Rauchlose Zigarette: Gaunerbande wieder aktiv

Deutsche Ganoven zogen hunderte Schweizer Anleger über den Tisch. Die Betrüger gaben vor, eine rauchlose Zigarette auf den Markt zu bringen. Dafür sackten sie 60 Millionen Franken ein. Jetzt ist die Bande unter einem andern Namen wiederholt aktiv. «Kassensturz» zeigt, wer dahintersteckt.

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Rauchlose Zigarette: Gaunerbande wieder aktiv

9:10 min, aus Kassensturz vom 5.5.2009

Aalglatte deutsche Verkäufer drehten per Telefon Schweizern zehntausende Nicstic-Aktien an. Für eine Firma mit einem scheinbar innovativen Produkt. Doch die grossspurig angekündigte Erfindung floppte. Die Firma löste sich in Luft auf. «Das Unternehmen präsentierte nie ein funktionierendes Produkt. Am Schluss hat man festgestellt, die wollten einfach Leute ködern und Aktien verkaufen», sagt Alain Bichsel von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA).

Neuauflage des Pleiteprojekts

«Kassensturz» sind mehrere Aktionäre bekannt, die zwischen 40‘000 und mehreren Millionen Franken verloren haben. Seit ein paar Wochen melden sich wieder deutsche Verkäufer – und wieder propagieren sie eine rauchlose Zigarette. Der Name jetzt: Denverson. Bereits wirbt die Firma im Internet. «Kassensturz» fährt nach Frankfurt zum Sitz von Denverson. Der Verdacht: Denverson ist eine Neuauflage des Pleiteprojekts Nicstic.

«Kassensturz» vereinbart mit dem Firmenchef von Denverson ein Interview. Doch in der Zentrale tritt bloss ein Ersatzmann auf. Denverson-Mitarbeiter Dirk Lappessen mimt den seriösen Geschäftsmann: «Wir haben Aktionäre aus der Schweiz, aus Deutschland und Österreich.» Der Börsengang stehe kurz bevor, heisst es. Doch das heisst es schon lange.
 Lappessen: «Die Generierung ist voll im Gang. Der Börsengang soll jetzt spätestens Ende März stattfinden.» Doch Ende März ist längst vorbei. Der Mann erzählt Märchen. Denverson ist auch heute noch nicht an der Börse.

Beim Interview spiegelt sich im Hintergrund der wirkliche Chef von Denverson. Sein Name: Michael Berresheim. «Kassensturz» entdeckt ihn in alten Ausgaben und Fotos der früheren Nicstic-News. Es gibt also klare Verbindungen zwischen der scheinbar neuen Firma Denverson und dem alten Pleiteprojekt Nicstic. Neben Berresheim steht Heinz Piroth. Piroth war der Chef von Nicstic.

Von FINMA dicht gemacht

Berresheim und Piroth haben beide eine gemeinsame, düstere Vergangenheit. Vor 13 Jahren tauchten sie im Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» auf. Damals mit Damara Bertges vom European Kings Club. Zur Erinnerung: Der Kings Club betrog Anfang der 90er-Jahre mit einem Schneeballsystem 90'000 Leute um fast 2 Milliarden Franken.

Zurück zu Nicstic. Die alten Kumpel organisierte den Handel mit Nicstic-Aktien aus dem Kanton Zug. Zuerst über Nicstic selbst, dann immer mehr über dubiose Verkaufsfirmen. Die Masche: Ganz viele Aktien kaufen und sie teuer an ganz viele Anleger weiterverkaufen. Zuletzt verhökerten neun Firmen Millionen Aktien für ein unbrauchbares Produkt. Sie wurden alle von der Finanzmarktaufsicht dicht gemacht. Bichsel: «Das sind immer hochkomplizierte Verflechtungen und Konstrukte.» Diese Firmen hätten weder Bewilligungen noch eine Aufsicht. Und die Beteiligten würden immer wieder unter anderen Namen auftauchen.

Auf Verkaufslisten steht, wer mit Nicstic-Aktien Geld verloren hat. Bei all diesen Personen meldete sich in den letzten Wochen ein Inkassobüro. Es bietet an, erlittene Verluste gegen eine Erfolgsprämie zurückzuholen. «Kassensturz» hat einen Verdacht: Das Inkassobüro ist nicht astrein. 20'000 Franken will das Inkassobüro als Anzahlung im Voraus. Das Geld wird jeweils von einem Kurier abgeholt.

Noch kein Strafverfahren

«Kassensturz» überrascht ihn mit Fragen: Wer ist ihr Auftraggeber? «Ein Herr Peter Frey.» Und für wen arbeitet Peter Frey? «Keine Ahnung.» Stimmt – der Kurier weiss von nichts. Und er hatte keine Ahnung, wer sein Auftraggeber ist. «Kassensturz» weiss: Das Inkassobüro gibt es nicht und auch Peter Frey gibt es nicht. Die Drahtzieher kommen aus dem Umfeld von Nicstic. «Das ist ein enges, internationales Geflecht. Es ist schwierig, nachzuvollziehen, wohin und über welche Strohmänner das Geld wegfloss», sagt Bichsel.

Der Ärger bei Opfern ist gross: «Das sind absolute Gauner. Unser Rechtssystem ist nicht darauf ausgelegt, solchen Leuten für lange oder immer das Handwerk zu legen.» Oder: «Es ist unglaublich, die machen immer weiter und man kann sie irgendwie nicht fassen.» Bei Nicstic verloren mindestens 500 Anleger ihr gesamtes Geld. Bei Denverson sind teilweise dieselben Leute am Ruder.