Perchlorat im Essen: Weiterhin ein grosses Fragezeichen

Vor zwei Jahren wurden in Früchten und Gemüsen Perchlorate festgestellt – auch in der Schweiz. Die Salze gelten als gesundheitsgefährdend. Doch bisher weiss man zu wenig über deren Gefährlichkeit, um konkrete Massnahmen zu ergreifen. Europaweit werden nun Daten gesammelt.

Zuständig war vor zwei Jahren das Bundesamt für Gesundheit BAG. Dieses hatte zunächst mit Verweis auf Studien der Lebensmittelbranche Entwarnung gegeben.

Zwei Wochen später krebsten die Experten jedoch zurück, und kündigten gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» amtliche Untersuchungen an. Zwei kantonale Labors hatten unmittelbar danach die Arbeit aufgenommen, mit ersten Resultaten wurde im Verlauf des Jahres gerechnet.

Verzögerung bei der Europäischen Untersuchung

Man gab sich beim BAG zuversichtlich, der mysteriösen Herkunft von Perchlorat und der konkreten Gefährdung auf die Spur zu kommen. Dies, weil man eine gesamteuropäische Untersuchung bis Ende 2013 erwartete.

Diese hat sich jedoch verzögert. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat diesen Frühling angekündigt, man benötige mehr Daten.

Also werden weiterhin Daten zusammengetragen. Daran beteiligt sich auch die Schweiz, wie Mark Stauber, Leiter des Fachbereichs Lebensmittelhygiene beim mittlerweile zuständigen Bundesamt für Lebensmittelsicherheit BLV gegenüber «Espresso» erklärt. Internationale Zusammenarbeit mache gerade bei Lebensmitteln Sinn, da der Lebensmittelhandel weltweit stattfinde.

Ungewissheit über Gefährdung durch Perchlorat

Man weiss bisher, dass Perchlorate die Aufnahme von Jod im Körper hemmen und den Stoffwechsel beeinträchtigen können, was besonders bei Kindern gesundheitsgefährdend sein kann.

Bis jetzt ist jedoch unbekannt, wie hoch das Gesundheitsrisiko beim Verzehr von Lebensmitteln mit Perchlorat ist. Aus diesem Grund wurden vor zwei Jahren erst provisorische Grenzwerte festgelegt, die auch von der Schweiz übernommen wurden und nach wie vor gültig sind.

Immerhin ist man mittlerweile ziemlich sicher, wie das Perchlorat in die Lebensmittel kommt. Natürlicher Dünger, der früher eingesetzt wurde, war demnach mit natürlich vorkommendem Perchlorat versetzt.

Dieses wird erst mit der Zeit vom Regen ausgewaschen. Mark Stauber vom BLV erklärt, dass dies in Gewächshäusern nicht der Fall ist, und es so sein könne, dass sich das Perchlorat-Problem vor allem bei solchen Früchten und Gemüsen stellt.

Konsumenten können nichts tun

Doch dies ist bislang erst eine Vermutung. Wann die lange erwartete Studie der EFSA erscheint, ist zurzeit noch unklar. Erst dann wird es auch möglich sein, die bisher provisorischen Grenzwerte definitiv festzusetzen. Werden Lebensmittel angetroffen, deren Wert über den Grenzwerten liegen, werden sie aus dem Verkauf genommen. Für Konsumenten gibt es keine offiziellen Empfehlungen, wie sie sich betreffend Perchlorat zu verhalten hätten.