Preishölle: Tricks der Markenartikel-Konzerne

Markenartikel sind in der Schweiz viel teurer als im Ausland. Denn viele Konzerne verhindern mit fragwürdigen Methoden, dass Schweizer Discounter die Produkte günstig parallel importieren können. Wettbewerbsfeindliche Absprachen sind verboten, doch die Kontrollbehörde schaute bisher bloss zu.

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Preishölle: Tricks der Markenartikel-Konzerne

7:23 min, aus Kassensturz vom 24.11.2009

Das Taft Gel Ultra Stark kostet in der Schweiz 4.95 Franken, in Deutschland umgerechnet 2.27 Franken – eine Differenz von 118 Prozent. Markenprodukte kosten in der Schweiz immer noch wesentlich mehr als im benachbarten Ausland.

Einer der Gründe: Die Markenkonzerne verkaufen ihren Vertriebsgesellschaften in der Schweiz die Produkte teurer. Schweizer Detailhändler müssen sich dort eindecken und auch vom Konsumenten mehr verlangen. «Wir stellen immer wieder fest, dass viele Produkte im Ausland wesentlich günstiger verkauft werden – günstiger als wir sie einkaufen können», sagt Denner-Einkaufschef Hans-Rudolf Brauchbar im «Kassensturz».

Hoffnung Parallelimporte

Parallelimporte sind ein bewährtes Mittel, um die Preise zu senken. Wenn Parallelimporte, das heisst der Bezug von Waren im Ausland parallel zum offiziellen Kanal, möglich sind, dann sind Markenhersteller gezwungen die Preise auf europäisches Niveau zu senken.

In den vergangen Jahren hat das Parlament nach langem Hin und Her mehrere Schritte für die Zulassung von Parallelimporten gemacht. Bisher war der Parallelimport von Produkten mit einem Patent verboten. Das Patentrecht wurde geändert. Jetzt dürfen auch patentgeschützte Güter importiert werden – ausgenommen Medikamente.

Ausserdem will das Parlament weitere Handelshemmnisse abbauen und das sogenannte Cassis-de Dijon-Prinzip einführen: Waren aus der EU dürfen ohne Weiteres auch in der Schweiz verkauft werden. Heute verhindern zum Teil unsinnige Deklarations- und Beschriftungsvorschriften den freien Warenverkehr.

Doch ein Mittel bleibt den Herstellern, um günstige Parallelimporte zu verhindern: «Sehr oft werden die ausländischen Grosshändler bedrängt, nicht in die Schweiz zu liefern. Damit müssen wir die Waren in der Schweiz bei den Importeuren kaufen und auch teurer verkaufen», kritisiert Hans-Rudolf Brauchbar von Denner.

Weko muss ein Zeichen setzen

Ein Fall hat Denner bei der Wettbewerbskommission angezeigt: Elmex-Hersteller Gaba habe den Parallelimport verhindert. Die Wettbewerbsbehörde muss entscheiden, ob der Zahnpasta-Hersteller Gaba gegen das Kartellgesetz verstossen hat. Der Fall ist schon seit Jahren hängig.

«Die Wettbewerbsbehörde muss jetzt ein Zeichen setzen», sagt Simonetta Sommaruga, Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz. Die Politik habe viel gemacht gegen überteuerte Preise von importierten Produkten. «Wenn wir jetzt nicht gegen Absprachen von Herstellern und Händlern vorgehen, dann bleibt die Hochpreisinsel und dann ist eigentlich alles, was die Politik gemacht hat, vergebens gewesen», sagt die SP-Ständerätin.

Der Entscheid der Weko wird noch dieses Jahr erwartet.