Fälschungen: Zoll schnappt Ferienschnäppchen

Adidas-Leibchen, Gucci-Tasche oder Levi's Jeans: Wer in den Ferien gefälschte Markenartikel kauft, kann am Zoll eine böse Überraschung erleben. Zöllner dürfen Fälschungen einziehen und vernichten. Auch wer per Post im Ausland bestellt, muss aufpassen. «Kassensturz» erklärt die geltende Rechtslage.

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Fälschungen: Zoll schnappt Ferienschnäppchen

15 min, aus Kassensturz vom 29.6.2010

Nicht alles, was die Passagiere im Reisegepäck nach Hause bringen, kommt an der Zollkontrolle vorbei. Die Mitarbeiter des Zolls haben ein geübtes Auge für bestimmte Einkäufe. Das betrifft gefälschte Markenwaren wie Kleider, Handtaschen und Uhren. Fälschungen sind nicht immer leicht zu erkennen, auch nicht für Zollbeamte. Bei Jeans überprüfen sie jedes Detail. Im Zweifelsfall entscheiden sie immer zugunsten der Passagiere.

Keine Jagd auf Passagiere

Häufig stossen die Zöllner auf Produkte-Imitationen von Louis Vuitton. Diese dürfen nicht eingeführt werden. Entweder verzichten die Passagiere auf die Ware oder der Zoll muss die Fälschungen zurückbehalten und den Markenhalter informieren, damit dieser rechtliche Schritte unternehmen kann. Viele Passagiere wissen nicht, dass es seit zwei Jahren auch für den persönlichen Gebrauch nicht mehr erlaubt ist, gefälschte Markenartikel einzuführen.

Die meisten Fälschungen kommen aus der Türkei sowie aus China und aus Thailand. Peter Kaufmann, Abteilungsleiter des Zolls am Zürcher Flughafen, betont, der Zoll mache nur Stichproben: «Wir machen ganz sicher keine Jagd auf Passagiere, wo wir Fälschungen vermuten.» Fälschungen würden aber in jedem Fall beschlagnahmt. Das sei eine von vielen Aufgaben und nicht die Haupttätigkeit des Zolls.

In der Schnäppchenfalle

Auch wer im Internet bekannte Marken bestellt, muss aufpassen. Es gibt unzählige Angebote. Häufig ist unklar, was ein Original und was eine Fälschung ist. In die Falle getappt ist Vanessa Mathis. Die 17-jährige Gymi-Schülerin hält immer wieder Ausschau nach günstigen Gelegenheiten. Im März hat sie eine Louis-Vuitton-Tasche im Internet bestellt. Den Tipp bekam sie von einer Kollegin. Diese habe gute Erfahrungen gemacht, sagt sie. Dass der Internetladen Trendshop666 Fälschungen statt Schnäppchen verkauft, ist nicht ersichtlich.

Trendshop666 schreibt über sein Angebot, sie würden Top-Designer- und Markenmode zu günstigen Preisen verkaufen. Vanessa Mathis ist getäuscht worden. Doch sie räumt ein: «Ich habe schon gedacht, dass es für diesem Preis fast nicht möglich ist.» Die Louis-Vuitton-Tasche für 110 Franken hat sie nie erhalten. Sie wurde vom Zoll beschlagnahmt. Es war eine Fälschung.

Rechnung vom Anwalt

Nicht nur das, Vanessa bekam Post vom Anwalt von Louis Vuitton: 900 Franken forderte er als Unkostenbeteiligung. Das war ein Schock für Vanessa Mathis. Sie fühlt sich doppelt über den Tisch gezogen. Einerseits von der Internetseite, die nicht hielt, was sie versprochen hat. Und gestossen hat sie sich daran, dass sie auf eine Fälschung hereinflog und auch noch bezahlen musste. Weil Vanessa noch minderjährig ist, hat der Anwalt von Louis Vuitton schliesslich auf die Forderung verzichtet. Und Trendshop666 erstattete ihr das Geld zurück.

Markenprodukte werden im Internet zuhauf angeboten. Die Aufmachung der Internetseiten sind bei Fälschungen und Originalen professionell, die Bilder austauschbar. Ein Indiz ist der Preis. Eine Seite mit Fälschungen bietet eine Tasche für 227 Dollar an, das Original kostet 1360 Dollar.

In vielen Ferienorten werden billige Markenkopien überall angeboten. Obwohl die Einfuhr nicht mehr erlaubt ist, greifen Touristen zu. Peter Kaufmann vom Zoll am Flughafen Zürich hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten Touristen schlecht informiert sind. Die meisten hätten zwar etwas gehört, würden aber die Bestimmungen nicht kennen. Er weiss: «Der Anreiz etwas Günstiges, eine Fälschung zu kaufen, ist sehr gross.» Und dann werde halt gekauft.

Im Container gepresst

Allein am Flughafen Zürich hat der Zoll im letzten Jahr schätzungsweise 1000 Artikel eingezogen. Peter Kaufmann weiss, dass neben Taschen und Handys vor allem Uhren bekannter Schweizer Marken gefälscht werden. Sehr beliebt: Modelle der Marke Breitling. Es gibt auch sehr gute Fälschungen. Um diese zu erkennen, muss man beinahe ein Fachmann sein.

Die eingezogenen Waren, Kleider, Uhren und Taschen werden noch am Flughafen vernichtet. In der Abfallpresse im Container endet dann die Reise der gefälschten Markenartikel definitiv.