Peach Weber verliert Wette gegen «Espresso»

Verbotene Werbeanrufe sind dem Komiker ein Graus und immer wieder hat Peach Weber deshalb beim Staatssekretariat für Wirtschaft Beschwerde eingereicht. Er ist aber überzeugt, dass dort mit den Beschwerden gar nichts passiert und wettet darauf ein Kilo Schoggi.

Es ist der Ärger Nrummer 1 von Herr und Frau Schweizer: Werbeanrufe trotz Sterneintrag im Telefonbuch. Eine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren: Eine Beschwerde an das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco schreiben. 28‘000 Beschwerden sind allein im letzten Jahr wegen der Werbeanrufe eingegangen.

Auch der Schweizer Komiker Peach Weber ärgert sich über solche Anrufe – und er hat schon mehrfach Beschwerde beim Seco eingereicht. Nur vermutet er, dass seine und alle anderen Beschwerden dort versanden. Er hat deshalb dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 eine ungewöhnliche E-Mail geschickt: «Könnten Sie vielleicht mal nachprüfen, ob das Seco schon jemals eine dieser Belästigungsnummern gesperrt hat. Ich mache eine Wette um ein Kilo Schoggi-Kugeln, dass da einfach gar nichts passiert. Wette angenommen?»

«Espresso» darf an vertraulicher Sitzung teilnehmen

Das Konsumentenmagazin hat die Wette angenommen – und hinter die Kulissen geschaut. Eine Reporterin durfte an einer vertraulichen Sitzung mit den Juristinnen und Juristen teilnehmen. Diese Sitzung findet einmal pro Monat statt und dreht sich zu einem grossen Teil um die Beschwerden wegen unerlaubter Werbeanrufe.

Die Beschwerden werden gesammelt, sortiert, und den jeweiligen Telefonnummern zugeordnet. Das Seco hat dann mehrere Möglichkeiten, gegen die Betreiber dieser Telefonnummern vorzugehen:

  • Abmahnung wegen Verletzung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)
  • Strafklage wegen Verletzung des UWG
  • Anfrage beim Bundesamt für Kommunikation Bakom um Amtshilfe, um jenen Fernmeldedienst zu eruieren, welcher die Telefonnummern vergeben hat – diese Dienste sitzen teilweise im nahen und fernen Ausland.

Geringe Erfolgsaussichten

Am erfolgreichsten waren bisher die Interventionen via Bakom. Seit 2012 konnte das Seco auf diese Weise bei 123 Nummern eine Sperrung erwirken. Die Erfolgsaussichten bei einem Strafantrag bei den Staatsanwaltschaften sind klein. Im letzten Jahr kam es zu 17 Entscheidungen der Justizbehörden, davon waren 12 Einstellungsverfügungen. Mangels Beweisen und wegen geringer Erfolgsaussichten im Ausland wurden die Verfahren eingestellt.

Statistische Angaben zu Werbeanrufen


01.04.2012 bis 31.12.2015
Durchschnitt pro Jahr (2012 bis 2015)
01.01.2015 bis 31.12.2015
Anzahl gemeldeter Werbeanrufe trotz Sterneintrag
458031221427908
Anzahl Strafklagen
7219.228
Anzahl Entscheide, Urteile
349.112
Anzahl Strafbefehle
102.73
Anzahl Nichtanhandnahme-, Einstellungs- und Sistierungsverfügungen
225.9
12
Verfahrenswiederaufnahmeverfügungen20.5
2
Gerichtlicher Vergleich
10.31

Quelle: Seco
Komiker Peach Weber ist nach all diesen Informationen konsterniert: «Im Nachhinein muss ich sagen, dass es mir fast lieber wäre, wenn nichts gemacht würde. Da wird ein Riesenaufwand betrieben, im Wissen, dass man in den meisten Fällen sowieso nichts machen kann. Da wäre ich ehrlich gesagt froh, wenn man sich diesen Aufwand sparen würde.»

Seine Wettschuld löst Peach Weber selbstverständlich ein und hinterlässt der «Espresso»-Redaktion ein Kilo Schoggi-Kugeln. Man dankt.