«Natürliches» Himbeer-Aroma aus Zedernholz

Viele unserer Lebensmittel enthalten Zusatzstoffe: Geschmacksverstärker, Bindemittel, Aromen. In einem Buch zeigt die Redaktion der «NZZ am Sonntag» auf, wie die Lebensmittelindustrie Zusatzstoffe einsetzt – und wie aus Holz, Papierabfällen und Schimmelpilzen «natürliche» Aromen hergestellt werden.

«Es gibt in unserem Land eine Nahrungskrise der besonderen Art: Wir wissen nicht mehr, was wir essen sollen», schreibt Herausgeber Michael Furger in der Einleitung des Buches «Der Kult um unser Essen», das soeben erschienen ist.

Das Buch soll bei Entscheidungen über das eigene Essen helfen, so die Einleitung weiter. Denn über sein Essen entscheiden könne man nur, wenn man darüber Bescheid wisse.

Verführung mit Aromen

Und so geht das Buch auf rund 200 Seiten den Tricks und Kniffs der Lebensmittelindustrie nach. Zeigt auf, wie wenige grosse Unternehmen den Markt in der Schweiz dominieren und wie sie uns zum Kauf animieren wollen – unter anderem mit Werbung, die uns vorgaukelt, Pralinés würden in einer gemütlichen Backstube von jungen Männern in weissen Kitteln handgefertigt.

Ein Kapitel widmet sich ganz den Zusatzstoffen, insbesondere den Aromen. Der Leser erfährt, dass Himbeer-Aroma aus ausgekochtem Zedernholz gewonnen wird, Vanille-Aroma aus Papierabfällen.

Cover

Bildlegende: zvg

«Auf der Verpackung werden diese als ‹natürliche Aromen› angegeben», sagt Herausgeber Michael Furger gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1. «Der Ausgangsstoff dieser Aromen ist ja ein Naturprodukt.»

Das Problem sei weniger, dass wir diese künstlichen Aromen essen, stellt Furger fest, sondern dass wir uns an den designten Geschmack gewöhnten: «Plötzlich schmeckt uns die frische Erdbeere im Joghurt nicht mehr, weil das Erdbeeraroma aus dem Labor anders ist: intensiver, vermeintlich besser.»

«Der Kult um unser Essen», Michael Furger, Chanchal Biswas (Hrsg.), 208 S., Verlag NZZ Libro. Fr. 48.–