Im Tessin kostet Espresso massiv weniger

In Lugano kostet eine Tasse Espresso im Schnitt immer noch 2.50 Franken, ist also einiges günstiger als etwa in Zürich oder Bern. «Espresso» erklärt, warum das so ist. Und hat aber auch in einer Deutschschweizer Stadt einen Günstigen gefunden.

Espresso

Bildlegende: Keystone

Ein «Espresso»-Beitrag aus dem Tessin hat den Neid der Deutschschweizer geweckt: Selbst im Bankenviertel von Lugano erhält man einen Espresso für zwei Franken.

Nun hat «Espresso» auch in einer Deutschschweizer Stadt einen günstigen Kaffee gefunden. Wer ihn in 60 Sekunden an der Bar trinkt, bezahlt nur 1.90. Die Geschäftsidee von Walter Eleganti in der «Alfred Cafébar» in Luzern setzt auf Masse statt hohe Preise. In der Karte heisst es «Espresso / Ristretto al Bar – 60 Sekunden an der Bar – kommen, trinken, gehen».

Guter Espresso für wenig Geld

Das Rezept für eine Tasse Kaffee ist simpel und überall gleich. Wie kann es also sein, dass Kaffeetrinken in der italienischen Schweiz so viel günstiger ist?

SRF-Tessinkorrespondent Alexander Grass ist diesem Phänomen für das Konsumentenmagazin «Espresso» auf den Grund gegangen, mitten im Stadtzentrum von Lugano, in der Bar Parigino.

Gäste sind dort vor allem Angestellte, die in den Banken in der nahen Umgebung arbeiten. Sie kommen bis zu vier Mal pro Tag auf einen Espresso vorbei. Dieser kostet 2 Franken, ein Milchkaffee 3.20 Franken. Der durchschnittliche Preis in Lugano liegt bei 2.50 Franken beziehungsweise 3.50 Franken.

«Viele Touristen aus Zürich sassen schon in meiner Bar und konnten nicht verstehen, warum man hier nur 2 Franken und in Zürich bis zu 7 Franken für einen Espresso bezahlt», erzählt der Inhaber Marco Löpfe.

Die Tessiner mögen‘s schnell

Eine Erklärung hat Johanna Bartholdi, Präsidentin des Schweizer Cafetier-Verbandes Cafetier Suisse: «Ein Grund für den günstigen Espresso im Tessin ist sicher die Nähe zu Italien. Man vergleicht die Preise. Vermutlich hat es auch ziemlich viele Grenzgänger, die ab und zu in der Schweiz einen Espresso trinken und nicht bereit wären, einen höheren Preis zu bezahlen.»

Weiter haben laut Johanna Bartholdi auch die unterschiedlichen Trinkgewohnheiten einen Einfluss auf den Preis. Der Deutschschweizer trinke eher einen Café crème am Tisch und verweile so länger im Lokal. Im Tessin trinke man kurz einen Espresso an der Bar und gehe dann wieder. Und das sei günstiger für den Wirt.

«Der Deutschschweizer ist schlitzohrig»

Dazu kommen schliesslich die unterschiedlichen Gebühren. Im Tessin sind die Betriebsbewilligungen relativ günstig. Die Differenz kann bis zu 10‘000 Franken pro Jahr betragen.

Es gab auch Versuche, in der Deutschschweiz die Preise für einen Espresso an der Bar zu senken, in der Hoffnung, es würden dann mehr Gäste kommen. «Allerdings funktionierte das nicht», sagt Johanna Bartholdi. «Der Deutschschweizer ist schlitzohrig. Viele Gäste haben den Kaffee günstiger an der Bar geholt und sich dann an den Tisch gesetzt.»

Der Café crème in der Deutschschweiz

Laut einer Umfrage bei 350 Cafés – durchgeführt von Cafetier Suisse – lag in der Deutschschweiz der Preis für einen Café crème 2012 bei einem Schnitt von 4.08 Franken. Auf die ganze Schweiz gesehen betrug der durchschnittliche Preis für einen Kaffee 3.95 Franken (gem. Bundesamt für Statistik).

Preisentwicklung Café crème 2012

RegionØ 2011Ø 2012tiefster Preishöchster Preis
Stadt Zürich4.274.323.805.50
Stadt Winterthur4.104.133.805.─
Kanton Zürich (Rest)4.034.053.804.60
Kanton Aargau4.043.504.60
Kanton Basel Stadt4.034.193.504.70
Ostschweiz3.984.053.704.90
Zentralschweiz4.054.093.704.80
Kanton Bern3.843.863.204.50

Quelle: Cafetier Suisse

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Die italienische Schweiz im Austausch mit der Deutschschweiz: Eine Tessiner Familie tauscht dazu eine Woche ihr Leben mit einer St. Galler Familie. Mehr dazu im Dossier von Radio SRF 1.