Ricardo erhöht die Gebühren erneut massiv

Ab 1. Juli müssen private Verkäufer auf der Internetplattform Ricardo bis zu 50 Prozent mehr Gebühren zahlen. Vor allem Verkäufe bis 800 Franken werden zum Teil massiv teurer. Gewerbliche Verkäufer jedoch zahlen weniger. Private Ricardo-Nutzer ärgern sich.

Auktionshammer auf einer Tastatur, dahinter ist die Ricardo-Webseite sichtbar.

Bildlegende: Auktionen auf Ricardo lohnen sich nicht immer. Colourbox

«Ricardo nutzt seine Monopolstellung aus», schreibt ein verärgerter Nutzer. Ein anderer: «Ich verstehe überhaupt nicht, warum ich als Privatverkäufer mehr zahlen muss.» Und eine Nutzerin findet: «Bereits vor weniger als einem Jahr erhöhte Ricardo die Preise massiv. Jetzt schon wieder. Diese Erhöhungen lassen sich nicht rechtfertigen.» Den Zorn seiner Nutzer auf sich gezogen hat die Internet-Auktionsplattform Ricardo mit einer erneuten Preiserhöhung, die per 1. Juli in Kraft tritt. Dabei werden die Gebühren, welche bei einem erfolgreichen Verkauf fällig werden, massiv erhöht.

Bis zu 50 Prozent teurer

Bisher hatte Ricardo abgestufte Gebühren, die je nach Verkaufspreis variierten. Neu wird bei jedem erfolgreichen Verkauf eine Abschlussgebühr von 8 Prozent fällig, die maximal 40 Franken beträgt. Verkäufe mit Preisen bis 800 Franken werden bis zu 50 Prozent teurer.

Wer zum Beispiel ein Handy für 100 Franken versteigert, musste bisher 6.50 Franken Abschlussgebühren berappen. Neu sind es 8 Franken. Das entspricht einer Erhöhung von knapp 25 Prozent. Noch stärker ins Gewicht fällt die Erhöhung der Gebühren bei Verkäufen von 500 Franken. Anstatt bisher 26.50 kostet das neu 40 Franken. Erst wenn eine Versteigerung mehr als 800 Franken bringt, werden die Gebühren billiger als bisher.

«Tiefpreisige Artikel werden etwas teurer, hochpreisige Artikel dafür günstiger», sagt Ricardo-Mediensprecher Simon Marquart auf Anfrage des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1. Und: Bis jetzt allerdings seien die Verkäufe von mehr als 800 Franken noch in der Minderheit. Er betont aber: «Mit dem einheitlichen Satz von 8 Prozent werden die bisher gestaffelten, komplizierten Abschlussgebühren vereinfacht.» Vor weniger als einem Jahr hatte Ricardo die Preise bereits massiv erhöht. So kosteten Verkäufe bis zu 500 Franken damals fast 40 Prozent mehr.

Marktmacht ausnutzen?

Die Nutzer ärgern sich, dass Ricardo seine Marktmacht ausnützt. Denn die Konkurrenz wie «Ebay» ist für die meisten keine Alternative, obwohl sie billiger wäre als Ricardo. Auch bei Gratisportalen, wo Inserenten ihre Produkte kostenlos anbieten können, sei die Beachtung nicht so gross wie bei Ricardo, sagt eine «Espresso»-Hörerin, die regelmässig gebrauchte Artikel versteigert. Ricardo-Mediensprecher Simon Marquard bestätigt das: «Mit 600‘000 Besuchern täglich ist Ricardo der grösste Online-Marktplatz der Schweiz.»

Ricardo möchte noch mehr gewerbliche Verkäufer anziehen, welche neue Produkte zu Fixpreisen anbieten. «So können wir das Sortiment auf der Plattform deutlich vergrössern», sagt Marquard. Bei vielen privaten Verkäufern stösst diese Strategie auf wenig Verständnis. Denn diese gewerblichen Verkäufer zahlen massiv tiefere Gebühren.

Simon Marquard rechtfertigt die Unterscheidung: «Gewerbliche Verkäufer erwirtschaften je nach Branche unterschiedliche Margen. Mit den spezifischen Abschlussgebühren wird Ricardo für gewerbliche Verkäufer attraktiver und das Sortiment grösser.» Wenn ein Verkäufer pro Monat im Schnitt mehr als 20 Artikel verkaufe, könne er sich für eine Umstufung auf ein gewerbliches Konto bei Ricardo melden, sagt Marquart.