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Konsum Mini-Jobs im Internet: Eine Gefahr für Schweizer Anbieter?

Im Internet schnell ein neues Firmenlogo bestellen. Kein Problem. Solche Angebote gibt es bereits ab fünf Dollar. Welche Auswirkungen haben solche Mini-Jobs auf das Schweizer Grafikhandwerk? «Espresso» fragte Hans Tanner, Fachleiter an der GDK-Gestaltungsschule in Zürich.

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4:58 min, aus Espresso vom 28.01.2016.

Auf Plattformen wie fiverr.com bieten Menschen aus aller Welt Mini-Jobs an. Ab fünf Franken kreiert irgendjemand irgendwo auf der Welt eine witzige Karikatur, ein Geburtstagsvideo oder ein Firmenlogo. «Espresso» hat darüber berichtet.

Solche Mini-Jobs können für Menschen in Entwicklungsländern eine Chance sein, etwas Geld zu verdienen. Für uns, die wir im Wohlstand leben, stellt sich aber die Frage: Welchen Wert hat eine Ware oder eine Dienstleistung, die nichts kostet? Und was bedeutet dies zum Beispiel für Schweizer Grafiker, die Logos zu Schweizer Preisen entwerfen?

Hans Tanner arbeitete bei verschiedenen grossen Schweizer Werbeagenturen und bildet heute an der GDK-Gestaltungsschule in Zürich Grafiker aus. «Espresso» hat bei ihm nachgefragt: Was nützen all die Ausbildungen, wenn die Unternehmen ihr neues Firmenlogo im Internet bestellen?

Hans Tanner: Für den Konsumenten ist ein solches Angebot verlockend, doch er muss auch wissen, was er dafür bekommt. Man muss sich bewusst sein, dass man eine Standardlösung einkauft, etwas, das jemand in einer gewissen Zeit aus dem Ärmel geschüttelt hat. Es ist wichtig, dass sich Berufsgattungen, die unter Druck geraten, nicht verschliessen. Wir kennen das zum Beispiel auch bei Uber, die die Taxiunternehmen bedrohen.

Was Sie tun, hat einen gewissen Wert. Geben Sie das auch Ihren Schülerinnen und Schülern weiter?

Schwarzweiss-Porträt eines lächelnden Mannes.
Legende: Hans Tanner, Fachleiter an der GDK-Gestaltungsschule in Zürich. zvg

Hans Tanner: Ja, das machen wir. Sie kommen hierher, um einen Beruf zu erlernen, der ihnen irgendwann ermöglicht, davon zu leben. Wir vermitteln, dass man für jedes Geld etwas haben kann, jedoch nicht für wenig Geld alles.

Und trotzdem: In der Berufswelt werden Ihre Schüler auf Kunden treffen, die in der virtuellen Welt mit einem Klick sehr billige Angebote kaufen können. Es wird schwierig sein, dem Kunden die Qualität zu vermitteln und zu erklären, dass die Leistung eine andere ist.

Hans Tanner: Der einzige Rettungsanker ist die Wissensvermittlung. Und ich hoffe auch wirklich, dass die Konsumenten sich fragen, was hinter einem Angebot steckt. Man wird immer billigere Anbieter finden, dagegen anzukämpfen ist sinnlos. Wichtig ist, dass man wach, am Puls der Zeit bleibt. Preisdruck ist per se nichts schlechtes, es darf aber nicht sein, dass die Schere zu weit auseinander geht, also dass hohe Qualtität für einen unmöglichen Preis gefordert wird. Man darf auch nicht vergessen, dass man als Konsument eine gewisse Macht hat.

Auf den Punkt gebracht: Ist fiverr.com ein Fluch oder ein Segen oder beides zugleich?

Hans Tanner: Fiverr ist weder Fluch noch Segen, sondern schlichtweg eine Tatsache. Man muss sich bewusst sein, dass das Internet auch ein Arbeitsinstrument ist. Doch es ist nicht die eierlegende Wollmilchsau, die pfannenfertige Lösungen ausspuckt. Dem gegenüber steht der gestalterische Beruf. Dort geht es um Differenzierung, um Einzigartigkeit, Ideenreichtum. Das kann eine Maschine nicht einfach so ausspucken.

«Espresso» vom 27.01.2016

«Espresso» vom 27.01.2016

«Fiverr»: Aufträge in alle Welt für fünf Dollar. «Espresso» von Radio SRF 1 hat ein paar ausprobiert.Das witzige Ergebnis finden Sie hier.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Daniel Koenig, Dublin
    Fiverr ist keine Konkurrenz fuer das Schweizer Grafikgewerbe, sondern bietet Chancen. Die Anbieter auf Fiverr sind von katastrophal bis super. Wer aber Qualitaet, Einzigartigkeit und vor allem Vertrauen sucht wird es nicht finden. Was noch dazu kommt, fuer 5 Dollar gibt es in Fiverr auch kein Logo, man muss auch da viel viel tiefer in die Taschen greifen und wem gehoert das Geistige und Kreative Eigentum zuletzt? Mir oder der Indischen Firma die meine Idee dann 100 mal weiterverkauft?
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