Preissenkungen: Markenmultis machen nicht mit

Coop brüstet sich mit dem grössten Preisabschlag aller Zeiten. Die Konkurrenz zieht nach. Doch die Sendung Kassensturz zeigt: Viele Markenprodukte wurden in den letzten Monaten teurer – und es kann für die Konsumenten noch dicker kommen.

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Preissenkungen: Markenmultis machen nicht mit

11 min, aus Kassensturz vom 13.1.2009

Coop streicht es gross in der Werbung hervor: Das Waschmittel von Ariel kostet nur noch 9.95 Franken statt 11.95 Franken. Was nur aufmerksamen Kunden aufgefallen ist: Ende Oktober wurde der Inhalt des Waschmittels von 1,5 Liter auf 1,25 Liter reduziert – der Preis aber beibehalten. Coop bestätigt gegenüber «Kassensturz» die «versteckte Preiserhöhung». Der Lieferant habe ihnen diese Mengenreduktion aufgezwungen. Mit der aktuellen Preisrunde habe dies aber nichts zu tun.

Bei Denner abgeschaut

Weiteres Beispiel: Die LC1-Drinks von Nestlé. Auch dieser Preis stieg bei Coop in den letzten Monaten von 4.40 Franken auf 4.70 Franken. Nun senkt ihn Coop auf 3.95 Franken. Doch pikant: Coop senkt den Preis nur bei einer von drei Geschmacksrichtungen. Der Grund: Der Discounter Denner führt nur diese Geschmacksrichtung im Sortiment – zum Preis von 3.95 Franken.

Tatsache ist: Viele Markenprodukte sind im letzten Jahr teurer geworden. Schuld seien die Hersteller, sagt Coop. «Aufgrund der Rohstoffpreise haben sich verschiedene Preise erhöht, auch im letzten Herbst. Wo es nicht abwendbar war, mussten wir das akzeptieren und höhere Einstandspreise bezahlen», sagt Christian Guggisberg, Leiter Beschaffung Food von Coop.

Öffentliche Kritik

Jetzt könnte es für die Konsumenten noch schlimmer kommen. «Kassensturz» weiss: Viele Markenhersteller verlangen seit Anfang Jahr mehr für ihre Produkte – obwohl die Rohstoffpreise wieder deutlich gesunken sind. Sowohl Denner und als auch Coop wehren sich gegen diese Verteuerung und kritisieren ihre Lieferanten sogar öffentlich: «Das sind völlig ungerechtfertigte Forderungen», sagt Denner-Einkaufschef Hans-Rudolf Brauchbar.

Auch Ständerätin und Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz Simonetta Sommaruga hat kein Verständnis für die Preiserhöhung der Hersteller: «Das ist sicher nicht der richtige Moment. Ausserdem verlangen viele internationale Konzerne von Schweizer Kunden immer noch wesentlich mehr als von ausländischen.»

Die Markenartikel-Hersteller widersprechen. Sie hätten Rohstoffe in längerfristigen Verträgen zu den höheren Preisen einkaufen müssen. Auch Lohn- oder Stromkosten seien gestiegen.

Doch keine Aufschläge

Es geht auch anders: Der Schweizer Biscuitfabrikant Wernli in Trimbach wollte die Preise auf Anfang Jahr ebenfalls erhöhen. Wernli-Mitbesitzer Werner Hug hat die Aufschläge jetzt wieder rückgängig gemacht: «Wir haben im Herbst die Preiserhöhungen angekündigt, dann aber gesehen, dass etliche Rohstoffpreise wieder retour gehen.»

Die Preise vieler Rohstoffe sind in den letzten Monaten eingebrochen: Erdöl hat sich seit dem Höchststand im Sommer massiv vergünstigt. Der Weizenpreis ist seit einem Jahr rückläufig. Auch für Milch und Milchpulver zahlen Hersteller weniger.

Deshalb stossen die Preiserhöhungen von Markenartikel-Multis auf Unverständnis. Dabei verlangen die Multis von den Schweizer Konsumenten im Vergleich zum Ausland schon heute überhöhte Preise. Beispiel Nivea-Crème: Denner muss dem Konzern Beiersdorf im Einkauf 2.94 Franken zahlen. Im Lidl in Deutschland zahlen Konsumenten umgerechnet für die gleiche Menge, ohne Mehrwertsteuer, 2.47 Franken. Unglaublich: Der Ladenpreis in Deutschland ist tiefer als der Einkaufspreis von Denner.

Teure Sonderwünsche

Markenhersteller schröpfen Schweizer – der Verband Promarca nimmt Stellung: «In der Schweiz haben wir staatliche Auflagen, wir haben Sonderwünsche der Detailhändler, kleinere Losgrössen, spezielle Etikettierungen.» Das alles verteuere das Produkt, sagt Promarca.

Trotz Preiskampf im Detailhandel: Die Schweiz bleibt vorderhand eine Hochpreisinsel.