Pelz-Deklaration: Ohne Pflicht geht's nicht

Ab 1.März gilt die neue Deklarationspflicht für Pelze und Pelzprodukte. Die Konsumenten sollen wissen, von welchem Tier der Pelz stammt. Ausserdem müssen die Läden die Herkunft des Felles angeben und, ob das Tier gejagt oder gezüchtet wurde. Stichproben zeigen: ohne Pflicht funktioniert es nicht.

Pelz

Bildlegende: Pelz-Details an Jacken sind zur Zeit verbreitet. Keystone

Die Modeindustrie hat Fellkrägen auf den Strassen populär gemacht. Doch obwohl viele Konsumenten Pelz tragen, wissen sie nicht, woher er kommt.

Dies ist auch nicht erstaunlich: Die Läden waren bisher nicht verpflichtet, die Tierart, Herkunft und Gewinnung der Pelze zu deklarieren.

Läden informieren meist nicht freiwillig

Eine kleine Stichprobe von «Espresso» Ende Februar in der Zürcher Innenstadt ergab, dass Läden dem Konsumenten nicht freiwillig genügend Informationen über Pelze zur Verfügung stellen.

Bei «Bernies» waren beispielsweise 3 von 4 Jacken mit Fellprodukten gar nicht deklariert. Das heisst man wusste nicht, was für Fell aus welchem Land verwendet wurde. Auch über die Gewinnungsart (gejagt oder gezüchtet) gab es auf dem Fellprodukt keine Informationen. «Bernies» wollte gegenüber «Espresso» dazu keine Stellung nehmen.

Aber auch im Ausverkauf im Kleidergeschäft «Modissa» an der Bahnhofstrasse fand «Espresso» fast keine Angaben über die Pelzprodukte. Der Präsident des Schweizer Tierschutzes STS, Heinz Lienhard, ist enttäuscht: «Es fehlten erstens die Herkunftsangaben, das heisst man weiss nicht, woher der Pelz kommt. Vor allem gibt es aber keine Informationen dazu, wie die Tiere, welche getötet worden sind, gehalten worden sind. Man weiss gar nichts!»

Das betroffene Modehaus Modissa nahm gegenüber «Espresso» schriftlich Stellung: «Die Branche hat da sicher Fehler gemacht und ist mit einer gewissen Nonchalance und Unsensibilität über die teilweise schlechten Produktionsverhältnisse hinweg gegangen. Wir begrüssen die Deklarationspflicht. Im Bewusstsein, dass in der Pelzbranche Nachhaltigkeit zum Thema gemacht werden muss, sind wir seit längerer Zeit auf der Suche nach Pelzen die nachhaltigen Kriterien entsprechen.»

Mehr Transparenz durch neue Deklarationspflicht

Ab 1. März 2013 sind die Läden, die Pelzprodukte verkaufen, gesetzlich verpflichtet, die Felle zu deklarieren. Durch die Angabe der Tierart, Herkunft des Felles und der Gewinnungsart können die Konsumenten und Konsumentinnen beim Kauf eines Pelzproduktes eine bewusste Entscheidung treffen.

Laut dem Bundesamt für Veterinärwesen spielt die Schweiz in Europa hiermit eine Pionierrolle. Die EU kennt keine obligatorische Deklaration für solche Produkte. Auch der Präsident des Schweizer Tierschutzes STS spricht von einem Schritt in die richtige Richtung:

«Wir haben jahrelang dafür gekämpft. Wir waren immer gegen Pseudo-Labels der Pelzbranche. Nun haben wir auf politischem und gesetzgeberischem Weg das erreicht, was wir in Sachen Deklaration erreichen wollen.»

Auch der Schweizerische Pelzfachverband «SwissFur» begrüsst die Deklarationspflicht. Gemäss dem Geschäftsführer Markus Hugentobler werden auch Pelzträger zunehmend kritischer und wollen wissen, woher ihr Pelz stammt.

«Herkunft unbekannt» bleibt erlaubt

Eine transparente Information sei deshalb wichtig. Derzeit arbeitet er Empfehlungen für die Schweizer Pelzverkäufer aus, wie sie mit der neuen Deklarationspflicht umgehen sollen: «Wir sagen unseren Mitgliedern beispielsweise, auf welchem Weg man am besten zu den benötigten Informationen kommt und wie sich verhalten sollen, wenn sie keine Informationen bekommen.»

Falls die Pelzverkäufer die Herkunft eines Felles nicht einem Land oder einer geographischen Region zuordnen können, so darf die Angabe «Herkunft unbekannt» verwendet werden.

Die Läden haben nun eine Übergangsfrist von einem Jahr, um ihre Pelzprodukte zu deklarieren. Pelze, welche die neuen Vorschriften nicht erfüllen, dürfen bis dann noch verkauft werden. Ab dem 28. Februar 2014 wird das Bundesamt für Veterinärwesen jedoch Stichkontrollen durchführen und allenfalls Bussen verhängen.

Pelz aus China oder Skandinavien?

Trotz der Deklarationspflicht: Gemäss dem Präsident des Schweizer Tierschutzes, Heinz Lienhard, leiden alle Tiere, welche für Pelz verwendet werden. Egal, wo sie herkommen: «Es gibt keine artgerechte Pelztierhaltung. Dies ist unmöglich. Es gibt nur Länder, wo es ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger schlimm ist.»

Nach den Erkenntnissen des Schweizer Tierschutzes ist es in China am schlimmsten. Dort kommen die Marderhunde während der Enthäutung wieder zu Bewusstsein und wenn sie schon völlig nackt sind, ohne Pelz, leben sie noch rund 30 Sekunden.

Auch wenn sich der Konsument künftig zwischen einem Pelz mit der Angabe «gejagt» oder «gezüchtet» entscheiden muss, macht dies keinen grossen Unterschied. Laut dem Schweizer Tierschutz leiden die Tiere bei beiden Gewinnungsarten.