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Konsum Kampf gegen hohe Preise: Parallelimport wirkt nur bedingt

Die neusten Zahlen zeigen: Der Einkaufstourismus im Ausland wird für Schweizer immer beliebter. Migros, Coop und Co. geraten unter Zugzwang. Mit dem Parallelimport von Produkten versuchen sie, Preise ins Rutschen zu bringen. Doch die Möglichkeiten sind beschränkt.

Legende: Audio «Kampf gegen hohe Preise: Parallelimport wirkt nur bedingt» abspielen. Laufzeit 6:09 Minuten.
6:09 min, aus Espresso vom 19.02.2016.

Coop verschickt in letzter Zeit immer wieder Medienmitteilungen und verkündet laufend weitere Erfolge im Kampf für gerechtere Konsumentenpreise in der Schweiz. Wenn die Verhandlungen mit den offiziellen Lieferanten scheitern wird ein Anbieter in der Schweiz gesucht. Wird einer gefunden, kann der Preis im Ladengestell gesenkt werden. So geschehen bei verschiedenen Pflegeartikeln in letzter Zeit.

Das Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 hat bei den anderen Detailhändlern nachgefragt, wie sie Parallelimporte nutzen. Auf Nachfrage bestätigen auch Migros, Denner, Aldi und Lidl, dass sie ständig auf der Suche nach neuen, günstigeren Vertriebskanälen im Ausland seien.

Der Coca Cola-Preiskrieg

Denner-Sprecher Thomas Kaderli gibt zu bedenken: «Der Parallelimport ist immer das letzte Mittel, das wir anwenden; erst wenn die Preisverhandlungen mit dem Hersteller scheitern.» Das Ziel sei grundsätzlich, den Schweizer Vertriebskanal des Markenherstellers zu berücksichtigen. Der Parallelimport sei häufig ein geeignetes Druckmittel, diesen in die Knie zu zwingen.

So orderte der Discounter Denner die Zweiliterflasche Coca Cola so lange bei einem Lieferanten in Tschechien, bis der Getränkehersteller einlenkte und den Preis senkte. Allerdings zeigt dieses Beispiel auch, welcher Aufwand hinter einer solchen Aktion steckt. Der Detailhändler braucht einen Partner, der die gewünschte Menge über einen gewissen Zeitraum liefern kann.

Logistisch kommt oft viel Zusatzarbeit dazu. So mussten die tschechischen Cola-Produkte allesamt neu etikettiert werden, bevor sie in die 800 Dennerfilialen gestellt werden konnten. Trotz dieses Zusatzaufwands konnte Denner das Cola günstiger verkaufen, als wenn er es beim Schweizer Vertrieb bestellt hätte.

Wenn die Schoggi plötzlich anders schmeckt

Sobald der Hersteller merkt, wer die Schweizer günstiger bedient, erhöht er den Druck auf ihn. Die Lieferantenquelle kann so plötzlich versiegen. Ein weiteres Problem kann sein, dass der Hersteller ein Produkt auf den lokalen Geschmackssinn abstimmt. Wenn dann die für Osteuropa besonders süsse Schokolade in der Schweiz plötzlich anders schmeckt, als es der Konsument hier gewohnt ist – handelt sich der Detailhändler Probleme ein.

Alle machen mit

Trotz vielen Hürden greifen auch die Migros und Aldi, welche besonders auf ihre Eigenmarken setzen, immer wieder zum Mittel des Parallelimports. Migros setzte auf diese Weise wie Coop den Importeur von Niveaprodukten unter Druck. Bei Aldi ist es derzeit das Getränk Emmi Caffe Latte Macchiato, das günstiger im Ausland bestellt wird. Konkurrentin Lidl gibt an, drei Prozent der Artikel dank Parallelimport günstiger in die Gestelle legen zu können. Dazu gehören L’Oréal-Produkte, Kinder Schokolade und Nutella.

Aldi und Lidl hätten es in der Hand, dank ihren globalen Einkaufsorganisationen noch viel stärker im Ausland einzukaufen und somit in der Schweiz, die Produkte günstiger anzubieten. Warum nehmen die international tätigen Discuonter das nicht mehr war: Lidl schreibt «Espresso»: «Durch verschiedene Handelshemmnisse, wie zum Beispiel Deklarationsvorschriften, ist ein Parallelimport, welcher zwar preislich attraktiv wäre, nur bei wenigen Produkten möglich.»

14 Kommentare

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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Der Konsument hat es selber in der Hand. Es gibt heute ein unermesslich breites Angebot - sobald ein überteuertes Produkt viel schlechter verkauft wird, passt sich das Preisgefüge an. Der Markt reagiert heute sehr rasch und sehr empfindlich. NB möchte ich nicht beispielsweise ein Nivea- Produkt, das mich wegen des zu hohen Preises täglich ärgert, in meinem Badezummer haben.
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  • Kommentar von Peter Holzer, Zürich
    Ich höre immer wieder, dass die Asylanten und Flüchtlinge unseren Wohlstand bedrohen. Leider ist es aber der Schweizer Konsument mit seinem "Geiz ist geil" verhalten selbst der Arbeitsplätze noch und nöcher vernichtet! Die Migros ist unter "Druck" heisst es, also werden Self-Checkout Stationen eingesetzt. Alle kleinen Lädeli in den Quartieren sind verschwunden und solange wir immer mehr für immer weniger haben wollen, solange wird sich die Abwärtsspirale weiter drehen.
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    1. Antwort von Manuel, Sempach
      Herr Holzer Sie haben es erkannt. Viele Schweizer haben noch nicht bemerkt, dass sie gleichzeitig Konsumenten und Arbeitnehmer sind. Sie sägen an dem Ast auf dem sie sitzen. Wenn mich Eltern, die sonst nie bei uns einkaufen fragen, ob ihr Nachwuchs in meiner Firma eine Verkaufslehre machen könnten, ist meine Antwort meist: Fragen sie doch in dem Geschäft in dem Sie einkaufen! Dann gucken Sie mich meist irritiert an und ich Frage: was ist, ist ihm der Arbeitsweg nach Konstanz zu weit?
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    2. Antwort von W. Pip, Züri
      Wenn dadurch die MEI indirekt durch das Volk umgesetzt wird... dann ist geiz temporär geil. Ausserdem: Bei den Produkten, die mehr als 30% Schweiz-Zuschlag aufweisen, habe ich null Skrupel, sie im Ausland zu beschaffen. Es sind irgendwie nicht weniger geworden...
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    3. Antwort von Manuel, Sempach
      @ w. Piep Sie finden es also nicht in Ordnung, das Waren in der Schweiz viel teurer sind als im Ausland. Wie sieht es mit den Löhnen hier zu Lande aus, sind Sie da auch der Meinung, dass die Löhne höchstens 30% höher sein dürfen als im Ausland? Oder nehmen Sie beim Lohn dann doch gerne das doppelte wie der Deutsche?
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  • Kommentar von Marlies Artho, Schmerikon
    Für mich ist dies nicht nachvollziehbar. Man arbeitet in der Schweiz, mit Schweizer Löhnen und ist sich gar nicht bewusst, dass es um Schweizer Arbeitsplätze gehen könnte. Vor allem in Grenznahen gebieten, Ladenschliessung gibt Arbeitsverlust. Dafür floriert der Mark in D, die immer mehr Angestellte einstellen. Ja wir haben die Arbeitslosenversicherung, die dies sicher wieder aufhebt und für die Arbeitslosen sorgt, bezahlt mit Steuergelder. Aber irgend wann geht die Rechnung nicht mehr auf.
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