- oder Materialfehler vor.» Die doppelwandigen Pfannen gibt es seit 30 Jahren. Bei einer Million verkaufter Pfannen komme es zu vier Vorfällen mit Verbrennungen, schreibt Kuhn Rikon. Solche Unfälle müssen Hersteller in der EU melden. Doch nicht in der Schweiz.

Neues Gesetz in Planung

Franz Schild vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) arbeitet an einem neuen Gesetz zur Produktesicherheit. Die Explosion einer Pfanne soll künftig auch in der Schweiz meldepflichtig werden. Franz Schild von seco: «Der Hersteller müsste dann bei solchen Vorfällen mit uns Kontakt aufnehmen damit über Massnahmen entschieden werden kann.» Dies kann bis zum Rückruf eines Produktes führen. Doch das ist nicht nötig, sagt Kuhn Rikon: Die Wahrscheinlichkeit, dass wieder etwas passiere, sei äusserst gering. Allerdings: wenn der Griff einen harten Schlag erhalte, könne der Hohlraum der Pfanne undicht werden.
 Doch Irene Leuenberger kann sich nicht daran erinnern, die Pfanne jemals fallengelassen zu haben. Ihr gegenüber sagte Kuhn Rikon, dass es schon ausreiche, wenn eine Pfanne beim Verräumen mit dem Stiel an der Schublade anstosse. Ein Belastung die eine normale Pfanne doch aushalten müsste, meint Irene Leuenberger.

Undichte Pfanne?

Kuhn Rikon verspricht, dass ihre Pfannen ein Leben lang halten würden. Irene Leuenberger hat vor einem Jahr eine andere Erfahrung gemacht. Crème brulé hat sie ihren Gästen seither nie mehr gekocht.

Wie die Pfanne undicht geworden ist, konnte nicht geklärt werden. Kuhn Rikon vermutet «unsachgemässe Behandlung», Irene Leuenberger bestreitet dies. Kuhn Rikon informiert, dass die Verwendung der Pfanne gefährlich sei, wenn sie undicht ist. Der Hersteller beschreibt darum in der Gebrauchsanleitung, wie im Zweifelsfall selbst getestet werden kann, ob die Pfanne dicht ist.