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Konsum Nach Ostern sind viele Legehennen überflüssig

Kurz vor Ostern werden in der Schweiz rund 20 Prozent mehr Eier verkauft. Dadurch braucht es mehr Hühner. Doch was geschieht mit den überzähligen Legehennen nach der Hochsaison? «Kassensturz» hat 2011 über die Entsorgung dieser Tiere berichtet. Mittlerweile vermeldet die Branche Fortschritte.

Legende: Video 19.04.11: Legehennen sind Wegwerfware abspielen. Laufzeit 11:00 Minuten.
Aus Kassensturz vom 19.04.2011.

Die «Eiertütschete» ist in der Schweiz ein alter Brauch und wird nach wie vor rege praktiziert. Die Folgen: Es werden rund 20 Prozent mehr Eier verkauft als normalerweise. Und: Dadurch hat es nach Ostern zu viele Hühner.

Was geschieht mit den überflüssigen Legehennen? «Kassensturz» hat bereits vor zwei Jahren berichtet, wie Legehennen zur Wegwerfware werden. Nach Ostern umso mehr. Vor allem zwei Aspekte lassen die Eierproduktions-Industrie in einem traurigen Licht erscheinen:

Nach einem Jahr werden die Hühner entsorgt

Die Hühner werden nur für eine gute Legeleistung gezüchtet. Sie leisten Schwerstarbeit, sind aber nach einem Jahr ausgelaugt und müssen ersetzt werden. Oswald Burch ist Geschäftsführer von Gallosuisse, der Vereinigung der Schweizer Eierproduzenten. Er erklärt in einem Interview mit Radio SRF: «Eine längere Nutzung der Legehennen ist grundsätzlich möglich. Allerdings werden die Eier je älter das Tier umso grösser. Zudem wird die Schale brüchiger.» Diese Eier seien somit für den Markt unbrauchbar.

20 Prozent der Hennen werden zu Biogas

Was geschieht mit den Hühner? Früher waren die ausrangierten Hennen begehrte Suppenhühner, aber diese Zeiten sind schon längst vorbei. «Leider sind Suppenhennen heute überhaupt nicht mehr gefragt», sagt Oswald Burch. Nur ein kleiner Teil landet in den Verkauf als Suppenhuhn. Der Grossteil wird geschlachtet und landet in Charcuterie-Produkten wie Geflügelwurst. Mittlerweile können wieder 80 Prozent der Legehühner als Nahrungsmittel verwendet werden, bestätigt Gallosuisse-Präsident Burch auf Radio SRF. Was aber immer noch traurig ist: 20 Prozent der Tiere werden in Biogasanlagen transportiert und dort für die Stromproduktion verwendet. Einwandfreies Fleisch wird also verfeuert für unsere Stromproduktion.

Kein Bedarf an männlichen Küken

Die zweite traurige Folge der Masseneierproduktion: Männliche Küken legen keine Eier und setzen zu wenig Fleisch an. Sie sind unbrauchbar und werden deshalb gleich nach der Geburt getötet - auch Bio-Küken. Oft geschieht das direkt auf dem Hof mit einer Begasungsanlage. Diese Tötungsart gilt als fortschrittlich.

Der Eierbranche ist klar, dass diese Fakten nicht gerade zu einem guten Image beitragen. Deshalb wird gemäss Oswald Burch zurzeit vor allem in zwei Bereichen geforscht: «Einerseits sollen auch männliche Küken mehr Fleisch ansetzen, damit sie irgendwann ebenfalls zur Fleischproduktion beitragen können.» Zudem steht die praenatale Geschlechtsbestimmung - also bereits im Hühnerei - im Fokus der Forscher. So könnten die männlichen Exemplare bereits im Ei ausgeschieden werden. Das Töten der Küken würde überflüssig. «Kassensturz» berichtete 2011 über die Forschung deutscher Wissenschaftler und Ingenieure unter der Leitung der Professorin Maria Krautwald-Junghanns. Die grosse Schwierigkeit ist eine massentaugliche und wirtschaftliche Methode zu finden.

20 Kommentare

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  • Kommentar von Viola Löffler, Zürich
    Oh Schreck, und Biogas-Gärreste werden über Felder und Wiesen gestreut, als Dünger. Haben die noch nie etwas davon gehört, dass die Tierkadaver in Biogasanlagen in starkem (fast sicher) Verdacht sind, der Grund von Botulismus zu sein? Dann lieber die Hühner am Waldrand aussetzen :-)
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Spätestens bei Appetit+Einkauf verliert Mensch die Moral,da gilt nur noch der Preis.Bauern verkaufen idR keine pfannenfertigen Suppenhühner/Poulets direkt,Rupfmaschinen sind zu teuer,der Aufwand zu gross.Es gibt aber solche,die geben sie geschlachtet ab,zum selber Rupfen+Ausnehmen.Die fairste Lösung fürs Geflügel,meine ich,stehe mit dieser Praktik wohl alleine da.Nichtmal mehr die Bauern selbst tun das.Gibt sogar solche,die setzen des nachts ihre ausgedienten Legehennen am Waldrand aus
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Ja, das waren noch Zeiten, als die meisten Bauern nicht nur an den Profit dachten, sondern diesen Beruf auch ausübten, weil sie Tiere LIEBTEN. Das habe ich in der Gegend Wetzwil/Forch selber so erlebt - ich weiss also, wovon ich spreche. Da heute den meisten Hühnern und Hähnen das Recht auf ein längeres Leben nicht mehr zugestanden wird, ist es sogar unter den Bauern fast nicht mehr bekannt, dass sehr viele u.a. durch natürliche Krankheiten bald sterben, aber immerhin natürlich.
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  • Kommentar von Bettina Fritzsch, Duisburg
    Ich sehe mit Freude, dass es jeden Tag mehr Veganer werden, die dieser skrupellosen Lebensmittelmafia die rote Karte zeigen. Geldgier wird am Ende nicht über Ethik und Moral siegen, da bin ich sicher. Und die Profiteure der qualvollen Massentierhaltung werden sich eines Tages auch fragen, ob sie nicht Frevel begangen haben, da bin ich auch ganz sicher.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Leider kann ich Ihnen nicht Recht geben, weil nach meinem Wissen fast alle Profiteure der Massentierhaltung ihr Tun lebenslang nicht hinterfragen, nicht einmal in ihren letzten Lebensstunden. Ich habe den Glauben an eine bessere Welt ohne Geldgier auch im Bereich Tierhaltung und Tierschutz schon lange verloren, aber es lohnt sich immer, solange zu kämpfen, um wenigstens einen Teil zu verbessern. Immerhin wird heute darüber öffentlich geredet, früher war das noch ein Tabu-Thema.
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