Nach Ostern sind viele Legehennen überflüssig

Kurz vor Ostern werden in der Schweiz rund 20 Prozent mehr Eier verkauft. Dadurch braucht es mehr Hühner. Doch was geschieht mit den überzähligen Legehennen nach der Hochsaison? «Kassensturz» hat 2011 über die Entsorgung dieser Tiere berichtet. Mittlerweile vermeldet die Branche Fortschritte.

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19.04.11: Legehennen sind Wegwerfware

11 min, aus Kassensturz vom 19.4.2011


Hühner sind vor Ostern im «Produktionsstress»

4:26 min, aus SRF 4 News aktuell vom 28.03.2013

Die «Eiertütschete» ist in der Schweiz ein alter Brauch und wird nach wie vor rege praktiziert. Die Folgen: Es werden rund 20 Prozent mehr Eier verkauft als normalerweise. Und: Dadurch hat es nach Ostern zu viele Hühner.

Was geschieht mit den überflüssigen Legehennen? «Kassensturz» hat bereits vor zwei Jahren berichtet, wie Legehennen zur Wegwerfware werden. Nach Ostern umso mehr. Vor allem zwei Aspekte lassen die Eierproduktions-Industrie in einem traurigen Licht erscheinen:

Nach einem Jahr werden die Hühner entsorgt

Die Hühner werden nur für eine gute Legeleistung gezüchtet. Sie leisten Schwerstarbeit, sind aber nach einem Jahr ausgelaugt und müssen ersetzt werden. Oswald Burch ist Geschäftsführer von Gallosuisse, der Vereinigung der Schweizer Eierproduzenten. Er erklärt in einem Interview mit Radio SRF: «Eine längere Nutzung der Legehennen ist grundsätzlich möglich. Allerdings werden die Eier je älter das Tier umso grösser. Zudem wird die Schale brüchiger.» Diese Eier seien somit für den Markt unbrauchbar.

20 Prozent der Hennen werden zu Biogas

Was geschieht mit den Hühner? Früher waren die ausrangierten Hennen begehrte Suppenhühner, aber diese Zeiten sind schon längst vorbei. «Leider sind Suppenhennen heute überhaupt nicht mehr gefragt», sagt Oswald Burch. Nur ein kleiner Teil landet in den Verkauf als Suppenhuhn. Der Grossteil wird geschlachtet und landet in Charcuterie-Produkten wie Geflügelwurst. Mittlerweile können wieder 80 Prozent der Legehühner als Nahrungsmittel verwendet werden, bestätigt Gallosuisse-Präsident Burch auf Radio SRF. Was aber immer noch traurig ist: 20 Prozent der Tiere werden in Biogasanlagen transportiert und dort für die Stromproduktion verwendet. Einwandfreies Fleisch wird also verfeuert für unsere Stromproduktion.

Kein Bedarf an männlichen Küken

Die zweite traurige Folge der Masseneierproduktion: Männliche Küken legen keine Eier und setzen zu wenig Fleisch an. Sie sind unbrauchbar und werden deshalb gleich nach der Geburt getötet - auch Bio-Küken. Oft geschieht das direkt auf dem Hof mit einer Begasungsanlage. Diese Tötungsart gilt als fortschrittlich.

Der Eierbranche ist klar, dass diese Fakten nicht gerade zu einem guten Image beitragen. Deshalb wird gemäss Oswald Burch zurzeit vor allem in zwei Bereichen geforscht: «Einerseits sollen auch männliche Küken mehr Fleisch ansetzen, damit sie irgendwann ebenfalls zur Fleischproduktion beitragen können.» Zudem steht die praenatale Geschlechtsbestimmung - also bereits im Hühnerei - im Fokus der Forscher. So könnten die männlichen Exemplare bereits im Ei ausgeschieden werden. Das Töten der Küken würde überflüssig. «Kassensturz» berichtete 2011 über die Forschung deutscher Wissenschaftler und Ingenieure unter der Leitung der Professorin Maria Krautwald-Junghanns. Die grosse Schwierigkeit ist eine massentaugliche und wirtschaftliche Methode zu finden.