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Konsum Migros-Pferdefleisch: Verbesserung in Sicht

Die Migros will ab 2014 nur noch Pferdefleisch aus artgerechter Produktion verkaufen. Nachdem der «Kassensturz» im Februar krasse Tierquälereien beim kanadischen Pferdefleischproduzenten Bouvry aufgedeckt hat, haben Migros und der Mastbetrieb jetzt neue Richtlinien erarbeitet, wie «Espresso» weiss.

Zwei Pferde stecken die Köpfe zusammen
Legende: Für einige Pferde wurden laut Migros Verbesserungen erzielt. Colourbox

Auf dem kanadischen Mastbetrieb Bouvry standen Pferde, die ohne Fütterung und Tränkung knapp 40 Stunden transportiert wurden. Auch sah man Pferde auf den Futterweiden, die halbtot am Boden lagen. Keiner kümmerte sich darum. Unterstände, unter welchen sich die Tiere vor Wind und Wetter schützen können, suchte man vergebens. Von diesem Betrieb importiert die Migros ihr Pferdefleisch.

Die skandalösen Bilder haben auch die Verantwortlichen der Migros nicht kalt gelassen. Eine Delegation ist nach Kanada gereist und hat Verbesserungen gefordert. Und jetzt auch zugesichert bekommen. Wie Urs Peter Naef, Mediensprecher der Migros, gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» erklärt, sei man einen grossen Schritt weitergekommen.

Das sind die Verbesserungen

«Unser Ziel war es ganz klar, das Tierwohl in Kanada zu verbessern», so Naef. Dabei gehe es um Transport, Haltung und Schlachtung. «Eine Verbesserung ist auf der ganzen Linie nötig.» Zusammen mit Bouvry sei ein Massnahmenkatalog erstellt worden, der unter anderem folgende Punkte umfasst:

  • Pferde werden direkt am Geburtsort gekauft und abgeholt (keine Händler, keine Märkte)
  • Pferde werden nicht länger als acht Stunden transportiert
  • Pferde werden nicht über 1000 Kilometer transportiert
  • Absolute Rückverfolgbarkeit bis hin zur Geburt
  • Unterstand für Tiere

Moderne Technik zur Kontrolle

Man wolle die Einhaltung der abgemachten Punkte durch verschiedene Massnahmen kontrollieren. So seien unangemeldete Kontrollen künftig möglich. Diese würden durch unabhängige Schweizer Firmen mit Niederlassung in Kanada oder direkt von der Migros durchgeführt, so Urs Peter Naef. «Zudem wird eine Webcam unsere Tiere so filmen, dass wir von der Schweiz aus jederzeit sehen, wie es diesen Tieren im eigens für uns gebauten Gehege (Feedlot) geht.»

Bouvry passt nicht alles an

Die geforderten Massnahmen würden aber nicht auf dem ganzen Hof umgesetzt. «Das sind Abmachungen, die lediglich für die Pferde gelten, welche schlussendlich zu Migros-Pferdefleisch verarbeitet werden», sagt Naef. Man hoffe auf eine Signalwirkung.

Noch ein Jahr Fleisch aus tierquälerischer Produktion

Der kanadische Mastbetrieb sei bereits am Umbauen, damit er die Migros-Anforderungen künftig erfüllen könne, heisst es vom Detailhändler. «Ab März/April 2014 greifen die Massnahmen und im Migros-Gestell ist dann ausschliesslich Fleisch aus dieser wesentlich verbesserten Tierhaltung», so Naef. Bis dahin verkauft die Migros weiterhin Pferdefleisch, das nach den «herkömmlichen Standarts» von Bouvry stammt. Die Konsumenten würden nach Pferdefleisch fragen und deshalb biete man es auch an, heisst es von Seiten der Migros.

In die richtige Richtung

Beim Tierschutzbund Zürich begrüsst man grundsätzlich die Bemühungen der Migros. «Die angestrebten Verbesserungen sind dringend nötig, und die Migros macht einen engagierten Eindruck», sagt Sabrina Gurtner. Sie war im Oktober 2012 in Kanada und hat bei Bouvry die haarsträubenden Filmaufnahmen gemacht. «Was wir allerdings nicht verstehen, ist, dass die Migros bis zu den Verbesserungen noch immer Pferdefleisch aus tierquälerischer Produktion verkauft.»

9 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Schwaller, 6018 Buttisholz
    Wer's glaubt wird selig; der devote Mediensprecher U.P Naef verkündet der Nation thetralisch jeden Fake, der ihn zur Beruhigung der blöden Konsumenten vom Board diktiert wird. Ein Minimum an Empathie und Anstand würde dem Grossverteiler gut anstehen. Auf Dauer rächt es sich, den mündigen Konsumenten für blöd zu verkaufen; ausserdem ist es höchst unmoralisch und pervers, die Gewinnmaximierung mit barbarischen Praktiken zu Lasten der Kreatur zum Exzess zu treiben.
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  • Kommentar von Theodor Himmel, Chur
    Zusammenfassung: Die Migros verkauft noch ein Jahr lang weiter das genau gleiche Tierquäler-Fleisch und selbst nachher dürfen Pferde immernoch bis 1000km transportiert werden. (=immernoch Tierquälter-Fleisch) Und der Tierschutzbund ZH bezeichnet die Migros als „engagiert“? Sind die vom Aff gebissen? Wenn schon der Tierschutzbund so einen Quatsch berichtet, was denkt Ihr wie sehr Ihr von den Grossverteilern verarscht werdet? Wer solche Produkte kauft, ist in meinen Augen einfach nur skrupellos.
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  • Kommentar von franz schleiniger, montecatini/italien
    Der Migros-Gründer Duttweiler, würde sich im Grabe drehen, wenn er wüsste wie verlogen die Migros heute argumentiert. z.B. Um mit einem LKW 1000 Km zurückzulegen, benötigt es mind. 13 Std und nicht nur 8 Std. Auf einer Strecke von 1000 Km liegen sicher 2 "geeignete" Schlachthöfe. Dass der Lieferant in Canada unmoralisch ist, zeigt die Tatsache, dass eine Verbesserung nur für Migrospferde in Aussicht gestellt wird. (N.B. an SFR, bitte fertig mit Zensur)
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