Restaurants: Wenig Interesse an Bio-Produkten

In der Schweiz gibt es derzeit nur rund 50 klassische Restaurantbetriebe, welche mit der Bioknospe zertifiziert sind. Seit Jahren läuft es harzig. «Espresso» zeigt, mit welcher Taktik «Bio Suisse» nun die Gastronomen überzeugen will.

Immer mehr Schweizer Konsumenten kaufen gerne nach bestem Wissen und Gewissen ein. Bioprodukte verkaufen sich – gerade im Coop und in der Migros – derzeit sehr gut. Der Trend setzt sich fort. Wie «Bio Suisse» an der Jahresmedienkonferenz mitteilte, wuchs der Biomarkt im 2013 um über 12 Prozent. Der Gesamtumsatz stieg auf über zwei Milliarden Franken. Das Bedürfnis der Konsumenten nach biologischen und natürlichen Lebensmitteln scheint gross zu sein.

In Restaurants sind praktisch keine Knospen-Produkte erhältlich

Trotzdem führen viele Gastrobetriebe keine Bioknospen-Produkte im Sortiment. Knospen zertifizierte Restaurants gibt es in etwa 50. Ein Bio-Menu sucht man oft vergebens. Bio Suisse hat in den letzten Jahren verschiedene Varianten geprüft, wie Bio-Produkte in den Restaurants besser Fuss fassen könnten.

Mehr «Bio» in Restaurants?

  • Sollen Gastrobetriebe mehr Lebensmittel aus «Bio»-Produktion anbieten?

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Gegnüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» auf Radio SRF 1 bekundet der Präsident von «Bio Suisse», Urs Brändli, Schwierigkeiten: «Es hat sicher auch mit dem wirtschaftlichen Kampf von vielen Restaurantbetrieben zu tun. Wenn sie sehr knapp kalkulieren müssen, dann wollen sie möglichst günstig einkaufen.»

Ein weiterer Grund ist laut dem «Bio Suisse»-Marketingleiter Jürg Schenkel, dass viele Gastronomen und Köche noch nicht ganz von Bio überzeugt sind: «Der Koch ist der Star, der Hero und Künstler. Er muss bewusst Bioprodukte einsetzen wollen.»

Gastronomen in Workshops überzeugen

Seit rund einem halben Jahr bietet Bio Suisse deshalb auch Kurse für Restaurantbetreiber und Köche an und lädt diese aktiv ein. Das Ziel sei es zu vermitteln, wie sie Bio geniessen – und den Mehrwert von Bio erkennen können.

Auch der Sinn von Bioprodukten werde erklärt. Es werde aber auch gezeigt, wie man Bio richtig vermarkte, sagt Bio Suisse-Marketingleiter Jürg Schenkel: «Wenn der Gastronom auf seiner Speisekarte schreiben kann, dass er Bio-Fleisch verwendet, ist das ein Vorteil für ihn. Es macht den Konsumenten «gluschtig».»

Ob der Branchenverband GastroSuisse zu gleichem Schluss kommt, konnten die Verantwortlichen aus Zeitgründen nicht sagen. Restaurantbesitzer Eli Wengenmaier aus Seengen nimmt sich Zeit und findet Bio grundsätzlich auch eine gute Idee. Auch er verwendet saisonal Bio-Produkte.

Eine totale Umstellung auf Knospen-Produkte kann er sich trotzdem nicht vorstellen: «Unser Ausflugs- und Bankettrestaurant ist auf ein dauerhaft verfügbares statisches Angebot angewiesen.» Die aktuell verfügbare Qualität und der Preisaspekt seien sicher zentrale Elemente, warum sich ein Gastronom gegen Bio entscheiden könne, so Wengenmaier weiter.

«Bio Suisse» trotz allem optimistisch

Trotz der stagnierenden Zahlen von Bioknospen-Produkten in Restaurants glaubt «Bio Suisse» daran, dass sich Bio vor allem in den Restaurants im mittleren Preissegment etablieren wird. Aber auch grosse Restaurantketten und Imbissbuden sind laut dem Präsidenten von «Bio Suisse» Urs Brändli geeignet: «Wir haben auch unser Angebot angepasst.

Es gibt die Möglichkeit, dass man neu nur einzelne Bio-Produkte einsetzt und diese auf der Karte entsprechend mit der Knospe markiert.» Mit dieser Massnahme soll das Angebot geöffnet werden. Brändli stellt ebenfalls in der Gastroszene in den Städten eine kleine Trendwende zu mehr natürlichen Produkten fest.