Miese Stimmung zwischen Konsumenten-Organisationen

Das Konsumentenforum kritisiert die Stiftung für Konsumentenschutz öffentlich. Die Forderung nach einer Garantiefrist von fünf Jahren sei «übertrieben». Dieser Seitenhieb ist Ausdruck des angespannten Verhältnisses zwischen den beiden Deutschschweizer Konsumentenorganisationen.

Babette Sigg (KF) und Priska Birrer Heimo (SKS).

Bildlegende: Babette Sigg (KF) und Priska Birrer Heimo (SKS). Keystone

Die Präsidentin des Konsumentenforums (KF), Babette Sigg, bezeichnet das Verhältnis zur Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) als «nicht gerade warmherzig». Es sei der Umgang zwischen zwei Organisationen, die unterschiedliche Meinungen und ein unterschiedliches Selbstverständnis hätten.

SKS-Präsidentin Prisca Birrer-Heimo sagt dazu: «Unser Verhältnis ist schon seit längerer Zeit auf Sparflamme.»

Konsumentenforum: «liberal und bürgerlich»

Das KF sieht sich als liberale und bürgerliche Konsumentenorganisation. «Wir betreiben keinen Konsumentenschutz, sondern Konsumenteninformation», hält KF-Präsidentin Babette Sigg im Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF1 fest.

Zu den Kollektivmitgliedern des Konsumentenforums gehören beispielsweise die FDP- und CVP-Frauen und der Migros Genossenschafts-Bund.

Im Gegensatz zur SKS tritt das KF eher wirtschaftsfreundlich auf. Das Verhältnis zur Wirtschaft umschreibt Babette Sigg als unvoreingenommen: «Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass niemand Kunden über den Tisch ziehen will.» Im Umgang mit der Wirtschaft wirft das KF der SKS vor, Dinge zu skandalisieren.

Stiftung für Konsumentenschutz: «Weder links noch rechts»

Diesen Vorwurf weist SKS-Präsidentin Prisca Birrer-Heimo zurück. Sie sagt: «Wir prangern Probleme an. Und dies machen wir laut und deutlich.» In diesem Sinne bezeichnet sie die Haltung der SKS als eher wirtschaftskritisch: «Wir wollen das Wissens- und damit auch Machtgefälle zwischen Wirtschaftsakteuren und Konsumenten ausgleichen.»

Politisch positionieren will sich die SKS nicht, sagt ihre Präsidentin: «Konsumentenschutz ist weder links noch rechts.» In der Trägerschaft der Stiftung für Konsumentenschutz finden sich allerdings eher linke Organisationen wie VCS, Mieterverband und Gewerkschaftsbund.

Finanziell stehen die beiden Deutschschweizer Konsumentenorganisationen an einem ganz anderen Ort: Die SKS hat dreieinhalb Mal so viele Mittel zur Verfügung wie das KF. Dieses lebt rund zur Hälfte von Bundessubventionen, die SKS zu rund 15%.

Vor kurzem hat der Bund seine Subventionen an die Konsumentenorganisationen neu verteilt: Die SKS und ihre Pendants in der Westschweiz und im Tessin erhalten etwas mehr Geld, weil sie sich zu einer Allianz zusammengeschlossen haben. Der Beitrag ans Konsumentenforum wurde gekürzt.

Konsumentenforum will wieder bekannter werden

Neu verlangt der Bund von den Konsumentenorganisationen auch eine Art Leistungsausweis, der sich auf die Subventionen auswirkt. Beurteilt werden Kriterien wie Auflage und Absatz von Ratgebern oder Medienpräsenz.

Hier steht das KF unter Druck, das im Vergleich zu Anfang der 80er-Jahre, als Monika Weber Präsidentin war, heute viel weniger bekannt ist. Dies gibt auch KF-Präsidentin Babette Sigg zu: «Wir wollen wieder die Bekanntheit erreichen, die wir früher einmal hatten.» Das KF kämpft also um mehr Aufmerksamkeit.

Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Deutschschweizer Konsumentenorganisationen funktioniert nur, solange ihnen die politische Ausrichtung nicht im Weg steht. In allen anderen Fragen müssen die Konsumenten für sich entscheiden, von wem sie sich besser vertreten fühlen.

Steckbriefe

 

Stiftung für Konsumentenschutz SKS

Konsumentenforum KF

Gründungsjahr

1964

1961

Gründer

Gewerkschaften und Angestelltenverbände

Deutschschweizer Frauenorganisationen

Mitglieder/Gönner

20‘000 Gönner

Keine Angaben*

Einnahmen 2012

1'522'000 Fr.

431'000 Fr.

Ausgaben 2012

1'445'000 Fr.

425'000 Fr.

Bundessubventionen 2012

287'000 Fr.

215'000 Fr.

Selbstverständnis

«Lobbyistin und Anwältin der Schweizer Konsumenten»

«verhandelt mit der Wirtschaft auf Augenhöhe»

«Keine Spenden von Wirtschaft und Politik»

«liberal und bürgerlich»

«Information statt Bevormundung»

«Beratung statt Belehrung»

«Dialog statt Konfrontation»

Angebote

  • Beratung (für Mitglieder gratis)
  • Merkblätter und Musterbriefe
  • Ratgeber
  • Internetauftritt
  • Newsletter
  • Zeitschrift «Blickpunkt»
  • Veranstaltungen etc.
  • Gratisberatung für Mitglieder und Nichtmitglieder
  • Merkblätter
  • Internetauftritt
  • Newsletter
  • Zeitschrift «kf info»
  • Podiumsveranstaltungen, Vorträge, etc.

Internetseite

www.konsumentenschutz.ch

www.konsum.ch

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*Das KF hat 19 Verbände und Organisationen als Kollektivmitglieder (Stand 2012) und sagt, es vertrete so rund eine halbe Million Konsumenten. Die Zahl der zahlenden Mitglieder und Gönner-Mitglieder wird nicht bekanntgegeben.