Lebensmittel-Plattform kommt nicht in die Gänge

Die Idee tönt einfach und sinnvoll: Über die Online-Plattform myfoodsharing.org können Konsumenten überschüssige Lebensmittel weitergeben. Die erste Bilanz nach einem Vierteljahr ist allerdings bescheiden. Die Betreiber wollen das Projekt nun vor allem in Uni-Städten vorantreiben.

Foodsharing.org

Bildlegende: Screenshot der Webseite von Foodsharing.org zvg

Die Idee für die Lebensmittel-Plattform kommt aus Deutschland. Über die Plattform foodsharing.de wurden dort in einem Jahr 25 Tonnen Lebensmittel weitergegeben. Der Schweizer Ableger dieser Seite hat jedoch Anlaufschwierigkeiten. Im ersten Vierteljahr wurden erst 165 Kilo Lebensmittel weitergegeben. Das aktuelle Angebot ist sehr bescheiden.

Bei einer Stichprobe am Dienstagnachmittag steht Basel bei myfoodsharing.org an der Spitze der Deutschschweizer Städte. Doch selbst hier stehen lediglich drei Lebensmittelkörbe zum Gratis-Abholen bereit. Im Angebot: eine Packung Salzstangen, eine Flasche Mineralwasser, 100 Gramm Schwarztee. Hochbetrieb sieht anders aus.

«Projekt braucht Zeit»

Beim Konsumentenforum, das die Seite gemeinsam mit der Organisation foodwaste.ch betreibt, heisst es auf Anfrage des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1: «Wir würden uns wünschen, dass das Angebot besser genutzt wird.»

Man sei sich aber auch bewusst, dass das Projekt Zeit brauche. Die Betreiber von myfoodsharing.org wollen aber nicht einfach abwarten, sondern das Projekt mit gezielten Massnahmen fördern.

Kühlschränke als Umschlagplatz

Ein möglicher Ansatz sei die lokale Verankerung in Schweizer Universitäts-Städten, sagt Björn Karlen vom Konsumentenforum. Freiwillige könnten das Projekt dort vorantreiben. Ausserdem überlege man sich, zum Beispiel in Unis so genannte «Fairteiler» aufzustellen – Kühlschränke, in denen Lebensmittel zum Abholen bereitgestellt werden könnten.

Auf Uni-Städte konzentrieren sich die Betreiber aufgrund von Erfahrungen in Deutschland. Dort habe sich im Umfeld von Universitäten am meisten Dynamik entwickelt, sagt Björn Karlen. Dass der Lebensmittel-Austausch in der Schweiz noch nicht so rege läuft, führt er auf den Wohlstand und eine Skepsis gegenüber der Lebensmittel-Weitergabe zurück.

Die Ablaufdatums-Hysterie

Die Lebensmittelhersteller legen die Haltbarkeit ihrer Produkte völlig unterschiedlich aus. Und die Konsumenten sind verwirrt: Die einen essen alles, solange es noch appetitlich aussieht. Andere halten sich strikt ans Ablaufdatum auf der Verpackung.

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07.09.04: Lebensmittel: Die Ablaufdatums-Hysterie

12 min, aus Kassensturz vom 7.9.2004