Gift im Pelz auch in Schweizer Läden

Pelzkragen von Winterjacken enthalten Chemikalien wie Formaldehyd, Chrom und Tensiden. Das zeigt eine Stichprobe des Schweizer Tierschutzes. Diese Chemikalien können in hohen Dosen und bei direktem Hautkontakt gesundheits- und umweltschädigend wirken.

Der Schweizer Tierschutz hat vier Jacken mit Pelzkragen vom Marderhund aus China und Finnland zur Analyse ins Labor gegeben. Zwei davon sind Kinderjacken. Getestet wurde im unabhängigen Prüfunternehmen Testex in Zürich.

Die Produkte wurden an den Richtlinien des Oeko-Tex Standard 100 gemessen – ein Standard, der ein Teil der Branche freiwillig erfüllt. Textilien, welche diesen hohen Standard erfüllen, unterschreiten nachweislich die aufgestellten Grenzwerte für bestimmte gesundheitsgefährdende Schadstoffe.

Umweltschädigende Stoffe ja, gesundheitsgefährdende Stoffe nein

Bei drei der vier Produkten zeigte sich ein recht hoher Anteil an Tensiden. Diese Stoffe werden im Gerbungsprozess in den Produktionsländern eingesetzt, um die Häute zu entfetten. Tenside wirken umweltschädigend und können auf die Hormonaktivität von Tieren und Organismen Einfluss nehmen. Sie sind in der EU und in der Schweiz beim Produktionsvorgang verboten.

Ebenfalls aus dem Gerbungsprozess gehen Chrom-Salze hervor. Die Oeko-Tex-Empfehlung wurde in einem Fall sogar um das 20-fache überschritten. Allerdings handelt es sich hierbei um die Chrom-III-Salze, welche als kaum giftig gelten. Bei den gefährlichen Chrom-VI-Salze, welche als besonders gesundheitsgefährdend gelten, wurde der Toleranzwert nicht überschritten.

Gefährdung durch Formaldehyd?

Gefunden wurde in den Pelzen auch Formaldehyd. Diese Chemikalie wird als Gerb- und auch als Konservierungsmittel eingesetzt. Der Stoff wird über die Haut oder über die Atemluft aufgenommen und kann bei empfindlichen Personen schon in geringen Konzentrationen zu Schleimhautreizungen und Allergien führen.

Auffällig bei der Stichprobe des Schweizer Tierschutzes: Bei einer Kinderjacke liegt der Messwert von Formaldehyd drei Mal höher als die Empfehlung des Oeko-Tex-Standards. Helen Sandmeier vom Schweizer Tierschutz: «Wenn man sieht, wie Kinder mit diesen Pelzkragen um den Kopf herumlaufen und man sich überlegt, welchen Stoffen man sie damit aussetzt, ist es einfach verrückt!»

Für den Schweizer Tierschutz ein Grund mehr, ganz auf Pelz zu verzichten.
Das zuständige Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV hat sich die Resultate ebenfalls angeschaut und kommt zum Schluss, dass aus Sicht des Gesundheitsschutzes kein Handlungsbedarf bestehe.

«Kassensturz»-Beitrag

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